Unfallschwerpunkt Hessenstraße ja oder nein? Die Straßenverkehrsbehörde Hessen-Mobil hat da eine klare Meinung und montierte Schutzplanken.
+
Unfallschwerpunkt Hessenstraße ja oder nein? Die Straßenverkehrsbehörde Hessen-Mobil hat da eine klare Meinung und montierte Schutzplanken.

Weiter Wirbel um Leitplanken auf der Hessenstraße in Selters

Hessen Mobil begründet Montage mit Unfallzahlen

  • vonTobias Ketter
    schließen

Telekom muss Leitungen verlegen

Selters -Die neuen Schutzplanken auf der Hessenstraße (L 3449) sorgen weiter für Verärgerung. Zwar sind die Montage-Arbeiten zwischen Niederselters und Haintchen zumindest vorerst abgeschlossen, aber der Unmut einiger Bürger ist immer noch groß.

Besonders André Bördner aus Haintchen stellt die Sinnhaftigkeit der neuen Leitplanken infrage, die im Auftrag von Hessen Mobil angebracht wurden. Er kritisiert unter anderem, dass eine beidseitige Beplankung der Hessenstraße eine zusätzliche Gefahr für die Autofahrer darstelle, da Lastkraftwagen dann mittiger fahren würden, was auf einer solch engen Straße zu einem erhöhten Unfallrisiko führe. Darüber hinaus sei es deutlich mehr sinnvoller, die zur Verfügung stehenden Gelder in die Ausbesserung von gefährlichen Schlaglöschern zu investieren. "Das Entsetzen der Bevölkerung ist groß. Das Projekt ist eine reine Geldverschwendung", sagt Bördner.

Schutzplanken

abmontiert

Er wundert sich außerdem darüber, dass bereits bestehende Schutzplanken in einem Waldstück zwischen den Abzweigungen nach Münster und Haintchen im Zuge der Bauarbeiten demontiert wurden. Des Weiteren fragt Bördner, ob Hessen Mobil vor der Montage eine Unfall-Auswertung der Polizei für die Hessenstraße angeschaut habe. Denn der Haintchener ist der Meinung, dass es in den vergangenen Jahren auf der Strecke kaum "Baumunfälle" gegeben habe, vor denen die neuen Leitplanken laut Hessen Mobil schützen sollen.

Die Straßen- und Verkehrsbehörde hat nun auf die Kritik reagiert: "Die Schutzplanken in dem Waldstück zwischen den Abzweigungen nach Münster und Haintchen wurden Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre aufgestellt und entsprachen nicht mehr dem heutigen Stand der Technik", sagt Sonja Lecher, Sprecherin von Hessen Mobil. Diese Leitplanken seien deshalb gemäß der "Richtlinie für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme" demontiert und ersetzt worden. "Der Austausch der Schutzplanken war bereits Bestandteil der Ausschreibung und ist daher in den Baukosten enthalten", so Lecher. Somit bleibe es bei den kalkulierten Kosten von 220 000 Euro.

Hinzu kämen allerdings weitere 5000 Euro für die "Sondierung von Kampfmitteln", wie Lecher berichtet. "Im Zuge der Bauvorbereitung wird bei jeder Baustelle von Hessen Mobil eine Anfrage zu Kampfmittelverdachtsflächen beim Regierungspräsidium Darmstadt durchgeführt." Sofern sich im Bereich der Baustelle ein Verdacht auf Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg ergebe, werde vor dem Beginn der Arbeiten eine Kampfmittelsondierung durchgeführt. "Dies ist auch im Bereich der Hessenstraße der Fall gewesen. Bei den Sondierungen wurden aber keine Kampfmittel gefunden", sagt die Sprecherin.

"Selbstverständlich lag bereits vor dem Beginn der Planungen, der Ausschreibung und der Umsetzung eine Auswertung der Unfälle der vergangenen Jahre vor", sagt die Sprecherin von Hessen Mobil. Auf der Basis dieser Zahlen habe man entschieden, dass eine Absicherung mit den Schutzplanken erforderlich sei, um "Baumunfälle" zu vermeiden.

Häufigste Ursache

für tödliche Unfälle

Kollisionen mit Bäumen sind laut Hessen Mobil eine der häufigsten Ursachen für tödliche Verkehrsunfälle in Deutschland. "Daher ist es das erklärte Ziel des Bundes und der Länder, die Unfallfolgen beim Abkommen von der Straße zu minimieren", sagt Lecher. Auf der Hessenstraße gebe es in unmittelbarer Nähe zur Fahrbahn sehr viele Bäume, so dass ein hohes Potenzial für schwere Unfälle durch abkommende Fahrzeuge bestehe.

Im Zuge der Bauvorbereitung sei die Strecke von einer Fachabteilung begutachtet worden. "Dabei wurden auch Unfallspuren an Bäumen festgestellt. Dies deckt sich mit den Daten der Unfallauswertung für die L 3449", sagt die Sprecherin der Straßen- und Verkehrsbehörde.

Die Entscheidung, die Schutzplanken zu montieren, habe man aber letztlich anhand der Unfallzahlen und nicht aufgrund der Unfallspuren getroffen. Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten auf der Hessenstraße noch nicht. "Im Bereich des Tannenhofs müssen zunächst noch Telekommunikationsleitungen der Telekom an eine andere Stelle verlegt werden, bevor dort die noch fehlenden Schutzplanken montiert werden können", so Lecher. Diese Maßnahme sei nötig, damit die Leitungen beim Anbringen der Schutzplanken-Pfosten nicht beschädigt werden. "Wir sind mit der Telekom bereits in Kontakt und die Planungen für die Leitungsverlegungen laufen", sagt die Sprecherin von Hessen Mobil. Wann die Leitungen verlegt und die Leitplanken montiert werden, ist noch nicht klar. tobias ketter

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare