Kirmes in Niederselters: Als dieses Bild aufgenommen wurde, ahnte noch niemand, dass man sich eines Tages Sorgen um die Fichten in den heimischen Wäldern machen muss.
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Kirmes in Niederselters: Als dieses Bild aufgenommen wurde, ahnte noch niemand, dass man sich eines Tages Sorgen um die Fichten in den heimischen Wäldern machen muss.

Verein "Mir sein Seldersch" spendet 22 000 Euro

Der Kirmesbaum ist nicht in Gefahr

  • VonKlaus-Dieter Häring
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Überraschende Erkenntnis beim Waldrundgang -

Die wichtigste Nachricht für Kirmesburschen beim Waldrundgang am vergangenen Wochenende: "Die Zukunft der Kirmesbäume ist gesichert." Mit einem Schmunzeln im Gesicht gab vom Forstservice Frank Zabel diese Nachricht an die vielen Interessierten weiter, die sich dort im Wald am Rande von Niederselters einfanden.

Auch wenn diese Nachricht nicht ganz so ernst gemeint war, hatte sie doch viel Hintergrund. Denn der Bestand an Fichten, die für Kirmesbäume genutzt werden, ist zum größten Teil dem Borkenkäfer und dem Wassermangel in den vergangenen Jahren zum Opfer gefallen. Und auch der Trend hin zu anderen Baumarten wie Douglasie oder Buche tat ihr übriges zum Rückgang der Fichte, die an und für sich kein Baum für den heimischen Waldbestand ist.

Doch wie Frank Zabel während des Rundgangs berichtete, wird auch in Zukunft daran gedacht, dass die Fichte weiter in unseren Wäldern zu finden ist. Sie steht dann auch im Waldgebiet am Rande der Hessenstraße, wo sich die Gruppe unter der Leitung von Frank Zabel an einer eingezäunten Freifläche von 250 Quadratmetern einfand. Schon hier erfuhren die Gäste einiges über die Arbeit in diesem Gebiet. So wie vom Mulchen, um den Brombeerbestand einzudämmen und damit den dort auch frisch gesetzten Buchen eine Chance zu geben, zu wachsen.

Spanplatten

aus Industrieholz

Die Gäste waren sehr interessiert. So wollte eine der Besucherinnen wissen, warum in diesem Gebiet auf die Triebspitzen keine Schafswolle gesetzt wird. Dieser Trick soll Wild davon abhalten, an die frischen Setzlinge zu gehen. Doch nicht für den Bock, so Frank Zabel. Auch das große Gatter wurde angesprochen, das sich um dieses Gebiet befindet. "Wir wollen gar nicht gattern", so Frank Zabel. Doch die durch das Wild angerichteten Schäden ließen eine Freifläche ohne Gatter nicht zu. Ein Gatter würde dann nicht benötigt, wenn Lärche und Douglasie gepflanzt werden würden.

Weiter ging es vorbei an großen Holzstapeln, deren Baumstämme mit einer Länge von drei Metern schon ziemlich verwittert aussehen. "Das ist Industrieholz", so der Mann vom Forst. Es sei schlechtes Nadelholz, das später zu Spanplatten verarbeitet wird. "Das gute Holz ist schon verkauft."

Nachdem Schonung und Industrieholz passiert waren, erreichte die Gruppe eine über 200 Jahre alte Buche. Ein prachtvoller Baum, an dessen Seite aus Holz gefertigte Schutzvorrichtungen für Setzlinge zu finden sind. Hier erfuhren die Gäste davon, dass dieser Holzschutz zwar zu einem Preis von 3,50 Euro um 1,50 Euro teurer als der Holzschutz aus Kunststoff sei, dafür kann dieser bleiben und muss nicht wieder abgebaut werden.

Noch große

Freiflächen

Hier kam eine Spende des Vereins "Mir sein Seldersch" in Höhe von 22 000 Euro zum Einsatz, "um unseren Wald zu erhalten", so Wolfgang Jäger vom Verein.

Nächstes Ziel war wiederum eine kleinere Schonung, in deren Gebiet eine Mischpflanzung vorgenommen wurde. Überhaupt wird der Wald sukzessive aufgeforstet. Man wolle weg von der Monokultur und hin zu einem Mischgebiet. Ziel sei es, den Wald wieder zu bewalden und hin zu einer Naturverjüngung. Dazu zählt dann auch, dass kleinflächig die Fichte wieder angesiedelt wird. Denn "der Kirmesbaum aus Brechen in diesem Jahr ist aus Selters". Es gibt aber noch viel zu tun. Denn die Freiflächen in der Gemarkung sind enorm. So sind dies 39 Hektar Freifläche in Niederselters, was gleich zu setzen ist mit 24 Prozent. In Eisenbach sind dies 67 Hektar (27 Prozent), in Münster 39 Hektar (18 Prozent) und in Haintchen 107 Hektar (28 Prozent). Für die Gesamtmarkung sind dies 252 Hektar Gesamtfläche gleich 25 Prozent. klaus-dieter häring

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