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Die Schüler verfolgten aufmerksam Dirk Reinhardts Vortrag.

Ungewisse Zukunft

Schüler setzen sich mit dem Schicksal junger Mexikaner auseinander

Sie versuchen, auf Güterzüge aufzuspringen, um von Mexiko nach Texas zu gelangen. Mehr als 50 000 Jugendliche und junge Erwachsene begeben sich täglich auf eine gefährliche Reise. 170 Freiherr-vom-Stein-Schüler setzten sich mit dem Thema auseinander und verfolgten die Schilderungen von Dirk Reinhardt.

Flucht – mit diesem Thema haben sich zahlreiche Klassen der Dauborner Freiherr-vom-Stein-Schule auseinandergesetzt. Da die Flüchtlingswelle von Afrika übers Mittelmeer nach Europa fast täglich in Presse, Fernsehen und Politik eine große Rolle spielt, hatten sich die Verantwortlichen gemeinsam mit den Schülern für einen Flüchtlingsstrom entschieden, der bei weitem nicht so stark im Blick der Öffentlichkeit steht und über den sie gerne mehr erfahren wollten. Stichwort: „Train Kids“.

Die Organisatoren Sonja Schreiber und Ulla Wiemann luden Dirk Reinhardt ein. Er wisse wie kein anderer, was sich dort abspiele, und hat darüber auch das Buch „Train Kids“ geschrieben. Schulleiterin Judith Lehnert hieß Reinhardt willkommen. Er schilderte anschließend in zwei Lesungen vor insgesamt 170 Schülern der sechsten und siebten Klassen, was er bei seinem Besuch in Mexiko erlebt hatte.

Täglich sind weit über 50 000 meist männliche Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 35 Jahren auf der gefährlichsten Reise der Welt unterwegs, um von Guatemala, El Salvador und Honduras über Mexiko in die USA nach Texas zu gelangen. Sie springen auf Güterzüge auf und wollen so ganz auf sich alleine gestellt die 3000 Kilometer durch Mexiko überwinden. Oft warten sie tagelang am Bahndamm, bis ein geeigneter Güterzug kommt, auf den sie aufspringen können, berichtet Reinhardt. Überall lauerten an der Strecke Banditen, die sie ausraubten. Die an dem Bahndamm zur Bewachung eingesetzten Polizisten und Soldaten nähmen ihnen oft ihre letzten Ersparnisse ab.

Von den vielen Tausenden, die diese lebensgefährliche Reise versuchen, erreicht nur etwa ein Drittel ihr Ziel, dies oft nach zehn und mehr vergeblichen Versuchen. Ein Drittel gebe auf und kehre, ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft, in den Heimatort zurück. Ein weiteres Drittel verschwindet spurlos in Mexiko. Niemand weiß, was aus ihnen wird.

Als Dirk Reinhardt schilderte, was er direkt am Bahndamm mit Miguel (14) , Fernando (16), Emilio, Angel (12) und dem einzigen Mädchen Jaz (14 Jahre) gemeinsam beim Warten auf den nächsten geeigneten Zug erlebte und von ihnen erzählt bekam, konnte man die Ergriffenheit der Schüler förmlich spüren. Jaz hatte sich als Junge verkleidet, um überhaupt mit auf diese Reise gehen zu können.

Viele der Flüchtlinge erzählten Dirk Reinhardt, dass sie die Hoffnung hätten, ihre bereits vor einiger Zeit nach Texas geflüchtete Mutter dort wieder zu finden und sich mit ihr gemeinsam eine schönere, bessere Zukunft aufzubauen. Nachdem der Autor seine Vorlesung beendet hatte, herrschte erst einmal Schweigen. Dann konnten die Schüler Fragen in Bezug auf sein Buch, aber auch allgemein über die Arbeit eines Autors stellen. Sonja Schreiber und Ulla Wiemann: „Die Vorlesung war eine sehr gute Ergänzung zur gerade stattgefundenen Behandlung des Themas im Unterricht. Auch dass wir hier auf unserer Schule die vor der Weltöffentlichkeit fast gänzlich verborgene Flüchtlingswelle in Mexiko angesprochen haben, war auch und besonders angesichts der Äußerung des amerikanischen Präsidenten Trump, hier eine Mauer zu bauen, eine richtige Entscheidung und wurde von unseren Schülerinnen und Schülern sehr gut angenommen.“

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