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Zukunft der Kleingärten weiter ungewiss

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Von: Robin Klöppel

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Bürgermeister Michel Kremer (Dritter von links) hat sich mit den Betroffenen in den "Borngärten" umgesehen. Die Stadt würden das Kleingartengebiet gerne legalisieren. Dies ist aber schon seit Jahrzehnten Thema.
Bürgermeister Michel Kremer (Dritter von links) hat sich mit den Betroffenen in den "Borngärten" umgesehen. Die Stadt würden das Kleingartengebiet gerne legalisieren. Dies ist aber schon seit Jahrzehnten Thema. © Robin Klöppel

Für die "Borngärten" in Runkel fehlt weiterhin ein Bebauungsplan

Runkel -Die Besitzer und Pächter der bereits zu Nachkriegszeiten existierenden Kleingartenkolonie "Borngärten" zwischen Lahn und L 3063 am Runkeler Ortsausgang in Richtung Villmar sind verunsichert. Sie haben Angst, dass sie ihre insgesamt um die 50 Freizeitgärten und -hütten verlieren könnten, nachdem der Landkreis das Gartengebiet überprüft hat. Was die Prüfung ergeben hat, ob es noch eine Möglichkeit gibt, die Gärten und die Bauten zu legalisieren, müssen sie nun abwarten.

"Wenn wir eine Stellungnahme des Kreises dazu vorliegen haben, werden wir die Anwohner informieren", sagt Bürgermeister Michel Kremer (parteilos) bei einem Treffen der Gartenbesitzer. In der städtischen Politik gebe es sicher niemanden, der das Gartengebiet weghaben wolle. Nach der Stellungnahme des Kreises würden die Grundstücksbesitzer und -pächter zu einer Bürgerversammlung eingeladen, um das weitere Vorgehen zu besprechen, kündigt Kremer an.

Fehlende Zufahrt

als Hauptproblem

Das Hauptproblem ist seiner Einschätzung nach, eine Zufahrt für das Gartengebiet zu schaffen, die sämtliche Grundstücke anbinde. Denn offiziell wird es Hessen Mobil laut Bürgermeister keinesfalls erlauben, dass weiter an der Landesstraße zwischen Runkel und Villmar geparkt wird. Kremer denkt auch nicht, dass ein vorhandener Grasweg an der Lahn ausgebaut als Zufahrt akzeptiert werden könne, weil sich dieser zu nah an der Uferzone befinde. Möglicherweise müssten die Eigentümer bereit sein, auf jeweils ein Stück ihres Grundstückes zu verzichten, um eine andere Zufahrt schaffen zu können.

Dazu sind die anwesenden Betroffenen durchaus bereit. Sie würden sich sogar an den Verfahrenskosten beteiligen, wenn sie nur ihre teilweise seit Jahrzehnten bewirtschafteten Gärten behalten können. Michel Kremer hofft, dass von der übergeordneten Behörde ein konstruktiver Lösungsvorschlag kommen werde, den die städtischen Gremien in Zusammenarbeit mit den Gartenbesitzern umsetzen könnten.

Kremer wünscht sich, dass im Bereich "Borngärten" alle Gartengrundstücke und Bauten über einen Bebauungsplan rechtssicher gemacht werden könnten. Wenn nicht alles legalisiert werden könne, müsse man wenigstens das retten, was zu retten sei.

Einst auf mündliche

Zusage verlassen

Hans Werner Demel, einer der Gartenbesitzer, erzählt: "Wir haben den Garten schon in der vierten Familiengeneration." Als die Demels ihre Gartenhütte bauten, war es noch eine andere Zeit, als man Vorschriften in manchen Verwaltungen noch viel lockerer als heute nahm. Der 58-jährige Industriemeister berichtet, dass sein Vater Gerhard damals mit Bürgermeister Herbert Klos (SPD) gesprochen und dieser ihm mündlich zugesagt habe: "Bau' ruhig mal. Kein Problem, wenn es nicht zu groß wird." Doch natürlich könnte man heute keine schriftliche Genehmigung vorlegen. "So wird es sicher vielen anderen auch gehen", denkt Demel.

Selbst wenn man Zeugen für die Aussagen von Herbert Klos hätte, würde das in der aktuellen Situation nichts bringen. "Wenn ich als Bürgermeister etwas zusage, was ich eigentlich nicht zusagen darf, hat das keine Rechtskraft", stellt Michel Kremer klar.

Hans Werner Demel legt alte Zeitungsartikel der Nassauischen Neue Presse von 1992 vor, die mit Überschriften wie "Rechtssicherheit der Bürger ist erschüttert" und "Die Kleingärten sollen jetzt legalisiert werden" überschrieben sind. Im letztgenannten Artikel steht, dass die Stadt bis 1996 einen den fehlenden Bebauungsplan aufstellen wolle. Demel fragt sich nun, warum das nicht längst geschehen sei ist und die Betroffenen im Jahr 2022 immer noch im Unklaren seien.

Der Kleingartenbesitzer warnt Bürgermeister Kremer auch, dass wenn die Betroffenen ihre Kleingärten räumen müssten, das Gelände in wenigen Monaten zu einer Müllkippe verkommen werde. Demel sagt: "Alleine schon aus Erinnerung an meine Großeltern bedeutet mir der Garten sehr viel. Es wäre eine Tragödie, ihn zu verlieren".

Kreissprecher Jan Kieserg teilt mit, dass in Runkel bereits 2008 ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst worden sei. Regelmäßige Nachfragen des Kreises bei der Stadt hätten aber ergeben, dass dieser mehrfach in der Offenlage gewesen sei, sich die Erschließung des Gartengebietes aber als schwierig gestalte. "Insbesondere für die Zufahrts- bzw. Parkplatzsituation ist eine einvernehmliche Abstimmung mit Hessen Mobil notwendig", so Kieserg. Da kein Fortschritt in der Sache zu verzeichnen gewesen sei, habe der Kreis das Thema wieder aufgenommen und Ortsbesichtigungen durchgeführt. Über die Ergebnisse würden Stadt und Grundstückseigentümer informiert. Robin Klöppel

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