Tradition

Ist die Sachsenhäuser Kirmes in Diez am Ende?

2018 wird es keine Sachsenhäuser Kirmes geben. Viel spricht dafür, dass die Veranstaltungspause das endgültige Ende des Traditionsfestes ist. Dennoch: Über ein neues Konzept soll nachgedacht werden.

Nicht viel fehlt, und die Kosten wären doppelt so hoch wie die Einnahmen. Trotz „extrem abgespecktem Programm“ blieb das viertägige Fest 2017 erneut deutlich hinter den Erwartungen zurück. So deutlich, dass selbst die Rücklagen des Vereins bald aufgebraucht sein werden. Vorbei die Jahre, als die Mitglieder einer Kapelle drei Tage lang in Diez aufspielten und sogar hier übernachteten.

Bei manchen, die die Traditionskirmes in früheren Jahren als „Fest fürs Volk“ erlebten, mag über die Entwicklung des ehemaligen Heimatfestes Wehmut aufkommen. Aber schon die Hauptversammlung am Samstag im Schaumburger Hof offenbart, dass sich die Zeiten geändert haben – der Vorstand bleibt weitgehend unter sich. Viel zu diskutieren ist nach Bilanz und Kassensturz ohnehin nicht, die Finanzen lassen keinen Spielraum mehr zu, die Lage hat sich nicht verbessert. Alle Kosten müssen aus der mit Beiträgen und Platzmieten spärlich gefüllten Vereinskasse getragen werden.

Was sich in den vergangenen Jahren auf dem Festplatz abspielte, das setzt sich beim Jahrestreffen fort – es fehlt das Interesse. Auch bei den Helfern: Schon die Vor- und Nachbereitung der Kirmes war „nicht ganz einfach“. Und weil zudem gespart werden musste, wurde mit Lichterketten diesmal nur die Sachsenhausener Seite der Bundesstraße geschmückt. Besonders bitter: Mehr als sechs Jahrzehnte nach der Gründung im Jahr 1953 feierten die aktuell 50 Mitglieder 2017 den 60. Jahrestag als eingetragener Verein. Zum Jubiläum hatten sich wenigstens ein paar junge Leute dem Erhalt des Brauchtums verschrieben und sich aktiv beteiligt.

Es blieb nichts anderes übrig, als sich den veränderten Bedingungen anzupassen – auch beim Programm. Dennoch war schon kurz nach den Festtagen die Rede von einem „schweren Verlustgeschäft“ und tiefrotem Ergebnis für die Kirmesgesellschaft. Nach bereits „kontinuierlich rückläufigen Zahlen“ für das vorangegangene Vereinsjahr der nächste Tiefschlag. Noch während der Veranstaltung hatte sich bei durchweg geringem Besuch nichts von der erhofften Kehrtwende angedeutet. Nicht mal das Feuerwerk kann sich noch als Magnet für den Festplatz erweisen. Vorbei die Zeiten, als viele Schaulustige das Spektakel verfolgten und im Anschluss nahezu geschlossen zum Festplatz zogen. Vorbei auch die Zeiten, als das Festzelt mehrfach vergrößert werden musste und sich montags beim Frühschoppen Besucher um mehrere hundert Preise einer Tombola drängelten. Inzwischen, so stellt es Edgar Prinz dar, ist es schon schwierig, ein Zelt zu bekommen und Schausteller nach Diez zu holen. Mangels Erfolgsaussicht sind in der Vergangenheit einige gar nicht erst gekommen oder kurzfristig abgesprungen. Manchmal unentschuldigt. Verträge für 2018 hat die Kirmesgesellschaft gar nicht erst abgeschlossen.

Erklärungen des Vorsitzenden klingen vage. Das Geld sitze nicht mehr so locker, es gebe zu viele Veranstaltungen – über die Gründe des nachlassenden Interesses kann Prinz nur spekulieren. Im Angebot sieht er keinen Grund: „Wir bieten genug.“ Das ist dann auch mitentscheidend dafür, dass die Kirmes ein dickes Loch in die Vereinskasse reißt. Allein das Feuerwerk schlägt mit rund 4000 Euro zu Buche.

Mit den Jahren reduzierten die hohen Fixkosten die finanziellen Reserven zusehends. Um nach wiederkehrenden Defiziten finanziell überhaupt noch über die Runden zu kommen, griffen Mitglieder in die eigene Tasche, kommen so zum Beispiel für die Begleitung durch die Musikfreunde Westerwald beim Aufstellen des Kirmesbaumes auf.

Der Freitag, der eigentliche Auftakt, war wieder einmal schlecht besucht. Fallen lassen konnte ihn die Kirmesgesellschaft nicht – „die Fahrgeschäfte brauchen den zusätzlichen Tag“, beschreibt Edgar Prinz das Dilemma. Auf den früher üblichen bunten Abend haben die Veranstalter inzwischen verzichtet.

Anders der Samstag. „Der boomt“, führt Prinz den Reigen aus Böllerschüssen, Baumstellen und Tanzmusik erneut als stärksten Verkaufs- und Besuchertag an. Nachmittags kommen in der Regel Familien mit kleinen Kindern auf den Festplatz, abends wird dann das Musik-Feuerwerk von vielen Schaulustigen verfolgt. Der Sonntag verläuft ähnlich wie der Freitag eher ruhig. Die Kirmes dreht sich um Kinderbelustigung mit Ballonwettflug und Sachpreisen. Der Frühschoppen mit Fassbieranstich am Montag verzeichnet seit Jahren eine schleppende Nachfrage mit rückläufigem Besuch.

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