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Ein Externer soll es werden

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Von: Robin Klöppel

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Karsten Keller
Karsten Keller © privat

Stelle an Karsten Keller vergeben - Eltern nicht in Entscheidung eingebunden

Selters/Brechen -Die Mittelpunktschule Goldener Grund in Niederselters und die Schule im Emsbachtal in Niederbrechen sollen zum kommenden Schuljahr fusionieren. Doch nicht einer der beiden etablierten Schulleiter Bernd Steioff (Brechen) oder Andreas Lang (Selters) bekommt die Schulleiterstelle, sondern Karsten Keller, der nach Informationen dieser Zeitung einzige externe Bewerber.

Keller ist aktuell Schulleiter der Heinrich-von-Brentano-Schule in Hochheim am Main, hat aber als Diezer und früherer Leiter der Elzer Erlenbachschule auch lokalen Bezug. Martin Rumpf, Vorsitzender des Selterser Schulelternbeirates, ist sehr verärgert, dass die Eltern nicht - wie seinen Aussagen nach versprochen - in den Entscheidungsprozess eingebunden wurden. Denn Rumpf befürchtet, dass, falls das Konzept der reinen Realschule im weiterführenden Bereich gekippt werde, viele Selterser Schüler zur Dauborner Schule oder nach Limburg abwandern könnten.

Keine schriftliche

Bestätigung

Rumpf musste trotz mehrerer vergeblicher Mails ans Kultusministerium zum aktuellen Stand von Dritten erfahren, dass die Stelle längst vergeben sei. Plötzlich sei Keller, ohne dass die Elternvertretung offiziell informiert worden sei, letzte Woche bei einer Online-Sitzung der Schulgremien aufgetaucht und sei als kommender Schulleiter vorgestellt worden, so Rumpf. Das, obwohl Keller selbst bis dahin noch keine schriftliche Bestätigung des Ministeriums vorgelegen habe, dass er das Bewerbungsverfahren gewonnen hat, wie es aus sicherer Quelle heißt. Rumpf mutmaßt, dass die Stelle nicht nur nach fachlichen Kriterien vergeben worden sei. Denn bereits im Herbst habe er unter der Hand aus politisch gut informierten Kreisen gehört, dass Karsten Keller die Stelle bekommen solle. Der habe, wie Rumpf weiß, schon in Wiesbaden fürs Kultusministerium gearbeitet.

Auch der Bewerber Bernd Steioff wusste offenbar nicht erst seit vergangener Woche, dass er nicht Schulleiter für Selters/Brechen wird. Denn wie dieser Zeitung erfuhr, hat Bernd Steioff bereits im Dezember einen Brief an die Vertreter des Brecher Elternbeirates geschrieben, dass das sein letztes Weihnachten als Schulleiter werde. Prof. Dr. Andreas Kremer, Leiter des Schulelternbeirates der Schule im Emsbachtal, berichtet übereinstimmend, dass den Eltern versprochen worden sei, dass sie ins Verfahren eingebunden würden. Doch dann seien sie auf dem Prozess nicht mitgenommen worden. Sie seien "von Wiesbaden abgebügelt worden", als sie nach dem aktuellen Stand gefragt hätten.

Andreas Kremer weiß natürlich, dass es gewisse Leute gebe, welche die Person Bernd Steioff kritisch sehen würden. Aber an seiner hohen fachlichen Expertise gebe es keinen Zweifel, stellt Kremer klar. Das sei die letzten Jahre auch durch zahlreiche Presseberichte und Auszeichnungen für die Schule nachgewiesen.

Bleibt die spannende Frage, was aus den beiden aktuellen Schulleitern wird? Mitglieder des Schulleitungsteams werden sie unter Keller kaum werden. Das Ministerium muss ihnen aber eine angemessene Aufgabe anbieten, die in Sachen Bezahlung und Niveau ihrer aktuellen Funktion entspricht.

"Rein fachliche

Kriterien"

Andreas Lang und Bernd Steioff baten in Gesprächen mit dieser Zeitung um Verständnis, dass sie sich zu der Sache öffentlich nicht äußern könnten. Schließlich gehe es um ihre berufliche Zukunft. Es wird aber deutlich, wie gerne Bernd Steioff in Brechen weitergemacht hätte, der in der Vergangenheit mit großer Leidenschaft viele Sorgenkinder durch gezielte Förderung noch zu einem Schulabschluss gebracht hat.

Andreas Lang war erst 2019 zum Schulleiter in Selters ernannt worden und hatte damals noch gesagt, dass das seine Traumstelle sei, um die er Jahre gekämpft habe. Wie Rumpf von Insidern gehört hat, soll Andreas Lang vom Ministerium angeblich als Trostpflaster die Führung der Mittelpunktschule St. Blasius in Frickhofen angeboten werden.

Dirk Fredl, Sprecher des Staatlichen Schulamtes in Weilburg, kann dies nicht bestätigen. Denn für jede Schulleiterstelle gebe es wie für Selters/Brechen ein ordentliches Bewerbungsverfahren, bei dem sich jeder bewerben könne, der nötige fachliche Eignung besitze. Fredl weist Unterstellungen weit von sich, dass Schulleiterstellen über politische Beziehungen vergeben werden könnten. Es gebe rein fachliche Kriterien, die über die Besetzung solcher Stelle entscheiden würden. Dabei habe aber der heimische Bewerber gegenüber dem auswärtigen keinen Vorteil.

Offenbar aufgeschreckt durch Recherchen dieser Zeitung hat das Staatliche Schulamt sich nun doch in Person von Dr. Michael Jung schnell noch zu der Sache schriftlich geäußert. Jung schreibt in einem dieser Zeitung vorliegenden Brief an die beiden Schulgemeinden: "Herr Keller kann in seinem beruflichen Werdegang auf eine langjährige Erfahrung als Schulleiter zurückblicken. So war er von 2011 bis 2017 Leiter der Erlenbachschule Elz und ist zurzeit Direktor der Heinrich-von-Brentano-Schule in Hochheim am Main, einer Integrierten Gesamtschule mit Ganztagsangebot, an welcher über 700 Schülerinnen und Schüler beschult werden." Daneben habe Keller an der Hessischen Lehrkräfteakademie in Wiesbaden im Bereich der Führungskräfteentwicklung gewirkt. Hier sei er zuletzt in der führenden Funktion als Leiter des Dezernates "Führungskräfteentwicklung" tätig gewesen. "So verfügt Herr Keller über ein äußerst fundiertes Wissen und über vielfältige Kompetenzen, die für eine erfolgreiche Ausübung seines neuen Amtes im Goldenen Grund unabdingbar sind", so Jung. Das Besetzungsverfahren für die weiteren Funktionsstellen im neuen Schulleitungsteam Selters/Brechen sei bereits im Gange. robin klöppel

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