Erich Weil (rechts) mit Maschinensteiger Helmut Hahn (links) zu Besuch bei den Bergleuten in ihrer Frühstücksecke unter Tage in der Grube "Lindenberg".
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Erich Weil (rechts) mit Maschinensteiger Helmut Hahn (links) zu Besuch bei den Bergleuten in ihrer Frühstücksecke unter Tage in der Grube "Lindenberg".

1970 war Schluss

Münster: Vor 50 Jahren schloss die Grube "Lindenberg"

  • vonRobin Klöppel
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Jürgen Weil referierte über die Bedeutung der Grube für die Region

Münster -Auf großes Interesse stieß eine Vortragsveranstaltung der SPD Selters vor der Alten Schule in Münster. Dort sprach der Villmarer Jürgen Weil, Sohn des letzten Betriebsführers der Grube "Lindenberg", Erich Weil. Vor 50 Jahren wurde die einst bedeutendste Eisenerzgrube der Lahnregion geschlossen. Jürgen Weil erzählte, dass sein Vater 1941 in Münster "aufgeschlagen" sei und folglich die Vorbereitung und den Beginn der Förderung 1948 bereits miterlebt habe.

Bis zur Schließung der Grube 1970 wurden nach Aussagen Weils zwei Millionen Tonnen Eisenerz abgebaut. "Die Grube hätte noch viel länger laufen können", weiß Weil. Doch Konkurrenzprodukte aus dem Ausland wie "Schwedenerz" seien irgendwann deutlich billiger gewesen und hätten dazu geführt, dass der Betrieb der Grube in Münster unwirtschaftlich geworden sei. Aus der Grube "Lindenberg" wurde, wie der Referent weiß, hochwertiges Eisenerz gefördert. Der Eisenerzgehalt des Materials habe 42,5 Prozent betragen.

Jürgen Weil sprach davon, dass die Arbeitsbedingungen nicht grausam, aber doch hart gewesen seien. Über die Jahrzehnte habe es unter Tage einige Unfälle gegeben, teilweise mit tödlichem Ausgang. Seinen Vater habe das immer sehr nachdenklich gestimmt, weil er ja zuletzt die Verantwortung für die Mitarbeiter getragen und darüber nachgedacht habe, ob man noch mehr hätte tun können, um die Arbeiter zu schützen.

Die Bezahlung

reichte zum Leben

Die Lautstärke der Maschinen im Arbeitsumfeld und der viele Staub führten dazu, dass viele im Werk Tätige schwerhörig wurden und manche an Lungenkrebs verstarben - viel zu früh. Mit einer Geschwindigkeit von 4,5 Meter pro Sekunden wurden die Arbeiter in 170 Meter Tiefe gefahren, von wo sie dann durch ein Labyrinth an Gängen zu den Förderstätten gelangten. Erich Weil habe sich, so der Sohn, immer für eine vernünftige Bezahlung der Leute eingesetzt. 1960 gab es für jeden Arbeiter 460 Mark im Monat. Zum Vergleich: damals kostete ein Liter Milch 40 Pfennig, 48 Pfennig ein Kilo Kartoffeln, 65 Pfennig ein Kilo Brot sowie fünf Mark ein Kilo Schweinefleisch. "Man konnte also seine Familie halbwegs ernähren", denkt Jürgen Weil.

Allerdings hätten einige Bergleute im Nebenerwerb Landwirtschaft betrieben oder örtlichen Bauern geholfen, um zusätzliches Geld für die Familie zu verdienen. Zu Spitzenzeiten beschäftigte die Grube "Lindenberg" 170 Bergleute, gegen Ende dann nur noch 82. In den 1960er Jahren stellten die Bergleute mit zehn Prozent der männlichen Bevölkerung noch die stärkste Berufsgruppe in Münster. Das Material sei überwiegend ins Ruhrgebiet in die Hüttenwerke Rheinhausen geliefert worden. Weil berichtete, bis zuletzt habe sein Vater gehofft, dass der Betrieb in Münster doch gerettet werden könnte. Doch am 30. Juni 1970 sei dann Schluss gewesen. Da half es auch nichts, dass in Münster durch modernere Gerätschaften wie gleislose "Rucksacklader" die Förderleistung pro Mann und Schicht von 1,1 Tonnen (1950) auf 4,24 Tonnen (1965) pro Jahr habe gesteigert werden können. Dabei seien unter Tage sicherlich noch weitere zwei Millionen Tonnen abbaubares Eisenerz.

Abbau von Eisenerz begann viel früher

Doch nach Schließung der Zeche wurde der 20 Meter hohe Förderturm demontiert sowie die Schachtanlage zwischen Münster und Wolfenhausen überwiegend mit Langhecker Schiefer verfüllt. Geblieben aus der Zeit sind einige Erinnerungsstücke im Münsterer Heimat- sowie im Weilburger Bergbaumuseum. Jürgen Weil geht davon aus, dass schon viel früher als im 20. Jahrhundert Menschen auf das "rote Gold" bei Münster aufmerksam wurden. So sei nachgewiesen, dass Roteisensteinreste aus römischen Eisenverhütungsstätten in der Nähe der Saalburg und bei Königstein aus der nördlich gelegenen Lahngegend stammten. Auch die Bewohner Münsters bauten schon lange vor Betriebsbeginn der Grube "Lindenberg" Bodenschätze ab. Wie Weil weiß, waren bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts hier noch kleine Bergbaubetriebe in Eigenbesitz der Ortsbewohner.

Robin Klöppel

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