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Wohin nach der Grundschule? In Hessen dürfen die Eltern wählen, doch das Labyrinth der Möglichkeiten ist groß. Karikatur: HSB-Cartoon ? stock.adobe.com

Bildung

Weiterführende Schulen: Eltern von Grundschülern müssen sich bis 1. März entscheiden

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Eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen: Bis zum 1. März müssen rund 1550 Eltern im Landkreis die richtige weiterführende Schule für ihr Kind gefunden haben. Und darauf hoffen, dass es angenommen wird. Aber das dürfte kein Problem sein. Denn der Elternwille ist maßgeblich und Plätze gibt es fast überall genügend – nur an der Jakob-Mankel-Schule in Weilburg nicht.

Limburg-Weilburg - Ein Gymnasium soll es sein. Jedenfalls in den meisten Fällen. Schließlich wollen die Eltern das Beste für ihr Kind, und wenn es um die Wahl der richtigen Schule nach der Grundschule geht, steht das Gymnasium ganz oben auf ihrer Wunschliste. Bis zum 1. März müssen die Anmeldungen an der Wunschschule abgegeben sein.

Und in den allermeisten Fällen werden sich die Wünsche der Eltern erfüllen. Denn das hessische Schulgesetz garantiere ihnen die freie Wahl des Bildungsganges, sagt Dirk Fredl, Sprecher des Schulamtes für den Kreis Limburg-Weilburg. „Voraussetzung ist aber, dass das Kind für diesen Bildungsgang geeignet ist.“ Ob das der Fall ist, entscheidet die Grundschule, zumindest gibt sie eine Empfehlung ab.

Aber auch die zählt nichts, wenn die Eltern es wollen, sagt Regine Eiser-Müller, Leiterin der Tilemannschule. Immer wieder führe sie Aufnahmegespräche mit Eltern und Kindern, die die Voraussetzungen für die Aufnahme an einem Gymnasium eigentlich nicht erfüllten – weil die Noten nicht gut genug sind, das Arbeits- und Sozialverhalten gerade mal befriedigend ist. „Ich kann dann nur Empfehlungen aussprechen.“ Manchmal berücksichtigen die Eltern sie, manchmal nicht.

Schüler verändern sich

So lange die Kapazitätsgrenze nicht überschritten wird, nehme die Tilemannschule auch die schwächeren Kinder auf, sagt Eiser-Müller. Und manchmal geht es ja auch gut – mit den passenden methodischen und didaktischen Mitteln und zur Not mit Schülernachhilfe. Schule müsse sich verändern, sagt sie. Weil die Schüler sich verändern. „Die Diversität der Voraussetzungen wird immer größer.“

Die Schule habe sich schon daran gewöhnt, dass die Rechtschreib-Leistungen der Fünftklässler nicht mehr das sind, was sie mal waren. Aber jetzt kämen auch immer mehr Kinder aufs Gymnasium, die die Grundrechenarten nicht beherrschen, die im Kopfrechnen schwach sind. „Und wir müssen das dann kompensieren“, sagt Eiser-Müller. Zum Beispiel mit binnendifferenziertem Unterricht. Vom kommenden Schuljahr an werden die Unterstufenschüler an der Tilemannschule nicht nur in Deutsch ihrem Lernstand entsprechend unterrichtet, sondern auch in Mathematik.

Und wenn auch das nichts hilft, dann greift wieder das hessische Schulgesetz. Denn es ermöglicht die „Querversetzung“. Wenn die Noten des Kindes trotz der Förderung nicht gut genug sind, kann die Klassenkonferenz entscheiden, dass es in eine Realschule versetzt wird. Das ist für die Kinder natürlich tragisch. Und eigentlich auch nicht nötig, sagt Regine Eiser-Müller. Denn der Wechsel von der Realschule zum Gymnasium ist ja durchaus möglich – und für die Psyche sicherlich besser als der umgekehrte Weg.

Nur die zweite Wahl

Das ist an der Jakob-Mankel-Schule in Weilburg kein Thema; sie ist eine Integrierte Gesamtschule – und noch dazu eine mit Ganztagsangebot. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sie die einzige staatliche Schule im Kreis ist, die regelmäßig Kinder ablehnen muss – mit Hinweis auf die Kapazitäten. 75 Kinder kann die Schule jedes Jahr aufnehmen. Regelmäßig werden mehr angemeldet, jedes Jahr müssen sich einige Eltern mit ihrer zweiten Wahl begnügen, genauere Zahlen hat Lars Wörner, der stellvertretende Schulleiter, nicht. Aber den Hinweis, dass früher, als die Johann-Christian-Senckenberg Schule in Runkel noch keine Integrierte Gesamtschule war, auch schon mal 40 bis 50 Schüler pro Jahr abgelehnt werden mussten. Die Lage habe sich zum Glück entspannt.

