Wahl in Runkel

Parteiloser Ortsvorsteher zwingt Bürgermeister Friedhelm Bender in die Stichwahl

Mit einer Stichwahl hatten wohl die meisten Beobachter der Runkeler Bürgermeisterwahl gerechnet. Dass aber der erst 33-jährige Runkeler Ortsvorsteher Michel Kremer Bürgermeister Friedhelm Bender (SPD) in einen zweiten Urnengang zwingt, hatten wohl die wenigsten geglaubt.

Schon als gegen 18.30 Uhr aus Eschenau das erste Ergebnis der Runkeler Bürgermeisterwahl auf der großen Leinwand im Sitzungssaal des Rathauses erscheint, deutet sich eine Überraschung an: Kremer vor Bender, gefolgt vom CDU-Kandidaten Bernd Schäfer, dann abgeschlagen die parteilosen Bewerber Christoph Bayer und André Brandes. Zwar dreht sich im Laufe des Abends die Reihenfolge zwischen Kremer und Bender schnell, doch der zweite Platz ist dem Runkeler Ortsvorsteher nicht mehr zu nehmen.

Richtig spannend wird es noch einmal, als die Briefwahl ausgezählt wird: Gut anderthalb Stunden lässt das Ergebnis auf sich warten. Am Ende kann sich Schäfer zwar auf knapp ein Prozent an Kremer heranschieben, doch schon brandet Jubel auf: Kremer hat es geschafft. Als aussichtsreicher Außenseiter, ohne Parteiunterstützung, hat er den 64-jährigen Amtsinhaber in die Stichwahl gezwungen. Nur etwas mehr als neun Prozentpunkte trennen die beiden Kontrahenten. Aus Kremers Sicht ist der zweite Durchgang in drei Wochen völlig offen. "Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf", gibt sich der 33-Jährige kämpferisch.

"Vertrauensverlust"

Sein gutes Abschneiden erklärt Kremer vor allem mit dem "Vertrauensverlust" vieler Wähler in die großen Parteien. "Was im Großen gilt, spiegelt sich auch im Kleinen wider", sagt er. Ihm sei es offensichtlich gelungen, inhaltlich zu überzeugen. "Viele Menschen vertrauen mir und trauen mir das Bürgermeisteramt zu." Sein Erfolg sei auch das Ergebnis eines engagierten Haustürwahlkampfs mit rund 200 Stunden Einsatz, aber auch einer überzeugenden Vorstellung bei der NNP-Podiumsdiskussion wenige Tage vor der Wahl. "Das hat mir sicher noch ein paar Prozente gebracht", glaubt er.

Friedhelm Bender wirkt an diesem Abend sichtlich angespannt, aber gefasst. "Ich bin den Menschen dankbar, die mir ihre Stimme gegeben haben", sagt der Bürgermeister, der andeutet, dass er sich einen Sieg im ersten Wahlgang erhofft hat. "Man hofft, aber der Wähler entscheidet." In die Stichwahl gehe er mit nun "großem Optimismus" und mit "hoher Motivation".

Von Enttäuschung über seinen dritten Platz will CDU-Bewerber Bernd Schäfer nicht sprechen. "Ich akzeptiere dieses Ergebnis und freue mich über die gute Wahlbeteiligung von fast 70 Prozent", sagt er. "Diese Wahl mit fünf Bewerbern war auf jeden Fall ein Zugewinn für die Demokratie", meint er. Politisch wolle er im Dehrner Ortsbeirat auf jeden Fall aktiv bleiben.

"Blockadepolitik"

Von einer "interessanten Erfahrung" spricht Christoph Bayer aus Ennerich, der einräumt, dass er nicht ernsthaft an die Teilnahme an der Stichwahl geglaubt habe. Am Freitag erst habe er einen langfristigen Wartungsvertrag abgeschlossen, aus dem er gar nicht so ohne weiteres wieder herausgekommen wäre. André Brandes, der mit nur 1,6 Prozent deutlich abgeschlagen ist, wirkt mit sich selbst im Reinen. "Das Leben geht weiter", sagt er.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Lothar Hautzel hätte mit einem besseren Abschneiden Benders gerechnet. Er weist auf die "Blockadepolitik" des Stadtparlaments gegen Bender hin. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Armin Naß ist enttäuscht über das Abschneiden Schäfers. Sollte Kremer zum Bürgermeister gewählt werden, wäre dies ein "Chance für Runkel". Erhard Becker, Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste, hätte sich ebenfalls Schäfer in die Stichwahl gewünscht. Aber: "Wir wollen den Wechsel", so Becker.

Alle Ergebnisse finden Sie in Tabellenform auf Seite 15

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