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Auf eine erlösende E-Mail aus Thailand wartet Dennis Kemptner immer noch vergeblich.

Der juristische Kampf eines Eisenbachers

Das verschollene Konto in Thailand

  • vonRobin Klöppel
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Dennis Kemptner kämpft seit zwei Jahren um ein Erbe von 10 000 Euro

Selters -Wenn man durch Erbschein nachweisbar Erbe eines fremden Vermögens ist, sollte man eigentlich problemlos an sein Geld kommen, sollte man meinen. Doch der Eisenbacher Dennis Kemptner kämpft nun schon seit zwei Jahren in Thailand um 10 000 Euro, die seiner Mutter und deren drei Geschwister zustehen.

The Siam Commercial Bank Public Company Limited dürfte eigentlich ein seriöses Unternehmen sein, sollte man meinen. Sie ist die älteste Geschäftsbank in Thailand und wurde im Jahre 1906 auf Betreiben des Prinzen Mahisara Rajaharudaya mit Erlaubnis seines Bruders, des Königs Chulalongkorn, gegründet.

Vielsagendes Schweigen

Hört sich alles toll und hochprofessionell an. Doch auch diese Zeitung bekam auf mehrere Anfragen per Mail von der Bank keinerlei Antwort. Selbst die Einschaltung der thailändischen Botschaft in Berlin half nicht. Botschaftssprecher Arrom Kornkasem kündigte zwar mehrfach eine ihm versprochene Stellungnahme der Bank an. Jedoch mehrere Monate später hat diese Zeitung immer noch nicht mehr vorliegen als ein vielsagendes Schweigen.

Den Limburger Rechtsanwalt Hans-Gerd Herrmann, der Asien wie seine Westentasche und Vertreter der "Limburger Kolonie" in Thailand privat kennt, wundert das nicht. Er hat auch schon in anderen asiatischen Ländern die Erfahrung gemacht. Herrmann bestätigte, dass man 10 000 Euro auf ein thailändisches Konto einzahlen müsse, wenn man längerfristig in dem Land leben wolle, um nachzuweisen, dass man als Einwanderer für seinen eigenen Lebensunterhalt aufkommen kann.

Auch der Werschauer Werner Kaufmann war ein großer Thailand-Fan und verbrachte dort seit 30 Jahren viel Freizeit. Auf der Insel Ko Samui lernte er auch eine Einheimische kennen, die zu seiner Lebensgefährtin wurde. Doch Werner Kaufmann erkrankte 2017 schwer. Seine Eisenbacher Schwester Marianne Kemptner kümmerte sich rührend um ihn, als er in Frankfurt im Krankenhaus lag. Irgendwann war klar, dass Werner Kaufmann seine Krankheit nicht überleben würde.

Als er gestorben war, suchte die Schwester in seiner Werschauer Wohnung nach Unterlagen und wurde auf zwei ihr vorher nicht bekannte Konten in Thailand mit 1000 und 9000 Euro aufmerksam. Sie gehörten nach dem Tod Werner Kaufmanns zum Erbe seiner vier Geschwister. Was daraus für ein Ärger entstehen könnte, hätte Marianne Kemptner niemals für möglich gehalten.

Persönliches Erscheinen

Eigentlich sollte man doch meinen, dass es reichen sollte, die Erbschaftsunterlagen einzureichen, und man dann einfach die 10 000 Euro auf sein deutsches Konto überwiesen bekommt. Doch die thailändische Bank forderte persönliches Erscheinen. Also flog Kemptners Lebensgefährte mit einer Vollmacht der Erbberechtigten nach Thailand, musste dort aber hören, dass persönliche Anwesenheit aller Erbberechtigten für die Aushändigung des Geldes Pflicht sei. Doch die Erbinnen sind bereits älter, haben teilweise gesundheitliche Probleme, so dass es für sie auch bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie nicht infrage kam, zusammen nach Thailand zu reisen. Selbst wenn die vier Erbinnen noch alle reisefähig gewesen wären, wäre es wirtschaftlich auch wenig sinnvoll gewesen, für 10 000 Euro Flug- und Reisekosten für vier Personen nach Asien auszugeben.

Auch ein in Thailand lebender deutscher Freund Werner Kaufmanns suchte auf Bitten der Erben die Bank auf. Dieser hatte von dem Verstorbenen aber nur die Vollmacht, Kontoauszüge zu holen, und nicht, Geld abzuheben. Folglich musste er auch unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen.

Als Nächstes schaltete die heimische Familie einen deutschen Anwalt ein. Doch der bekam zu hören, dass die Bank nur mit einem Anwalt mit thailändischer Zulassung verkehre. Der wurde dann zwar von diesem gefunden. Doch der wollte für die Gefälligkeit gleich 6000 der 10 000 Euro "und wir mussten ja auch noch", wie Dennis Kemptner sagt, "unseren deutschen Anwalt bezahlen".

Erbunterlagen per Einschreiben

Die Erbinnen gaben also entnervt auf. Marianne Kemptners Sohn Dennis ließ das ganze Thema aber nicht los und so nahm er sich mit Zustimmung der Erbberechtigten der Sache an. Es wurden die Erbunterlagen per Einschreiben an die thailändische Bank geschickt, doch wieder weigerte sich die thailändische Bank, das Geld auszuzahlen. Der 39-jährige Trocknungstechniker aus Eisenbach mailte verärgert der Bank, doch nach einigen Mails hin und her ohne Lösung stellte die Bank die Konversation mit ihm komplett ein und antwortet Kemptner seitdem auf weitere Mails nicht mehr.

Der Eisenbacher rief daraufhin die deutsche Botschaft an und bekam eine Liste mit thailändischen Anwälten, die auf solche Fälle spezialisiert sind. Kemptner kommunizierte mit einer Anwältin und schickte ihr dann wie gewünscht nach eigenen Angaben eine Vollmacht plus die Sparbücher. Doch auch die Anwältin erreichte, wie sie Kemptner mitteilte, nichts. Sie behauptete dann Kemptner gegenüber, dass sie die Sparbücher zurückgeschickt habe. Seit Wochen wartet der Eisenbach nun darauf. Die Anwältin ist für ihn telefonisch plötzlich nicht mehr erreichbar.

Dennis Kemptner ist mittlerweile von der Geschichte so entnervt, dass er kurz davorsteht aufzugeben. Hans-Gerd Herrmanns Interesse an dem Fall gibt ihm nun Hoffnung, dass am Ende vielleicht doch noch alles gut werden könnte. Er will diese Zeitung über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halten.

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