1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Selters

Ein Trio will auf den Chefsessel im Rathaus

Erstellt:

Von: Tobias Ketter

Kommentare

Jan Pieter Subat (Zweiter von links), Jochen Weeber (Mitte) und Benjamin Zabel (Zweiter von rechts) sprechen mit Petra Hackert und Sebastian Semrau über ihre Pläne für Selters.
Jan Pieter Subat (Zweiter von links), Jochen Weeber (Mitte) und Benjamin Zabel (Zweiter von rechts) sprechen mit Petra Hackert und Sebastian Semrau über ihre Pläne für Selters. © ketter

Jochen Weeber, Benjamin Zabel und Jan Pieter Subat sprechen bei der NNP über ihre Vorhaben

Am übernächsten Sonntag wählen die Menschen aus der Gemeinde Selters ihren neuen Bürgermeister. Sollte es nicht zu einer Stichwahl kommen, entscheidet sich also am 6. März, wer die Nachfolge von Bernd Hartmann antritt. Mit Benjamin Zabel, Jan Pieter Subat und Jochen Weeber stehen drei unabhängige Kandidaten zur Wahl. Während einer rund zweieinhalb Stunden andauernden Podiumsdiskussion dieser Zeitung stand das Trio dem NNP-Redaktionsleiter Sebastian Semrau und der Südkreis-Redakteurin Petra Hackert Rede und Antwort.

Benjamin Zabel (40) ist Bauamtsleiter der Gemeinde Selters, Jan Pieter Subat (50) leitet das Stadtbauamt in Bad Camberg, Jochen Weeber (42) ist IT-Experte und hat die vergangenen sieben Jahre in Amerika gearbeitet. Er stammt aus Münster, Zabel und Subat kommen aus Niederselters.

Wegen der Corona-Pandemie wurde das Bürgerforum ohne Zuschauer im Selterser Mineralbrunnen abgehalten. Die Menschen konnten die Veranstaltung aber live im Internet verfolgen und im Chat ihre Fragen an die Kandidaten stellen. Im Laufe des Abends gab es knapp 1300 Zugriffe auf die Übertragung. Durchschnittlich verfolgten etwa 290 Menschen die Debatte. Die Podiumsdiskussion kann auch in den kommenden Tagen und Wochen unter fnp.de/eventvideo angeschaut werden. Die Themenschwerpunkte waren unter anderem die direkte Demokratie, der Naturschutz, die Dorfentwicklung und die Kommunikation. Und das wurde zu den einzelnen Themen gesagt:

Direkte Demokratie: Sollte Jochen Weeber Bürgermeister werden, möchte er die Menschen aus der Kommune stärker an den Entscheidungen der Gemeindevertretung beteiligen. Er hat ein Konzept entwickelt, das aus zwei Phasen besteht. Die erste Phase sei den Angaben des Kandidaten zufolge eine Online-Meinungsumfrage, die theoretisch bei jedem Antrag durchgeführt werden könne. "Diese Meinungsumfrage wäre sicher eine tolle Informationsquelle für alle Gemeindevertreter", sagte Weeber. Die zweite Phase sei dann der Bürgerentscheid. Es könne aber nicht über alle Anträge durch einen solchen Entscheid abgestimmt werden und Gegenvorschläge zu einzelnen Themen seien auch nicht möglich. Die Bürger können durch Weebers Konzept also letztlich nur für oder gegen den Antrag stimmen. Als Beispiel für ein mögliches Bürgerbegehren nannte der Bürgermeisterkandidat "Investitionsvorhaben ohne verpflichtenden Charakter, wie beispielsweise einen Radwegbau".

Laut Benjamin Zabel sei die verstärkte Bürgerbeteiligung grundsätzlich eine gute Sache. Allerdings unterwandere Weeber Idee die Gemeindevertreter. "Diese wurden nunmal gewählt, und wir können nicht wegen jedem zweiten Tagesordnungspunkt ein Bürgerbegehren machen", sagte Zabel. Auch Jan Pieter Subat steht der Idee seines Kontrahenten kritisch gegenüber. "Wir haben ein System, das ich für sehr sinnvoll halte", sagte er. Einen Bedarf für das Konzept von Weeber gebe es nicht. Stattdessen sollten der künftige Bürgermeister und auch die Ortsbeiräte verstärkt den Kontakt zu den Menschen suchen.

