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Martin Rumpf tritt als Elternbeiratsvorsitzender zurück

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Von: Petra Hackert

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Aus zwei mach eins: die Schule im Emsbachtal . . .
Aus zwei mach eins: die Schule im Emsbachtal . . . © Hackert Petra

Viele Eltern haben ihre Kinder in Nachbarorten angemeldet

Selters/Brechen -Ab August soll die fusionierte Verbundschule, der Zusammenschluss von Niederselters und Niederbrechen, die Arbeit aufnehmen. Verwaltungsstandort ist Niederselters, an beiden Schulen soll es sowohl Haupt- als auch Realschulabschlüsse geben. Letzteres war lange Zeit unsicher, was mit dazu beigetragen hat, dass Eltern mit den Füßen abgestimmt und ihre Kinder in Nachbarschulen angemeldet haben. Der Niederselterser Schulelternbeiratsvorsitzende Martin Rumpf zieht Konsequenzen: Er hat sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt.

Den Fusionsprozess der beiden Schulen in Niederbrechen und Niederselters hat er begleitet, häufig auch öffentlich Kritik geäußert, zuletzt, als es um die Neubesetzung der Schulleiterstelle für die neue Verbundschule ging. Dass Karsten Keller diese Funktion ab August ausüben wird, hätten die Eltern nur über Umwege erfahren, sagt Martin Rumpf nur als Beispiel.

Bad Camberg und

Hünfelden profitieren

Tatsächlich ist es so: Beide Einrichtungen verzeichnen sinkende Schülerzahlen, wovon die Nachbarschulen in Hünfelden und Bad Camberg profitiert haben. Das ist auch an der Brechener Schule im Emsbachtal ersichtlich, die ebenfalls seit Beginn der Diskussion um die Fusion rund 100 Schüler verloren hat. In Brechen sind es jetzt noch rund 400, in Selters rund 500 Schülerinnen und Schüler. Und die Anmeldungen für die neuen fünften Klassen lassen ebenfalls zu wünschen übrig. "Faktisch sind die Schulen aus meiner Sicht schon in der Abwicklungsphase", sagt Rumpf. So sei zu befürchten, dass an beiden Standorten am Ende nur noch Grundschulen übrigbleiben.

Seitdem der Kreistag die Fusion beider Schulen im April 2019 beschlossen hatte, lief der Prozess alles andere als reibungslos. Ein knappes Jahr später, im Juli 2020, beschloss der Kreistag, das Ganze ins Jahr 2022 zu verschieben. Es gab moderierte Gespräche, Vorschläge einer künftigen Zusammenarbeit, viel Reibungsverlust. Andreas Lang, aktuell noch Leiter der Mittelpunktschule Goldener Grund in Niederselters, wollte auf Anfrage dieser Zeitung nichts dazu sagen - er verwies an das Staatliche Schulamt. Sein Schulleiter-Kollege in der Schule im Emsbachtal, Bernd Steioff, äußert sich vorsichtig. Seine Einschätzung: Schon der Kreistag hätte in seinen Anfangsbeschlüssen konkreter werden müssen. Es hätte klargestellt werden müssen, dass es an beiden Standorten sowohl Haupt- als auch Realschulabschlüsse geben solle. Bis das geklärt war, sei viel zu viel Zeit vergangen. Zur Erinnerung: Während es in Niederbrechen bisher sowohl Haupt- als auch Realschulklassen gab (mit einem deutlichen Schwerpunkt im Hauptschulbereich), mangelte es in Niederselters an den Hauptschülern, so dass dort zeitweise nur noch Realschulabschlüsse gemacht wurden.

Eine zu lange Zeit der Unsicherheit bemängeln auch die beiden Elternbeiratsvorsitzenden, sowohl der jetzt zurückgetretene Martin Rumpf als auch sein Niederbrechener Kollege Prof. Dr. Andreas Kremer. Kremers Kritik am Fusionsprozess: "Jeder Standort verliert seinen Markenkern, und es bleibt von den Besonderheiten, die beide Schulen hatten, nichts mehr übrig. Das schlägt sich nieder in den schlechten Anmeldezahlen."

Politischer

Wille

"Die aktuellen Schülerzahlen der 5. Klassen in den Jahren 2022/2023 zeigen in die Richtung Abwicklung, und die fehlenden Konzepte und die wenige Zeit tragen dazu bei, dass auch die Eltern der heutigen 3. Klassen sich gegen Niederselters und Niederbrechen entscheiden werden", kritisiert Martin Rumpf. Mehr noch: Niemand habe im Fusionsprozess die Absicht gehabt, die Eltern wirklich einzubinden. Im Kern hätten sowohl das Staatliche Schulamt als auch das Hessische Kultusministerium versagt. Rumpf: "Was dann rund um die Fusion der Schulen von Niederselters und Niederbrechen passiert ist, zeigt aus meiner Sicht, wie man seitens des Hessischen Kultusministeriums (HKM) und Schulamts die Zusammenarbeit mit den Eltern tatsächlich sieht und lebt. Die Fusion der beiden Schulen war ein Beschluss des Kreistages und damit letztlich ein politischer Wille. Die Gestaltung der Fusion war aus meiner Sicht eine einzige Enttäuschung. Zunächst gar keine Moderation, dann eine sehr schlechte, dann gute Zwischenergebnisse, dann wieder kein Fortkommen und am Schluss diverse Alleingänge der Beteiligten ohne Einbindung der Elternschaft."

