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Die Selters Union gehört nicht mehr zur CDU

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Von: Petra Hackert

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Die Selters Union hat sich als Verein gegründet und damit nun auch offiziell von der CDU getrennt. Vorne von links im Bild die Vorstandsmitglieder Sebastian Dörn, Wolfgang Sandner, Michael Clauss, Marco Becker und Marcel Fink, hinten Christina Scheid und Julian Rogge (Dritter von links). Urlaubsbedingt fehlt auf dem Bild Mario Rieth. Im Hintergrund weitere Teilnehmer und Unterstützer der Gründungsversammlung, alle aus Niederselters und zum Teil langgediente ehemalige Mandatsträger der CDU.
Die Selters Union hat sich als Verein gegründet und damit nun auch offiziell von der CDU getrennt. Vorne von links im Bild die Vorstandsmitglieder Sebastian Dörn, Wolfgang Sandner, Michael Clauss, Marco Becker und Marcel Fink, hinten Christina Scheid und Julian Rogge (Dritter von links). Urlaubsbedingt fehlt auf dem Bild Mario Rieth. Im Hintergrund weitere Teilnehmer und Unterstützer der Gründungsversammlung, alle aus Niederselters und zum Teil langgediente ehemalige Mandatsträger der CDU. © Petra Hackert

Mandatsträger haben eine freie Wählergruppierung gegründet - mit Unterstützung aus Niederselters und Münster.

Selters -Der Streit in der Selterser CDU hat der Gemeinde eine weitere Partei beschert: Am Mittwochabend wurde die Selters Union als Freie Wählergemeinschaft gegründet. Gegen sechs aktive Mandatsträger läuft ein Parteiausschlussverfahren der CDU. Dem sind sie nun zuvorgekommen und haben ihren Austritt erklärt. Mit dabei ist Wolfgang Sandner, in der vorhergehenden Legislaturperiode Vorsitzender der Gemeindevertretung und davor rund zwei Jahrzehnte CDU-Fraktionsvorsitzender.

Er ist einstimmig zum Vorsitzenden des neuen Vereins Selters Union gewählt worden. Sein Stellvertreter ist der frühere Niederselterser CDU-Vorsitzende Sebastian Dörn. Kassierer Marco Becker, Schriftführer Mario Rieth und Pressewart Julian Rogge komplettieren das Team, als Beisitzer der Niederselterser Ortsvorsteher Michael Clauss, Christina Scheid und der einzige Münsterer im Vorstand Marcel Fink.

"Eine Partei in der Partei kann es nicht geben", betonte der CDU-Kreisvorsitzende Andreas Hofmeister gestern. Er habe zahllose Gespräche in dieser Sache geführt und viel Zeit investiert, um Gräben zu überwinden. Vergeblich. Im Laufe dieses Jahres sei das Parteiausschlussverfahren in Gang gesetzt worden.

Seit dem Frühjahr 2021 gibt es die Selters Union als eigenständige Fraktion - mit fünf Mandatsträgern in der Gemeindevertretung und einem im Gemeindevorstand. Sie hatte sich direkt nach der Kommunalwahl von der CDU getrennt, damals persönliche Enttäuschungen als Begründung angegeben. Der damalige Fraktionsvorsitzende Manuel Böcher zeigte sich überrascht über diesen Schritt. Jetzt, über ein Jahr später, wurde Wolfgang Sandner konkret. Die Vorwürfe, die die Aktiven der Selters Union erheben, richten sich in erster Linie gegen den Gemeindeverbandsvorsitzenden Manuel Böcher und Willi Hamm, einst 24 Jahre lang Vorsitzender der Selterser Gemeindevertretung und jetzt für die CDU im Gemeindevorstand aktiv.

