Nachfahre veröffentlicht Familiengeschichte

Auf Joachim Siesmayers Spuren

Joseph Joachim Siesmayer wirkte lange Zeit als Kontrollbeamter und Gärtner am Mineralbrunnen in Niederselters. Auf ihn gehen die einzigartigen Anlagen am Emsbachufer zurück. Einer seiner Nachfahren hat die Familiengeschichte der Gartenkünstler-Dynastie Siesmayer, zu der auch der Schöpfer des Frankfurter Palmengartens gehört, erforscht und in Buchform veröffentlicht.

Während seines Berufslebens kam der Diplom-Volkswirt Herbert Lohrum auf der Fahrt von Frankfurt-Sachsenhausen zu seinem Arbeitsplatz in Bockenheim fast jeden Tag an der Straßenbahnhaltestelle Siesmayerstraße vorbei. Zwar schrieb sich der Mädchenname seiner Großmutter Süßmeyer, doch war die Ähnlichkeit nicht zufällig und die unterschiedliche Schreibweise, wie Lohr später erfuhr, sprachlichen regionalen Besonderheiten geschuldet. Auch wusste er, dass einer seiner Vorfahren, fünffacher Ur-Großvater, Joseph Joachim Siesmayer, Gärtner und am Mineralbrunnen in Niederselters tätig war.

Neugierig geworden, begann Herbert Lohrum, der heute mit seiner Familie in Andernach wohnt, sich intensiver mit der Familiengeschichte zu befassen. Bei seinen Recherchen, die er im Ruhestand noch vertiefte, stieß er in den Nassauischen Annalen auf einen Aufsatz der Niederselterser Heimatforscher Eugen Caspary und Robert Spitzlay über Heinrich Siesmayer, den Gründer des Frankfurter Palmengartens, und die Geschichte seiner Familie. Darin fand er die Verbindung zwischen Siesmayer und seiner Familie Süßmeyer dokumentiert. Sein Urahn Joseph Joachim war der Sohn von Joseph Siehsmayr, dem Urgroßvater von Heinrich Siesmayer. Wertvolle Hinweise konnten ihm auch der frühere Bürgermeister Dr. Norbert Zabel, an den er vom Hauptstaatsarchiv verwiesen worden war, und Eugen Caspary geben, die auch das Vorwort zu dem Buch schrieben.

Alle Siesmayer/Süßmayer stammen aus dem Lechrain südöstlich von Augsburg, auch der österreichische Komponist Franz Xaver Süßmayr. Ob dieser jedoch, wie von seinem Großneffen Heinrich Siesmayer in seinen Lebenserinnerungen behauptet, Mozarts unvollendetes Requiem fertig komponierte, lässt sich historisch nicht belegen. Er soll aber ein Schüler Mozarts gewesen sein.

Wie sein Vater, der herrschaftlicher Gärtner im bayerischen Freising war, wurde Joachim Siesmayer zum Gärtner ausgebildet. Zeitgleich mit dem Freisinger Fürstbischof Clemens Wenzeslaus von Sachsen, der ab 1768 auch Kurfürst von Trier war, kam er nach Ehrenbreitstein an den Rhein. Als Bote der Geheimen Kanzlei stand er in unmittelbaren Diensten des Kurfürsten. Wegen „seiner guten Eigenschaften“ beorderte der Kurfürst persönlich ihn nach Niederselters. Hier sollte er als „Brüchlingszähler“ am wirtschaftlich wichtigen Mineralbrunnen Kontrollfunktionen ausüben. Brüchlinge waren schadhafte Selterswasserkrüge, die es herauszufinden und zu vernichten galt, zum einen, um korrekte Lieferungen zu gewährleisten, zum andern auch, um Abrechnungsbetrug zu verhindern.

Nebenbei war Siesmayer in Niederselters auch als Gärtner tätig und bildete seine vier Söhne ebenfalls zu Gärtnern aus. Seine Söhne Johann Ludwig (Bendorf am Rhein) – aus diesem Zweig stammt Herbert Lohrum – und Jacob Philipp (Bockenheim) sind die Stammväter zweier Kunstgärtnerfamilien. Bekanntester Vertreter der Familie Siesmayer ist Jacob Philipps Sohn Heinrich, der Gründer des Frankfurter Palmengartens sowie Schöpfer des Bad Nauheimer Kurparks und vieler anderer Gartenanlagen. Er machte sich 1840 selbständig, und zwei Jahre später stiegen sein Vater und sein Bruder Nicolaus in das Geschäft ein: Die Firma „Gebrüder Siesmayer“ mietete das Anwesen Schlossstr. 23, das sie später käuflich erwarb. In seiner Blütezeit hatte das Unternehmern rund 600 Mitarbeiter, zuletzt waren es nur noch rund 20. 1932 ging das renommierte Gartenbauunternehmen durch Konkurs unter. uk

Das Buch „Siesmayer/Süßmayer – Vom Brüchlingszähler am Brunnen zu Niederselters bis hin zu den Kunstgärtnern an Rhein und Main“ ist beim Autor, E-Mail siesmayr@gmx.de, zu beziehen.

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