Naturschutz: Der Selterser Wald liegt vielen Leuten aus der Gemeinde am Herzen. Das geht aus einer Online-Umfrage hervor, die Subat kürzlich durchgeführt hat. "Es fehlen große Flächen von Bäumen und der Wald dient als Erholungsgebiet, ist ein Wirtschaftsfaktor sowie Teil des ökologischen Systems", so Subat. Die Kommune müsse agieren, um den Zustand des Waldes zu verbessern. "Der Wald der Zukunft wird ein Mischwald sein", ergänzte Zabel. Es müsse Vielfalt in den Wald hineingebracht werden. Darüber hinaus solle dem Austrocknen der Waldböden entgegengewirkt werden. Zabel setzt auf die Naturverjüngung. Dies habe zur Folge, dass es weniger Fällungen gebe, was zugleich auch weniger Geld in die Gemeindekasse spüle. "Der Wald war immer das grüne Sparbuch der Gemeinde", sagte Weeber. Diese Zeiten seien aber vorbei. Das Hauptziel des 42-Jährigen sei es, den Wald gesund zu bekommen.

Die drei Kandidaten waren sich darüber einig, dass auch der Schutz vor Starkregen immer wichtiger wird. Weitere Renaturierungen und Kanalsanierungen müssten künftig durchgeführt werden, berichtete Zabel. Und auch die Feuerwehren sollten im Falle von Starkregen gut ausgerüstet sein.

Windkraft: Auch das Thema Windkraft wurde während der Diskussion angesprochen. Um den Ortsteil Haintchen sollen nämlich elf Windkraftanlagen entstehen, von denen sich fünf auf der Gemarkung der Gemeinde Selters befinden werden. Subat betonte, dass er grundsätzlich für Windkraft sei, aber gegen Anlagen, die zu nah an den Dörfern errichtet werden. Er hält Photovoltaikanlagen für eine geeignete Alternative. Jochen Weeber geht davon aus, dass der Bau der Windkraftanlagen um Haintchen nicht zu verhindern ist. Die derzeitigen Planungen in Bezug auf die Windkraftanlagen hält er für in Ordnung. Benjamin Zabel stellte klar, dass im Regionalplan Vorranggebiete für Windenergie festgeschrieben seien. Daran könne die Gemeinde auch nicht rütteln. Es bestehe aber die Möglichkeit, sich gegen den Bau von zwei Anlagen auszusprechen, weil deren Rotorenüberschlag gemeindeeigene Flächen betreffe. "Wichtig ist, was die Haintchener möchten", sagte Zabel. Sollten sich die Bürger und die Gemeinde aber gegen den Abschluss eines Nutzungsvertrages aussprechen, hätte dies wohl nur die Verschiebung der beiden Anlagen zur Folge. "Das würde zu weiteren Baumfällungen führen", erklärte Subat.

Dorfentwicklung/Mobilität: Jan Pieter Subat möchte das E-Car-Sharing in den Ortsteilen vorantreiben, um die Mobilität zu verbessern. Darüber hinaus will er einen Rufbus ins Leben rufen. "Wir sollten einen Test mit einem Rufbus starten, der dreimal täglich fährt", sagte der Bürgermeisterkandidat. Weeber will stattdessen erst einmal den Bedarf des öffentlichen Personennahverkehrs in den Ortsteilen ermitteln. Außerdem möchte er dafür werben, dass sich Mietwagen- oder Taxiunternehmen in der Kommune niederlassen. "Wir haben eine gute Gesellschaft in der Gemeinde", weiß Zabel. "Nachbarn helfen sich beispielsweise bei dem Erledigen von Einkäufen." Trotzdem dürfe man die Themen E-Car-Sharing und Bedarfsanalyse nicht vernachlässigen.