Es gibt eine lange

Vorgeschichte

Sandner drehte das Rad acht bis neun Jahre zurück. Damals sei Annelie Gerlach als zweite Person aus Haintchen von insgesamt fünf CDU-Mitgliedern in den Gemeindevorstand gekommen, obwohl dieser Platz dem mit Abstand größten Ortsteil Niederselters mit den meisten Parlamentariern zugestanden hätte. Als Kompromiss habe man sich darauf geeinigt, dass für sie später der Niederselterser Thomas Brühl nachrücken sollte. Als es soweit war, habe "die Haintchener Gruppe, angeführt von Willi Hamm", davon nichts mehr wissen wollen. Willi Hamm wiederum hat das anders in Erinnerung. Die Niederselterser hätten diesen Posten seinerzeit nicht besetzen können, die Auseinandersetzung später habe es gegeben, doch unter anderen Vorzeichen, sagte er gestern auf Nachfrage.

Das zieht sich wie ein roter Faden durch das Thema: Die Niederselterser seien fortgesetzt benachteiligt worden, was unter anderem an der Besetzung der Ausschussvorsitze zu erkennen sei, sagt Sandner. Sie hätten Posten haben können, aber nicht wollen, erklärt Hamm.

Manuel Böcher: Der jetzige CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende aus Eisenbach und Vorsitzende der Selterser Gemeindevertretung handele nicht zum Wohle der Partei, sondern stelle sich selbst in den Vordergrund, meint Sandner: "Zu Manuel ist auch zu sagen, dass er von Beginn seiner politischen Tätigkeit an in der CDU immer alle Führungspositionen innehaben wollte. Dies begann mit dem Vorsitz des Gesamtverbandes, dem Ortsverband Eisenbach, dem Fraktionsvorsitz . . . Wobei er fast alle Posten auch schnell wieder aufgab." In diesem Zusammenhang hätte er zuletzt auch in den Gemeindevorstand gestrebt, dies aber zugunsten des Vorsitzes der Gemeindevertretung unterlassen. "Ich wollte in den Gemeindevorstand", bestätigte Böcher gestern gegenüber dieser Zeitung. Allerdings habe er den Vorsitz der Gemeindevertretung nicht aus Eigeninteresse übernommen und angestrebt. Der CDU als stärkster Fraktion habe er zugestanden. Doch die anderen politischen Gruppierungen hätten deutlich gemacht, dass sie Wolfgang Sandner nach vier Jahren in dieser Position nicht erneut wählen würden. Daraufhin habe er sich bereiterklärt, sagt Böcher - was auch Willi Hamm aus den Gesprächen, die er geführt hat, bestätigt.

Die verlorene

Bürgermeisterwahl

Neben weiteren Konfrontationen, in denen es einen Schulterschluss von Eisenbacher und Haintchener Mandatsträgern gegeben habe, sei das Ganze in der Bürgermeisterwahl gegipfelt. "Ich habe ausdrücklich betont, dass diese Wahl ein Meilenstein für die Zukunft sein kann", sagt Sandner. "Willi Hamm versicherte mir dann in einem Telefonat ausdrücklich, dass der Haintchener CDU-Ortsverband auf jeden Fall hinter Benjamin Zabel steht. Fakt ist aber, dass in Haintchen 78 Prozent der Stimmberechtigten gegen Benjamin waren. Dies war dann für uns das endgültige Aus", sagt Sandner.

Auch dies sieht Willi Hamm anders, und nicht nur er. Andreas Hofmeister als Kreis- und Manuel Böcher als Gemeindeverbandsvorsitzender der CDU weisen darauf hin, dass Zabel auf eigenen Wunsch parteiunabhängig kandidiert hat. Im Gegensatz zu vielen Gerüchten habe er selbst nicht angestrebt, Bürgermeisterkandidat zu werden, sagt Böcher. Doch die Kandidatur Benjamin Zabels sei nicht mit der CDU abgestimmt worden. Wenn man am Schluss die Prozentzahlen betrachte, sei es falsch, den Haintchenern und Eisenbachern die Schuld für die verlorene Wahl zu geben, auch wenn dort rund 80 bzw. 70 Prozent für Jan Pieter Subat gestimmt hatten. "Benjamin Zabel hat die Wahl auch in Niederselters verloren", sagt Böcher. "In absoluten Zahlen hat es dort mit rund 60 Prozent der Stimmen eben nicht gereicht."