Er zeigt sich frustriert: "Den Prozess der Fusion habe ich sehr intensiv, eng und engagiert begleitet. Viele Stunden habe ich unter anderem in die Sitzungen investiert und mich auch sonst in Gesprächen mit Schulamt, HKM, Kreisverwaltung, Schule und den politischen Gremien eingebracht. Am Ende hat man uns Eltern aus dem Prozess herausgenommen, Entscheidungen ohne Absprache oder wenigstens Information gefällt und alle Ideen und Wünsche wurden ignoriert oder abgetan." Der neue Schulleiter Karsten Keller sei zwar benannt, "aber auch hier Funkstille zu den Eltern oder ausweichende Gespräche ohne konkrete Ergebnisse", so Rumpf.

Die Stellungnahme des Staatlichen Schulamts

Das Staatliche Schulamt weist die Kritik der Eltern in Sachen Informations- und Beteiligungspolitik zurück. In der Tat sei der Prozess stellenweise nicht gut gelaufen. "In der ersten Phase des Fusionsprozesses lag die Ausgestaltung in den Händen der beiden Schulen, phasenweise begleitet von einem externen Berater. Leider stellte sich nach geraumer Zeit heraus, dass dieser Weg aufgrund der unterschiedlichen Vorstellungen der beiden Schulen, aber auch aufgrund der Anzahl der Teilnehmenden, nicht zielführend war, weshalb die Moderation fortan und bis heute von der Schulentwicklungsberatung am Staatlichen Schulamt übernommen wurde", erläutert Schulamtssprecher Dirk Fredl.

Seitdem würden die Elternvertretungen, aber auch Schulträger und Staatliches Schulamt, nur dann aktiv in den Prozess einbezogen, wenn dies inhaltlich erforderlich sei. Die Schulleitungen informierten ihre Gremien regelmäßig über die Fortschritte. "Dadurch hat der Prozess deutlich an Dynamik gewonnen, so dass davon auszugehen ist, dass alle relevanten Entscheidungen bis zum Schuljahreswechsel getroffen werden können", so Fredl. Seit wenigen Wochen nehme auch der zukünftige Schulleiter Karsten Keller an den Gesprächen teil. "Es ist geplant, dass er die Schulelternbeiräte nach der nächsten Gesprächsrunde, die kurz vor den Osterferien stattfinden soll, über den aktuellen Stand informieren wird", erklärt der Schulamtssprecher.

Mit Blick auf die Stellenbesetzung und die Informationen dazu stellt das Schulamt fest, dass nicht in jedem Stadium alle Betroffenen über Sachstände informiert werden. "Im Rahmen der Besetzung einer Schulleitungsstelle führt das Hessische Kultusministerium vor einer Stellenausschreibung Gremiengespräche mit dem örtlichen Personalrat, dem Vorstand von Schüler- und Elternvertretung sowie dem Schulleitungsteam. Solche Gremiengespräche haben auch im Vorfeld der Ausschreibung der Schulleitungsstelle der neuen Fusionsschule stattgefunden. In diesen Gesprächen werden unter anderem die Situation der Schule, aber auch Wünsche an die neue Schulleitung thematisiert. Die Rückmeldungen fließen in das Stellenbesetzungsverfahren ein."

Am Ende der Bewährungsfrist der neuen Schulleitung und somit vor der endgültigen Amtsübertragung gebe es erneute Gremiengespräche. "In der Zwischenzeit - also im Bewerbungsprozess und bei der Auswahl - sieht die Verordnung keine Beteiligung von Gremien der Eltern- oder Schülerschaft vor. In dieser Zeit dürfen auch keine Informationen zum Stand des jeweiligen Verfahrens oder zu Bewerberinnern und Bewerbern gegeben werden", so Fredl.

Letzteres gelte auch bei der Frage nach den bisherigen Schulleitern Andreas Lang (Niederselters) und Bernd Steioff (Niederbrechen), die nach Informationen dieser Zeitung ab August Schulleitungsstellen in Breitscheid (Steioff) und Frickhofen (Lang) übernehmen sollen. Dass beide wechseln müssen, um ihre Funktionen als Schulleiter weiter ausüben zu können, stehe fest: "Grundsätzlich behalten die beiden bisherigen Schulleiter ihr jeweiliges Statusamt - sie müssen also anderweitig entsprechend eingesetzt werden."

Das Staatliche Schulamt dankt Martin Rumpf für sein bisheriges Engagement als Elternbeiratsvorsitzender in Niederselters und drückt sein Bedauern über den Rücktritt aus. Nichtsdestotrotz sei es nun "umso wichtiger, dass sich auch in der neu fusionierten Schule engagierte Eltern finden, die den Schulalltag und die Entwicklung des neuen Systems wohlwollend begleiten und dazu beitragen, dass die Schule an beiden Standorten attraktiv ist und bleibt. Nur so können derzeit mitunter noch bestehende Verunsicherungen ausgeräumt werden und damit letztlich auch die Nachfrage nach Schulplätzen stabilisiert werden." pp

. . . und die Mittelpunktschule Goldener Grund.
. . . und die Mittelpunktschule Goldener Grund. © Petra Hackert

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