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Neben dem historischen Rathaus und der Kirche gehört das 1884 in Betrieb genommene Eisenbahn-Viadukt über das Sandbachtal zu den Wahrzeichen von Niedererbach. Um auch in den kommenden Jahrzehnten einen sicheren Eisenbahnbetrieb, vor allem im schweren Güterverkehr, zu ermöglichen, wird die Brücke im kommenden Jahr umfassend saniert.

Brücken auf der Westerwaldstrecke

Sanierung und Abriss

Zwischen Niedererbach und Dreikirchen besteht bei drei Brückenbauwerken Sanierungsbedarf, um die vor allem im Güterverkehr stark beanspruchte Strecke von Staffel nach Montabaur für die nächsten Jahrzehnte in einem betriebssicheren Zustand zu erhalten.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Sanierung der seit 1992 unter Denkmalschutz stehenden Brücke über das Sandbachtal bei Niedererbach. Die beiden anderen Brückenbauwerke sollen durch moderne Bauten ersetzt werden. Vertreter der Deutschen Bahn und des beauftragten Ingenieurbüros Reiser+Schlicht informierten in Bürgerversammlungen in Ober- und Niedererbach über die im Jahr 2017 geplanten Arbeiten.

Ein Wahrzeichen von Niedererbach ist das sechsbogige bis zu 27 Meter hohe Viadukt über das Sandbachtal. Seit 1991 steht die 1884 in Betrieb genommene „Hohe Brücke“ unter Denkmalschutz. Im Gegensatz zu den beiden anderen Brücken sind die Backstein-Gewölbe und Naturstein-Pfeiler in einem besseren Zustand, erfordern aber dennoch eine umfassende Sanierung mit Ankern (Vernadelung) in den Pfeilern und Austausch von Ziegelsteinen und neuer Verfugung der Gewölbe.

Für die Versorgung der Baustelle soll ein bestehender Feldweg von einem Reiterhof an der Straße nach Nentershausen um eine Baustraße hinunter in den Talgrund ergänzt und mit zwei Begegnungsstellen ausgerüstet werden. Im Tal muss der Sandbach während der Arbeiten verrohrt und eine Fläche für die Aufstellung von Baumaschinen und Gerüsten geschaffen werden. Die Brücke wird eingerüstet und die beiden Wanderwege im Tal sind während der Bauzeit gesperrt, Umleitungen sollen ausgeschildert werden.

Nur während der gesperrten Bahnstrecke zwischen dem 4. August und dem 18. September sind Arbeiten rund um die Uhr geplant. Nach dem Abbau des Gleises und des Gesimses mit dem Geländer wird das Bauwerk mit einer Bitumenschicht versehen. Ein Kran hebt insgesamt 46 Fertigbeton-Platten als neue Tragplatte für das Gleis und die Sicherheitswege auf die Brücke. In Absprache mit dem Denkmalschutz wird die Unterseite der Tragplatten seitlich eine rote Farbgebung erhalten und die neuen Geländer den bestehenden weitgehend entsprechen. Mit einem neuen Stahlschwellen-Oberbau, ergänzt um eine Zwangsschiene als Entgleisungsschutz, soll der planmäßige Verkehr am 18. September 2017 wieder aufgenommen werden.

Das kleinste Bauwerk ist eine dreibogige Brücke über einen Fuß- und Radweg zwischen Dreikirchen und Obererbach, der unmittelbar unterhalb des Steinbruchgeländes verläuft. Der Begriff Odenwälder Brücke stammt noch aus der Zeit, als die Odenwälder Hartsteinwerke den Bruch betrieben haben.

Eine Sanierung des stark geschädigten Mauerwerks der vorhandenen Brücke sei wirtschaftlich nicht mehr darstellbar, so die Vertreter der Bahn und die Fachleute. Sie wird durch ein Stahlbeton-Rahmenbauwerk ersetzt. Damit ergibt sich die Möglichkeit, die bislang nur in der Mitte vorhandene Durchfahrtshöhe von 3,20 Meter auf 3,35 Meter anzuheben. Die neue Breite beträgt 4,50 Meter. Das Bauwerk soll ab März 2017 auf der gesperrten Wiesenstraße neben der Bahnstrecke gebaut und während der vorgesehenen Streckensperrung eingeschoben werden. Für die Baustelleneinrichtung sind Flächen entlang der Bahn vorgesehen, die Arbeiten sollen ausschließlich bei Tage (7 bis 20 Uhr) erfolgen.

Weitgehend unbekannt und versteckt im Wald liegt die dreibogige Natursteinbrücke „Tiefental“ bei km 8,86. In rund zwölf Metern Höhe führt die Bahnlinie über den Talgrund. Die Schadenskartierung hat ergeben, dass die Stein- und Mörtelfestigkeiten nicht mehr ausreichend sind. Eine in den 1940er- Jahren aufgebrachte Spritzbetonschale ist stark geschädigt und platzt durch Feuchtigkeit und Frost großflächig ab. Daher gibt es auch hier einen Neubau.

Zukünftig bildet ein Stahlbeton-Rahmenbauwerk mit 4,5 Metern in der Breite und Höhe und einer Länge von 28,50 m den Durchlass unter den Gleisen. Dieses kann unabhängig vom Eisenbahnbetrieb ab März 2017 unter der Brücke errichtet und anschließend bereits mit einem Mineralgemisch seitlich und oben überdeckt werden.

Während der Streckensperrung im Sommer folgt lediglich der Abbruch der Gewölbebögen, die Pfeiler bleiben stehen. Für den neuen Bahndamm sind rund 12 000 Kubikmeter Material erforderlich. Um die Baustelle erreichen zu können müssen zwei Baustraßen und zwei Einrichtungsflächen geschaffen werden. Auch bei dieser Baustelle ist ein Einschichtbetrieb zwischen 7 und 20 Uhr vorgesehen. hpg

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