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Fachkräftemangel

Sanitärfachmann Erik Ketter bedauert, dass sich immer weniger junge Leute für seinen Beruf interessieren

Im Rahmen unserer Serie zum Fachkräftemangel stellen wir heute die Heizungs- und Sanitärfirma Ketter vor. Dem Betrieb mangelt es "noch" nicht an qualifizierten Mitarbeitern, aber die Zahl der Bewerber ist in den vergangenen Jahren enorm gesunken.

„Generell stehen in der Heizungsbranche aktuell viele freie Lehrstellen zur Verfügung. Bewerbungen bleiben allerdings oft aus“, sagt Erik Ketter, Geschäftsführer des Unternehmens. Seit er 1991 seinen Meister gemacht hat, bildet er in dem kleinen Betrieb in Münster regelmäßig aus. „Leider ist die Qualität der selten eingehenden Bewerbungen in den vergangenen Jahren stark gesunken“, erklärt er. Viele Kandidaten würden sich nur deshalb in der Heizungsbranche bewerben, weil sie in anderen Berufszweigen keine Chance auf eine Ausbildung erhalten hätten. Dementsprechend würden sie sich kaum Mühe bei der Gestaltung ihrer Bewerbungsunterlagen geben.

Immer mehr studieren

Viele Handwerksberufe, darunter auch der des Heizungsbauers, sind nicht mehr attraktiv genug für qualitativ gute junge Leute“, sagt Ketter. Stattdessen würden sich mehr Jugendliche nach dem Schulabschluss für ein Studium entscheiden.

„Da es immer leichter wird, einen höheren Schulabschluss zu erlangen, steigen die Zahlen der Studierenden. Das wirkt sich enorm auf das Handwerk aus, da somit der Pool an potenziellen jungen Bewerbern immer kleiner wird“, sagt der Geschäftsführer. Das führe vermehrt zu Firmenschließung, weil es an Fachkräften mangeln würde.

„Es ist sehr schade, dass sich immer weniger junge Menschen für die Berufsbranche interessieren. Eigentlich ist unser Job extrem vielseitig und abwechslungsreich. Der technische Fortschritt betrifft auch zunehmend die Heizungs- und Sanitärbranche, so dass immer neue und spannende Herausforderungen zu meistern sind“, betont der Inhaber der Firma.

Trotz all der Schwierigkeiten ist die wirtschaftliche Situation des Unternehmens aktuell gut. „Die Auftragslage ist weiterhin sehr befriedigend“, sagt Ketter. Die neun Mitarbeiter des Betriebs, unter denen sich ein Auszubildender befindet, seien voll ausgelastet, aber nicht überfordert, so dass in der Firma ein gesundes Gleichgewicht zwischen der Anzahl an Aufträgen und der Zahl der Mitarbeiter herrsche. Trotz der aktuellen angespannten Lage in der Handwerksbranche, ist der Familienbetrieb aus Münster, der bereits seit 1972 existiert und nun in der zweiten Generation geführt wird, auch weiterhin bereit, junge Menschen auszubilden und so die Berufsgruppe zu stärken.

„Jeder der mit seinen Bewerbungsunterlagen und bei einem persönlichen Gespräch überzeugen kann, bekommt bei uns eine faire Chance. Zuverlässigkeit und Fleiß müssen allerdings definitiv erkennbar sein“, sagt Ketter.

Luca Hofrogge aus Haintchen absolviert derzeit seine Ausbildung in dem Unternehmen. Er ist bereits im dritten Lehrjahr und hofft zeitnah von der Firma übernommen zu werden. „Ich habe mich in dem Betrieb seit dem ersten Tag sehr wohl gefühlt. Alle Mitarbeiter helfen mir bei den täglichen Aufgaben und der Chef ist sehr fair zu seinen Angestellten“, sagt Hofrogge.

Mit Rat und Tat zur Seite

Auch bei den Aufgaben, die er in der Berufsschule in Weilburg zu bewältigen hat, stünden ihm die Kollegen mit Rat und Tat zur Seite. Die Hilfe scheint sich auszuzahlen, denn der Auszubildende hat sehr gute Noten. „Besonders faszinieren mich die abwechslungsreichen Tätigkeiten während meiner Arbeitszeiten. Es wird niemals langweilig, da immer neue Aufgaben auf mich warten“, sagt der Lehrling.

Auch die Geschäftsführung scheint mit der Arbeit des jungen Mannes sehr zufrieden. „Luca hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Dies liegt vor allem daran, dass wir ihn und auch alle Auszubildenden vorher direkt in die Praxis einführen. Fehler sind natürlich erlaubt. Niemand ist perfekt und schon gar nicht, wenn man erst neu in der Branche ist“, sagt Erik Ketter..

(tob)

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