Ingrid Stanke aus Bad Camberg ist schon in der zweiten Saison dabei und von der Idee nach wie vor begeistert.
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Ingrid Stanke aus Bad Camberg ist schon in der zweiten Saison dabei und von der Idee nach wie vor begeistert.

Ökologischer Landbai in Eisenbach

Die Rückbesinnung auf den Sonntagsbraten

  • VonGundula Stegemann
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Im Rahmen der Hessischen BioTage erlebten die Teilnehmer den Tannenhof aus nächster Nähe

Eisenbach -Ein idyllisch gelegener Hof mit weitem Blick über die Höhen und Täler des Taunus, umschlossen von Feldern, daneben ein Saisongarten mit üppigen Gemüsesorten und herrlich blühenden Blumen - der Tannenhof von Professor Andreas Gattinger und Dr. Ursula Bausenwein ist ein gelungenes Beispiel für ökologische und regionale Landwirtschaft. Der Agrarwissenschaftler und die promovierte Biologin beteiligten sich am Programm der Hessischen BioTage mit einem Vortrag zum Klimaschutz, der Präsentation eines Forschungsprojekts und einer Führung durch den Saisongarten.

Bei den Hessischen BioTagen gab der Professor für Ökologischen Landbau an der Justus-Liebig-Universität Gießen Einblick in die Herausforderungen der Landwirtschaft beim Klimaschutz - zunächst in einer Einführung in die Thematik. In seinem Vortrag sprach er zahlreiche Aspekte an. Verkehr und Industrie seien die größten Treibhausgasemittenten, so der Agrarwissenschaftler. Landwirtschaft trage mit rund sieben Prozent zu den Treibhausgasemissionen bei, insbesondere durch Methan aus der Rinderhaltung und Lachgas aus den Agrarböden. Klimaschutz in der Landwirtschaft müsse jedoch vom Ernährungsgedanken her betrachtet und bewertet werden. Dabei plädierte er für die Reduktion des Konsums tierischer Produkte und Rückbesinnung auf den Sonntagsbraten. Pflanzliche Ernährung verursache weniger Emissionen und verbrauche auch weitaus weniger andere wichtige Ressourcen wie Wasser. Aufmerksam machte er auch auf den Zusammenhang von Ernährung und sozialer Gerechtigkeit, auf die Probleme der Billiglöhne im Bereich der Nahrungsproduktion, Lebensmittelverschwendung... "Bei all dem muss man auch die sozialen Komponenten im Blick behalten", sagte er. "Das erfordert politische Entscheidungen, um für alle Beteiligten möglichst eine Win-win-Situation zu erzielen."

Forschungsprojekt

auf dem Feld

Bei einer anschließenden Führung erläuterte der Agrarwissenschaftler ein gemeinsames Forschungsprojekt seines Lehrstuhls mit dem Institut für Meteorologie und Umweltforschung am Karlsruher Institut für Technologie auf einem der benachbarten Felder. Dort werden unter seiner Federführung mit hochsensiblen Geräten Emissionen klimarelevanter Gase wie Lachgas, Methan und grundwassergefährdendes Nitrat aus dem Bodensystem gemessen. Ziel des Projekts ist, Erkenntnisse zu gewinnen für die Verbesserung der Nährstoffeffizienz in der Pflanzenproduktion durch eine verbesserte Düngebedarfsermittlung.

Bio, frisch, saisonal und regional: Das alles bietet der Saisongarten am Tannenhof, durch den Ursula Bausenwein führte. "Als wir vor 15 Jahren hierher zogen, fiel mir auf, dass auf den Äckern fast nur Raps, Mais und Getreide angebaut werden", erzählt sie. "Die Gemüsevielfalt, wie ich sie aus Franken kannte, gab es hier nicht." So versuchte sie ihr Glück mit Möhren und Wirsing - und der Erfolg gab ihr recht. Als eine Supermarktkette Landwirte suchte, die Saisongärten anbieten, stieg sie ein. Das ist jetzt etwa zwölf Jahre her. 25 Selbsternte-Parzellen hat sie vermietet, angelegt nach Bestellung. Sie richtet den Saisongarten ein, bepflanzt den Großteil der Parzellen mit verschiedenen Gemüsesorten, darunter Mangold, Erbsen, Bohnen, Möhren, Rote Beete, Wirsing, Weißkohl, Sellerie und Kräuter. Die Pächter können aber selbst entscheiden, was sie außerdem oder alternativ anbauen möchten. "Auf diese Weise probiert man vielleicht auch mal eine Gemüsesorte aus, nach der man im Supermarkt nicht greifen würde", sagt sie. Sie selbst habe diese Erfahrung auch gemacht. Die meisten Pächter seien dankbar für Anregungen. Und bei Bedarf kann man sich bei Ursula Bausenwein Tipps für Anbau, Pflege und Ernte holen. "Die eigentliche Herausforderung ist am Ende: essen, essen, essen", scherzt sie. "Denn im Supermarkt kauft man, was man in einem überschaubaren Zeitraum verbrauchen kann. Im Garten werden alle Früchte einer Sorte gleichzeitig reif. Dann braucht man viele Rezepte, die man mit anderen Saisongärtnern tauschen kann oder sich im Internet besorgt." Für die kommende Saison kann man sich schon jetzt unter ubausenwein@yahoo.com anmelden.

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