Aber wer im benachbarten Lahn-Dill-Kreis oder zwar im Landkreis Limburg-Weilburg, aber zu weit weg wohnt, hat eigentlich keine Chance mehr. Zu den Auswahlkriterien will und darf Lars Wörner sich nicht weiter äußern. Aber er versichert, dass die Noten nicht ausschlaggebend sind, dass pädagogische Gründe natürlich eine Rolle spielen und dass die Entscheidung gemeinsam mit dem Schulträger, also dem Landkreis, und dem Schulamt „nach bestem Wissen und Gewissen“ gefällt wird.

Den Eltern würden die Gründe für die Ablehnung transparent gemacht, sagt Lars Wörner. Und in der Regel seien sie auch einsichtig. Trotzdem lege hin und wieder auch mal jemand Einspruch ein. „Aber was soll ich machen, wenn kein Platz da ist?“ Dann bleibe nur der Hinweis auf die Warteliste. Und das Hoffen auf eine weitere Integrierte Gesamtschule im Landkreis Limburg-Weilburg.

Info:

Austausch mit der Grundschule

Das Staatliche Schulamt rät allen Eltern, die jetzt auf der Suche nach der richtigen Schule für ihr Kind sind, sich „intensiv“ mit der Grundschule auszutauschen. „Die Empfehlung, die dort getroffen wird, ist in aller Regel die perspektivisch sinnvolle für das Kind“, sagt Dirk Fredl, der Sprecher des Schulamtes für den Landkreis Limburg-Weilburg. Wenn Schule und Eltern unterschiedlicher Meinung über die Fähigkeiten des Kindes seien, „ist es auf jeden Fall angebracht, eine weitere Beratung der Grundschule in Anspruch zu nehmen“. Und die hat offenbar häufig den gewünschten Erfolg. Jedenfalls berichten Schulleiter, dass die Zahl der Gymnasialempfehlungen jedes Jahr steigt – und das auch bei Kindern, die nur Dreien im Zeugnis haben.

Auf alle Fälle sollten sich die Eltern genau über die Angebote und Schwerpunkte der weiterführenden Schulen informieren, die Tage der offenen Tür, Schnuppernachmittage und die Informationsveranstaltungen in den Grundschulen besuchen, sagt Dirk Fredl. Aber sie sollten auch die Verkehrsanbindung berücksichtigen, wenn es um die Wahl der richtigen Schule für ihr Kind geht.

(sbr)

Tag der offenen Tür zum Limburger Modell zur beruflichen Orientierung

Von der Bäckerei bis zur Metalltechnik – zwölf Schulen des Landkreises Limburg-Weilburg laden zum Tag der offenen Tür ein. Dieser findet am Samstag, 23. Februar, von 10 bis 13 Uhr bereits zum achten Mal für das Limburger Modell und die Mittelstufenschulen statt. Veranstaltungsort ist diesmal an der Friedrich-Dessauer-Schule in Limburg, Blumenröder Straße 49.

Die Besucher können sich das erfolgreiche Projekt „Limburger Modell“ und die tollen Arbeitsergebnisse der Schüler anschauen. 550 Schülerinnen und Schüler demonstrieren, was sie im Rahmen ihrer Berufsorientierung in Klasse 8 und 9 gelernt haben. Die Schüler wählen dabei unter 20 verschiedenen Berufsfeldern vier Kurse aus und besuchen für ein bis zwei Schuljahre an einem Tag in der Woche die beruflichen Schulen. Die gewählten Berufe werden dann im Praxisunterricht näher kennengelernt. Aufgabe des Projektes ist, eine gezielte Berufswahl zu treffen, Ausbildungsabbrüche sollen dadurch verhindert werden.

Folgende Schulen des Landkreises kooperieren für diese intensive Berufsorientierung: Astrid-Lindgren-Schule Limburg; Erlenbachschule Elz; Freiherr-vom-Stein-Schule Hünfelden; Goetheschule Limburg; Schule im Emsbachtal Brechen; Leo-Sternberg-Schule Limburg; Taunusschule Bad Camberg; Theodor-Heuss-Schule Limburg; Adolf-Reichwein-Schule Limburg; Friedrich-Dessauer-Schule Limburg; Peter-Paul-Cahensly-Schule Limburg; Glasfachschule Hadamar.

Das Limburger Modell ist in seiner Größe in Hessen einmalig. Wöchentlich nehmen rund 550 Schüler an dieser beruflichen Orientierung teil. Auch dies kann ein Kriterium für die Schulwahl sein. red

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