Mit der Schwimmnudel geht alles ganz leicht. Marco Schmaler und Hanna Knapp passen im Elzer Freibad gut auf.
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Mit der Schwimmnudel geht alles ganz leicht. Marco Schmaler und Hanna Knapp passen im Elzer Freibad gut auf.

Pandemie

Schwimmkurse boomen: Wegen Corona fielen viele Kurse aus

  • Petra Hackert
    VonPetra Hackert
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Die DLRG arbeitet nach: Teils gibt es drei Termine pro Woche, wo es vorher nur einen gab, berichtet Kreis-Ausbildungsleiterin Cordula Rahner.

Limburg-Weilburg - 30 Kinder sind jeden Morgen im Elzer Freibad. Gestaffelt in drei Gruppen trainieren sie in den ersten beiden Ferienwochen - und es könnten noch viel mehr sein. Die Nachfrage nach Schwimmkursen ist enorm. Anders als bei anderen Ortsgruppen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) üblich hatten sich die Elzer entschlossen, die Anfängergruppen für alle Kinder zu öffnen, nicht nur aus der eigenen Gemeinde. Das Resultat: Ruckzuck waren die Plätze belegt. "Wir könnten das die gesamten sechs Ferienwochen so machen", sagt Rettungsschwimmer Marco Schmaler. Nur: Es gibt nicht genug Ausbilder.

Gemeinsam mit Hanna Knapp betreut er die Kurse. Damit sich die Kinder wohlfühlen, wird das Wasser etwas mehr als gewohnt geheizt. Immer um 8.30 Uhr geht es los - teilweise bei 16 Grad Außentemperatur. Dafür ist das Wasser mit 26 Grad Celsius richtig warm. Das wissen die Kinder. Sie wollen rein.

Eric und Arne bestätigen das sofort. Aber sie erklären: Erst einmal geht's an Land ans Aufwärmen. Sobald das DLRG-Baderegel-Lied ertönt, kommen sie in Schwung. Die Hände gehen in die Höhe, es wird gemeinsam gesprungen, ein wenig getanzt und trocken geschwommen. Sogar die Balance ist gefordert, wenn alle zusammen mit Schmaler und Knapp auf einem Bein stehen und sich nach vorne beugen. "Flugzeug" heißt die Übung, und genauso sieht es aus.

Limburg: Nachfrage an Schwimmkursen enorm – Springen und Tauchen sind besonders beliebt

Nach diesen ersten paar Minuten schnappen sich alle eine Schwimmnudel. Los geht's ins Nichtschwimmerbecken. Zwei Runden hin und her. Die beiden Schwimmtrainer geben Hilfestellung. Als nächstes schwimmen acht Kinder in Richtung Startblöcke. Doch keine Angst: Bevor es ins richtig tiefe Wasser geht, benutzen sie die Treppe, laufen am Beckenrand, versammeln sich an den Blöcken. Dort startet ein Übungsteil, der Vincent die größte Freude macht: Ins Wasser springen. "Aber ich mag auch Tauchen und Schwimmen" betont der Achtjährige. Johanna (6) ergänzt: "Das Springen ist toll." Nicklas (8) und Leoni (7) tauchen lieber. Derweil stehen Eltern oder Großeltern in weiter Entfernung auf der Wiese - sie wollen nicht stören, sind aber auch ein wenig neugierig, wie sich der Nachwuchs so macht.

Liss Friedrich beobachtet vom Wasser aus. Ganz unauffällig. Die Elzerin ist selbst eine begeisterte Schwimmerin und begleitet ihre Enkelin Lilli zum Training. Lydia Zander ist auch Oma. Nur: Sie selbst kann gar nicht schwimmen, bedauert das sehr. Deshalb möchte sie unbedingt, dass es die Kinder lernen dürfen. Martina Heßler ist froh, dass sie ihr Kind in Elz anmelden konnte. Kaum waren die Termine raus, hatte sie es schon registriert. Sie kommt aus dem rheinland-pfälzischen Cramberg. Verena Schmidt aus Thalheim ist nicht minder begeistert. Sie weiß: "Teilweise dauert es zwei Jahre Wartezeit, bis man einen Termin für den Schwimmkurs hat." Deshalb hat sie in Elz gleich zugeschlagen.

Ein Teil der Wartezeit ist Corona geschuldet. Es fehlte an Möglichkeiten. Die Elzer DLRG trainiert normalerweise im Offheimer Hallenbad. Da es in der Wintersaison geschlossen war, fehlten auch ihnen Zeit. Als das Elzer Freibad öffnete, war selbst Rettungsschwimmer Schmaler zum ersten Mal wieder im Wasser.

