Konzert

Schumann-Quartett vermittelt tiefe Gefühle in Oraniensteiner Konzert

Wohl kein anderes Gefühl hat Komponisten mehr inspiriert als die Liebe. Einen ergreifenden musikalischen Eindruck davon vermittelte das Schumann-Quartett auf Schloss Oranienstein.

Nein, sie hätten keinerlei verwandtschaftliche Verhältnisse mit dem berühmten Komponisten sagen die drei Brüder Erik (Violine eins), Ken (Violine zwei) und Mark Schumann (Violoncello) auf die Frage von Hubert Eblenkamp, dem künstlerischen Leiter der Oraniensteiner Konzerte vor ihrem Konzert in der Schlosskapelle. Und das, wo ihre Schwester ebenfalls Geige spielt und ihr Vater Robert mit Vornamen heißt. Gemeinsam mit der aus Estland stammenden Bratschistin Liisa Randalu bilden die vier das Schumann Quartett.

Zum dritten Mal ist das vor zehn Jahren gegründete Ensemble bei den Oraniensteiner Konzerten dabei. 2016 waren sie mit Oboist Albrecht Mayer, im Januar 2018 mit Klarinettistin Sabine Meyer hier. Dieses Mal haben sie als Gäste Alexander Zemtsov (Bratsche) und Alexey Stadler (Violoncello) dabei. Mit diesen beiden Musikern haben sie exakt die Sextett-Besetzung, die für Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ nötig ist.

Eblenkamp freut sich, dass dies für das Publikum eine gute Möglichkeit darstellt, das Ensemble näher kennenzulernen. Auch weist er darauf hin, dass die „Verklärte Nacht“ beim ersten Oraniensteiner Konzert im Jahr 1996 in kammermusikalischer Besetzung auf dem Programm stand. Schumann steht heute nicht auf dem Programm, obwohl sie ihn sehr schätzen, wie Ken Schumann betont. „Seine Streichquartette gehören zum Besten, was für diese Besetzung komponiert wurde“, sagt er.

Sie beginnen mit dem Streichquartett Nr. 6 D-Dur D 74 von Franz Schubert (1797–1828). Wellenförmige Melodieführungen der zweiten Geige und der Bratsche, die auch optisch durch die Bogenführung sichtbar ist, durchziehen das „Allegro ma non troppo“. Die vier Musiker spielen energisch mit deutlichen Betonungen. Sehr innig und gefühlvoll gestalten sie das „Andante“, tänzerisch mit viel Bewegung das „Menuett“. Sehr schnelle Läufe müssen sie im vierten Satz „Allegro“ meistern. Das gelingt ihnen vorzüglich durch einen intensiven Blickkontakt zueinander.

Was für eine wunderbare Musik durch die Liebe zu einer jungen Frau entstehen kann, belegt das Schumann Quartett mit dem Streichquartett Nr. 2 „Intime Briefe“ des tschechischen Komponisten Leo? Janecek (1854–1928). 1917 lernt Janácek die 38 Jahre jüngere Kamila Stösslová, Gattin eines Antiquitätenhändlers kennen und lieben. 600 Briefe soll er ihr geschrieben und alle seine folgenden Kompositionen gewidmet haben. „Unsere Erlebnisse werden wie kleine Feuer in meiner Seele sein und in ihr die schönsten Melodien entfachen“, wird Janecek zitiert. Im Streichquartett „Intime Briefe“ drückt er eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Gefühle aus. Mal klingt es zärtlich, dann rabiat, es wird unruhig, klingt gequält, aufgewühlt, sehnsuchtsvoll schmachtend, dann wieder innerlich zerwühlt. Gerade das Sehnsuchtsvolle bringt die Bratsche besonders schön zum Ausdruck. Leid und Schmerz durchziehen Janeceks Komposition.

Auch Arnold Schönberg (1874-1951) hat in seinem Streichsextett „Verklärte Nacht“ op. 4 eine schwierige Liebesbeziehung in Musik übertragen. Grundlage der Komposition ist das gleichnamige Gedicht von Richard Dehmel, in dem eine Frau ihrem Geliebten während eines nächtlichen Spazierganges gesteht, dass sie von einem anderen schwanger ist. Auch Schönberg hat in seinem Stück dieses aufgewühlte Gefühl beschrieben. Das erste Motiv schleicht sich sehr leise ein, wird durch ein stetes Crescendo immer mehr präsent. Die Musiker lassen die Themen an- und abschwellen. Ergreifend gestalten die nun sechs Musiker dieses sehr berührende Werk.

Eindrucksvoll klingt ein Pizzicato, das beide Celli mit einer Bratsche zusammen kurz vor Ende des Stückes spielen. Danach verklingen die Töne ins kaum noch Hörbare. Nach einem begeisterten Applaus sagt Ken Schumann: „Damit hätten Sie sich zwei Zugaben verdient. Wir könnten aber nur das ganze Stück noch einmal spielen, was wir nicht tun. Wir hoffen, dass Sie bald wieder Gelegenheit haben, es zu hören.“

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