Auch über die Themen Ortskerne und Leerstände wurden debattiert. Weeber möchte die Leerstände in Absprache mit den Eigentümern mit Blick auf den Wert der Gebäude und die Renovierungskosten prüfen lassen, um dann mit Hilfe von Banken ein Finanzierungskonzept zu erstellen. So hätten potenzielle Käufer eine bessere Vorstellung, wie viel Geld sie in ein Haus im Dorfkern investieren müssen. Zabel ist der Meinung, dass das Vorhaben von Weeber so nicht umsetzbar ist. "Wir sind keine Immobilienmakler", sagte er. Der 40-Jährige möchte stattdessen eine Erhebung der Leerstände durchführen und Kontakt zu den Besitzern aufnehmen. Außerdem will er sich um ortsbildprägende Gebäude kümmern, um die Dorfkerne attraktiver zu machen. "Es gibt beim Thema Ortskerngestaltung viele Fördertöpfe, die genutzt werden können", gab Subat zu bedenken. Unter anderem werde die Installation von Grünflächen bezuschusst. "Die Ortskerne müssen wiederbelebt werden, damit sich dort auch junge Familien niederlassen", ist sich Subat sicher.

Von einer weiteren Idee, um besonders Niederselters noch attraktiver zu machen, berichtete Benjamin Zabel. Er schlug vor, prüfen zu lassen, ob die Errichtung eines Sportzentrums nahe der Tennisanlage möglich ist. In Bezug auf diese Thematik möchte er auch zeitnah mit den Vereinen sprechen. An Ort und Stelle könnten Fußballer, Leichtathleten, Tennisspieler und auch Turner neue Trainingsmöglichkeiten bekommen. Finanziert werden könne das Projekt laut Zabel durch Fördertöpfe und den Verkauf von Bauflächen. "Zweckgebundener Baulandverkauf für die Finanzierung sehe ich eher kritisch", sagte Subat. Außerdem sei die mit dem Projekt verbundene Flächenversiegelung durchaus als problematisch anzusehen, berichteten sowohl Subat als auch Weeber. Alle drei Bewerber betonten aber, dass die Förderung der Vereine in den vier Ortsteilen nicht zu kurz kommen dürfe.

Kommunikation: Subat, Weeber und Zabel waren sich darüber einig, dass die Kommunikation mit den Bürgern künftig eine wichtige Rolle spielen wird. Die Gemeinde müsse den Bürgern besser erklären, was in der Kommune getan werde, sagte Zabel. Dies solle in einer möglichst einfachen Darstellungsform geschehen. Sowohl die sozialen Medien als auch das Gemeindeblättchen könnten für das Vorhaben genutzt werden. Weeber regte darüber hinaus an, Bild- und Tonaufnahmen der Gemeindevertretersitzungen zu veröffentlichen und die Homepage der Kommune zu vereinfachen. Subat ist der Meinung, dass das persönliche Gespräch mit den Menschen Vorrang haben müsse. Deshalb möchte er regelmäßig in den Dörfern Präsenz zeigen. "Aber auch die digitale Kommunikation gehört dazu", so der Kandidat.

Finanzen/Digitalisierung: Die Gemeinde Selters hat derzeit rund zehn Millionen Euro Schulden. Weeber ist der Meinung, dass man durch die Ansiedelung von Firmen den Schuldenberg reduzieren könne. Subat möchte moderat wirtschaften, gemeindeeigene Grundstücke verkaufen und durch eine geänderte Personalstruktur Einsparungen erzielen. Zabel betonte, dass die Kommune auf dem richtigen Weg sei. In den vergangenen Jahren habe man rund drei Millionen Euro Schulden abgebaut. Künftig sollten immer wieder Fördergelder beantragt werden, um Kosten einzusparen. "Die Personalkosten sind im Vergleich zu anderen Gemeinden gering und die Aufgaben wachsen. Deshalb gibt es keinen Grund für Personaleinsparungen", so Zabel. Alle drei Bewerber möchten die Digitalisierung in der Verwaltung voranbringen. "Trotzdem müssen weiterhin Mitarbeiter im Rathaus greifbar sein", sagte Zabel. Weeber ergänzte: "Arbeitsprozesse können für die Angestellten aber durch die Digitalisierung erleichtert werden." tobias ketter

Auch interessant

Kommentare