Die Ökumenische Jugendkirche "Way to J" verteilt Insektenquartiere und Saatgut. Svenja Oehlert (links) und Helen Müller zeigen, wie ein Insektenhotel aussieht.
+
Die Ökumenische Jugendkirche "Way to J" verteilt Insektenquartiere und Saatgut. Svenja Oehlert (links) und Helen Müller zeigen, wie ein Insektenhotel aussieht.

Tolle Aktion im Westerwald

Schutz für Wildbienen und Schwebewespen

Jugendkirche "Way to J" bringt 100 Insektenquartiere unters Volk - Kostenlos mit Saatgut

100 neue Insektenquartiere sollen demnächst Bienen und anderen kleinen Lebewesen Schutz bieten. Die aus heimischen Eschenholz gefertigten Kästen sind das Ergebnis einer Initiative der ökumenischen Jugendkirche "Way to J" in Kooperation mit dem Wäller Familienunternehmen Huf Haus und dem Naturschutzbund Montabaur. Das Besondere: Die Insektenquartiere werden zusammen mit etwas Saatgut kostenlos verteilt. All diejenigen, die zum Schutz von Bienen und Co. beitragen möchten, können eines dieser "Hotels" und die Wildblumen-Mischung für den heimischen Garten haben - so lange der Vorrat reicht.

Verantwortung

für Gottes Schöpfung

Dem Jugendpfarrer des Evangelischen Dekanats Westerwald, Werner Schleifenbaum, ist das Projekt schon lange ein Herzensanliegen. "Im Markus-Evangelium steht: Bringt Gottes Gute Nachricht der ganzen Schöpfung! Für mich ist dieser Vers der Ausgangspunkt des Projekts. Denn ich glaube, dass wir als Kirche diese Aufforderung zu wenig nachkommen. In der Vergangenheit haben wir die Schöpfung als selbstverständlich hingenommen und das Evangelium nur auf uns Menschen bezogen", sagt Schleifenbaum. "Statt zu bebauen haben wir über Jahrhunderte lang ausgebeutet, statt zu bewahren haben wir vernichtet. Wir müssen an beides denken: an die Menschen und an die Natur. Alles ist Gottes Schöpfung, für die wir Verantwortung tragen", glaubt der Jugendpfarrer.

Die Insektenquartiere sind für ihn ein Ausdruck dieser Verantwortung. Denn der Verlust wertvoller Lebensräume vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten schreitet rasant voran, und in Schottergärten finden Wildbienen keine Nahrung. 75 Prozent aller Insekten sind in Deutschland vom Aussterben bedroht; es fehlen Nistmöglichkeiten und Blüten als Nahrungsquelle. Die 17-jährige Helen Müller ist im Team der Jugendkirche findet das alarmierend: "Das Wichtigste ist, dass wir als Jugendliche aktiv etwas für unsere Zukunft tun, statt alles den Politikern überlassen und dann zu verzweifeln, wenn nichts passiert. Wir haben sehr viel Arbeit in dieses Projekt gesteckt, damit es wirklich rundum gut für die Umwelt ist: von der Idee des Insektenschutzes über die Produktion bis hin zur Verpackung."

Produziert werden die liebevoll gestalteten Quartiere in den Caritas-Werkstätten Montabaur. Die ersten 50 sind bereits fertig, weitere 50 sind in Produktion. Sie sind rund 30 Zentimeter groß und können deshalb gut im Garten oder auf dem Balkon platziert werden; fünf größere sollen an Kirchen der Region aufgestellt werden. "Die vielen Öffnungen bieten vor allem Wildbienen und Schwebewespen Schutz", erklärt die Bildungsreferentin des Nabu Westerwald, Katharina Kindgen: "Wichtig bei einem Insektenquartier ist, dass es aus Hartholz besteht und gegen die Faserrichtung gesägt ist, damit es nicht reißt. Außerdem müssen die Bohrlöcher ganz fein abgeschliffen werden. Bei diesen Modellen ist das der Fall; bei denjenigen aus den Discountern leider nicht immer. An scharfen Kanten können die Flügel der Insekten beschädigt werden", sagt die Expertin.

Kein Imker in

der Nachbarschaft

Die Aufstellung der Quartiere ist unkompliziert, meint Katharina Kindgen. "Der Platz sollte windgeschützt und der Wetterseite abgewandt sein. Außerdem soll er nicht zu sonnig oder zu schattig sein, und in der Nachbarschaft darf kein Imker wohnen. Sonst fressen sich die Bienen gegenseitig ihre Nahrung weg. Und schließlich dürfen die Insektenquartiere nicht mit Holzschutzmitteln behandelt werden, sondern sollen naturbelassen bleiben."

Apropos naturbelassen: Die Nabu-Expertin wirbt dafür, in der Nähe einen kleinen Haufen mit Lehm anzulegen. Mit ihm können die Bienen die Öffnungen der Löcher verschließen. Außerdem sollten in der Nähe des Quartiers Wildblumen und heimische Gewächse wachsen - idealerweise das mitgelieferte Saatgut. Exotische Pflanzen mögen die Bienen nicht so sehr. "Haben Sie doch Mut, einfach mal einen Quadratmeter des Gartens sich selbst zu überlassen", fasst Katharina Kindgen zusammen.

Der offizielle Startschuss für das Projekt ist der 21. Februar, an dem auch ein Video zum Thema veröffentlicht wird. Der ursprünglich für diesen Tag geplante Open-Air-Gottesdienst ist auf den 11. Juli um 15 Uhr am Steinbruch Selters verschoben worden.

Wer ein kostenloses Insektenhotel in seinen Garten stellen und Wildblütensaat bekommen möchte, kann sich gerne bei der Ökumenischen Jugendkirche melden. Ansprechpartnerin ist Hilke Olivier-Klaas, (0 26 63) 96 82 35, E-Mail: hilke.olivier-klaas@ekhn.de. Einen Erklärfilm zur Aufstellung des Hotels und zum Aussähen des Saatgutes gibt's auf Youtube im Kanal des Evangelischen Dekanats Westerwald: "evangelischimwesterwald". bon

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare