In der Hauptstraße ist es derart eng, dass Begegnungsverkehr nicht möglich ist
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In der Hauptstraße ist es derart eng, dass Begegnungsverkehr nicht möglich ist

Ortsdurchfahrt zu eng

Umgehungsstraße für Wirbelau gefordert

  • Rolf Goeckel
    VonRolf Goeckel
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Geplanter Neubau der Lahnbrücke Gräveneck ist Thema im Ortsbeirat des Runkeler Stadtteils.

Runkel -Bange blicken viele Wirbelauer auf den geplanten Neubau der Lahnbrücke im Nachbarort Gräveneck. Denn das Straßenbauprojekt, das ganz oben auf der Agenda der Sanierungsoffensive des Landes Hessen bis 2022 steht, hätte aller Voraussicht nach unliebsame Auswirkungen auf den örtlichen Verkehr. Die Befürchtung: Der Schwerlastverkehr durch die enge Ortslage von Wirbelau könnte dramatisch zunehmen. Ein Ausweg, so Ortsvorsteher Lothar Hautzel (SPD) im Gespräch mit dieser Zeitung, könnte der Bau einer Umgehungsstraße für Wirbelau sein. Das Thema Lahnbrücke Gräveneck stand auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats.

Angekündigt ist zwar, dass der Brückenneubau im Jahr 2022 beginnen soll, doch aktuelle Informationen über den Planungsstand für das mit Kosten von 6,3 Millionen Euro geplante Bauvorhaben lägen nicht vor, bemängelte Hautzel. Eine kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Tobias Eckert (SPD) soll daher Klärung bringen, erhofft sich der Wirbelauer Ortsbeirat. Außerdem wurde der Magistrat der Stadt Runkel gebeten, Informationen zu beschaffen, wann es mit dem Projekt losgehen soll. Ziel sei es, dass der Ortsbeirat in die weiteren Planungen eingebunden wird, so Hautzel. Zugleich soll der Magistrat die Forderung der Wirbelauer nach einer Ortsumgehung auf den Weg bringen.

Engstelle in

der Hauptstraße

Die Grävenecker Lahnbrücke ist nur einspurig befahrbar und auf Fahrzeuge bis zu einem Gesamtgewicht von neun Tonnen beschränkt. Im Falle des geplanten zweispurigen Ausbaus wäre die Brücke auch für Lkw bis zu 40 Tonnen benutzbar, die dann auch die Hauptstraße in Wirbelau nutzen müssten, um weiter beispielsweise in Richtung B 49 zu fahren.

Während der bis 2019 amtierende frühere Bürgermeister von Runkel Friedhelm Bender (SPD), der auch selbst in Wirbelau wohnt, noch versucht hatte, das Brückenbauprojekt in Gräveneck zumindest in der vorgesehenen Dimension zu verhindern, hat sich der Ortsbeirat inzwischen damit abgefunden, dass der Neubau wohl nicht mehr zu verhindern ist. "Der Brückenbau ist Fakt", erklärte Lothar Hautzel kurz und bündig. Nun aber gelte es, die Auswirkungen für das 900-Seelen-Dorf so gering wie möglich zu halten.

Sorge bereitet ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen im Ortsbeirat vor allem eine Engstelle in der Wirbelauer Hauptstraße, auf der ein Begegnungsverkehr schon derzeit nicht möglich ist. Aus Sicht der Kommunalpolitiker kaum auszudenken, wie ein 40-Tonnen-Lkw diese schmale Passage befahren soll. Und dass größere Lastwagen zu erwarten sind, wenn das bisherige Nadelöhr Lahnbrücke Gräveneck nicht mehr besteht, davon geht Lothar Hautzel aus. Er hat vor allem die Schwerlastfahrzeuge einer Tiefbaufirma und den Andienungsverkehr für das Gewerbegebiet Gräveneck vor Augen.

Anders sieht dies allerdings das Regierungspräsidium Gießen. Laut einer Prognose der Behörde aus dem Jahr 2016 soll der Schwerlastverkehr von derzeit 30 Fahrzeugen am Tag gar nicht und der Verkehr insgesamt nur von 850 auf 1000 Fahrzeuge steigen. Zahlen, die Hautzel für allzu optimistisch hält. "Der Anreiz, auf Nebenstrecken Maut zu sparen, ist sehr groß", meint der Ortschef. "Wenn die 40 Tonnen auf der Lahnbrücke erlaubt sind, wird das auch genutzt", ist er sich sicher.

Einbahn für Horstert-

oder Vorderstraße

Da ein Begegnungsverkehr auf der Hauptstraße ausgeschlossen ist, müsste laut Hautzel entweder eine Ampel installiert werden oder der Verkehr in eine Richtung innerörtlich umgeleitet werden. In Frage kämen Einbahnregelungen entweder für die Horstertstraße oder die Vorderstraße. Da es sich dabei um städtische Straßen handelt, erhofft sich der Ortsbeirat ein gewisses "Druckmittel", um Einfluss auf die weiteren Planungen in Sachen Lahnbrücke zu nehmen, so Hautzel.

Eine Beschränkung der Fahrzeug-Tonnage auf der Brücke dürfte den Wirbelauern allerdings kaum etwas bringen, ist Hautzel überzeugt. Denn auch Fahrzeuge, die weniger als 40 Tonnen wiegen, seien groß genug, um dem kleinen Dorf Probleme zu machen. Der Gedanke an eine Ortsumgehung liege also nahe - vor allem mit Blick darauf, dass der künftige Standort der Grävenecker Brücke lahnaufwärts in Richtung Campingplatz verlegt werden soll, so dass der Bau einer Ortsumfahrung für Wirbelau aus seiner Sicht technisch zu bewerkstelligen sei. Dabei macht sich Hautzel nichts vor, dass der Wunsch nach einer Umgehungsstraße nur geringe Aussichten auf Erfolg hat. "Wir sind schließlich Realisten", sagt er. Dennoch gelte für ihn der Grundsatz, dass, wer nichts fordert, auch nichts bekommt.

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