"In ihren Entscheidungen frei und

nur ihrem Gewissen unterworfen"

Am Ende stand ein Aufatmen: "Politik macht wieder Spaß", sagt Michael Clauss. In der Selters Union, mit dieser Gruppe von Leuten, in Sitzungen, die auf künftig allen offenstehen sollen. "Wir wollen ganz bewusst eine breite Diskussionsbasis", formuliert es der neue Vereinsvorsitzende Wolfgang Sandner. Über Monate hinweg habe man in der Fraktion schon sehr gut zusammengearbeitet, sagt Sebastian Dörn.

Das gelte auch für die Gespräche, die mit den übrigen politischen Gruppierungen in der Gemeindevertretung geführt wurden. Jetzt sind es sechs, CDU (7 Sitze), UWE (6), Selters Union (5), FWS (5), SPD (4) und die Grünen (4).

Michael Clauss ist Niederselterser Ortsvorsteher, Wolfgang Sandner war die längste Zeit seiner politischen Laufbahn, gut zwei Jahrzehnte, Fraktionsvorsitzender der Selterser CDU, Sebastian Dörn war einmal der Niederselterser CDU-Vorsitzende. Alles Schnee von gestern.

In der Gründungsversammlung der freien Wählergruppe im Niederselterser Rathaus gab es durchgehend einstimmige Wahlergebnisse von 18 Ja-Stimmen - allerdings teils mit symbolischem Charakter, wie es Rechtsanwalt Sandner anschließend erklärte, denn auch Sympathisanten haben die Hand gehoben, die nicht in den neuen Verein eingetreten sind.

Mit verfolgt haben die Sitzung langjährige oder aktive Kommunalpolitiker wie der frühere Erste Beigeordnete der Gemeinde Günter Zwirner, aber auch viele junge Leute und Aktive von "Mir sein Seldersch". Dieser Verein hat sich gerade bei der 1250-Jahr-Feier erheblich eingebracht. Alle Anwesenden bekundeten ihre Sympathie für die Selters Union, doch nicht jeder gehört ihr nun an. Das liegt auch am eigenen politischen Engagement, an den Bereichen, wo sich die Betreffenden noch einbringen wollen, und wo es nicht mehr geht.

Dr. Norbert Zabel: Der Altbürgermeister aus Niederselters hat sich auf den unterschiedlichsten Ebenen in der CDU engagiert, ist nach wie vor im Kreistag aktiv. Aus dem politischen Geschäft in Selters habe er sich nach Ende seiner 24-jährigen Amtszeit als Bürgermeister zurückgezogen, sagt Zabel, der dort keine Ämter mehr bekleidet. Er betont aber auch: "Seit 40 Jahren habe ich von den Selterser Kandidaten die meisten Stimmen auf der CDU-Kreistagsliste geholt." Das sei seine politische Heimat. "Ich bin ein CDU-Mann durch und durch, aber ich habe große Sympathie für die Selters Union." Nach allem, was in der Vergangenheit geschehen sei, sehe er in seiner Heimatgemeinde die Dinge nun so: "Mit der CDU Selters will ich nichts mehr zu tun haben."

16 Mitglieder sind mit Stand gestern in die SU eingetreten, informiert der Zweite Vorsitzende Sebastian Dörn. Als Vereinszweck hat die Freie Wählergemeinschaft Selters Union festgelegt, "parteipolitisch ungebundene, sachbezogene und im Interesse der Bürger der Ortsteile Niederselters, Münster, Eisenbach und Haintchen sowie der Großgemeinde Selters liegende kommunalpolitische Tätigkeiten jeglicher Art zu entfalten". In der Satzung steht auch: "Die Mandatsträger sind in ihren Entscheidungen frei und nur ihrem Gewissen unterworfen."

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