Limburg: Schwimmunterricht litt unter der Corona-Pandemie

"Es ist so wichtig, schwimmen zu können", sagt Martina Heßler. Ihr Sohn ist eine echte Wasserratte. Für sie ist es beruhigender, wenn er es richtig kann. "Und bei mir lernt er nicht so gut wie hier im Kurs." Hinzu kommt die Gruppendynamik. "Wenn sie miteinander üben, macht das allen viel mehr Spaß. Sie spornen sich gegenseitig an", sagt Verena Schmidt. Der Lindenholzhäuser Günter Böhm, der sein Enkelkind begleitet, kann da nur zustimmen. Und: "Das ist auch ein ganz wichtiger Teil der Freizeitgestaltung." Eine Mutter ergänzt: "Sie sollten es eigentlich schon können, bevor sie in die Schule kommen. Dann sind die Kinder viel unbefangener. Je später, desto schwerer ist es, das zu lernen."

In den Schulen ist der Schwimmunterricht für die dritten, fünften und sechsten Klassen vorgesehen - und kam im vergangenen Schuljahr durch die Pandemie zu kurz. "Der derzeit gültige Hygieneplan 8.0 sieht vor, dass vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemielage der Schwimmunterricht im kommenden Schuljahr stattfinden kann", erläutert der Sprecher des Staatlichen Schulamts Dirk Fredl. Dies würde bedeuten, dass sowohl an den Grundschulen als auch in den weiterführenden Schulen Schwimmen angeboten werden kann.

Judith Lehnert, Leiterin der Freiherr-vom-Stein-Schule in Dauborn, erklärt, wie es unter verschärften Bedingungen war: "Die Lehrer haben das im Blick. Wir konnten das Hallenbad nicht so nutzen wie gewohnt, aber es ist auch sonst so: Sobald das Dauborner Freibad aufmacht, beziehen wir es mit ein." Normalerweise ebenso das in Kirberg - nur bleibt es wegen der Sanierung dieses Jahr geschlossen.

Jetzt sind erst einmal Ferien, doch die Schulleiterin weiß, dass die Kollegen dabei waren, verlorengegangene Kompetenzen wieder zu vermitteln. "Schwimmen lernen ist wichtig, und wir nehmen das sehr ernst." Dabei gehe es darum, mehr als bloß das Seepferdchen abzulegen. Der Freischwimmer, das bronzene Abzeichen, ist ein Ziel. Und: Wenn die Kinder außerhalb der Schule schon etwas gelernt haben, können sie natürlich leichter noch eins draufsetzen.

In den Ferienkursen der DLRG lernen die Kinder noch etwas mehr. Sie wissen, was man nicht tut - auch durch das Baderegel-Lied. Hanna Knapp fragt ab: Warum sollte man nicht einfach in einen Fluss springen? "Weil man nicht weiß, wie tief das Wasser ist", sagt ein Kind. Stimmt. Und wann noch nicht? "Erst kalt abduschen, wenn es sehr heiß ist", weiß ein anderes. Der Kälteschock. . . Schließlich: "Wenn Krokodile im Wasser sind." Das ist die ultimative Antwort. Eindeutig: Das stimmt.

Schwimmkurse in Limburg: Die Nachfrage ist enorm

Schwimmen lernen: Wie groß die Nachfrage im Kreisgebiet insgesamt ist, kann der DLRG-Kreisverband nicht sagen. Erkennbar ist: Sobald es Kurse gibt, sind sie im Handumdrehen ausgebucht. Es gab und gibt Wartelisten, die in der Coronazeit teils nicht weitergeführt wurden - sonst hätte es jeden Rahmen gesprengt. Jedem DLRG-Ortsverband obliegt es, Kurse anzubieten. Der Kreisverband führt keine Statistik. Klar ist, dass es durch die Pandemie ein Defizit gegeben hat, auch im Schwimmunterricht der Schulen. DLRG-Kreis-Ausbilderin Cordula Rahner rät, mehr als nur einmal pro Woche zu üben. Das ist zwar besser als nichts, "doch bei den Intensivkursen lernen die Kinder noch viel mehr". Sie trainieren häufiger, sind gern bei der Sache. Die nächsten Kurse sind über die Homepage abrufbar. Allein die Ortsgruppen Hadamar und Brechen-Runkel-Villmar, die sich zusammengetan haben, bieten zehn, auch im Offheimer Hallenbad. Mittwochsabends nutzt die Elzer DLRG dieses Hallenbad für Schwimmkurse und verzichtet damit auf eigene Trainingszeit.

Helfer gesucht

Es könnte noch mehr Schwimmkurse geben, wenn die DLRG mehr Trainer zur Verfügung hätte. Die Ausbildung kann man auch bei der DLRG absolvieren. Infos und Kontakte gibt es auf der Homepage der DLRG Elz unter www.elz.dlrg.de sowie des DLRG-Kreisverbands www.kv-limburg-weilburg.dlrg.de.

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