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Roland Hubel hatte schon oft Probleme mit seinem Rollstuhl auf dem Bahnsteig in Niederselters.

VdK-Ortsgruppe unterstützt Betroffene

Bahnsteig verengt: Bahn will Rollstuhlfahrern in Niederselters helfen 

Es mutet schon seltsam an. Wenn Rollstuhlfahrer in Niederselters in die Bahn einsteigen wollen, müssen sie Verbote missachten. Dem Thema hat sich jetzt die VdK-Ortsgruppe angenommen. Und die Bahn kannte das Problem noch nicht.

Niederselters - "Wenn ich aus dem Zug aussteige, ist es eine echte Qual mit meinem Rollstuhl über den Bahnsteig zu fahren", sagte Roland Hubel, der trotz seiner körperlichen Einschränkung regelmäßig mit der Bahn unterwegs ist. Mit seinem motorisierten Gefährt muss er immer wieder entgegenkommenden Menschen ausweichen, da auf dem Niederselterser Bahnsteig eine etwa 40 Meter lange Verengung vorhanden ist. Manchmal müsse er sogar sehr lange warten, bis sich niemand mehr auf dem Abschnitt befinde, um zum anderen Ende des Bahnhofs zu kommen.

Täglich reisen und pendeln mehrere Millionen Menschen in Zügen durch das Land. Auch zahlreiche Personen mit körperlichen Einschränkungen nutzen das dichte Schienennetz, um beispielsweise zur Arbeit zu gelangen. Die Deutsche Bahn hat in den vergangenen Jahren Vorkehrungen getroffen, damit Leute mit einer körperlichen Behinderung möglichst problemlos reisen können. So ist unter anderem jeder Zug mit einer Rampe ausgestattet, die es Rollstuhlfahrern ermöglicht einzusteigen. Auf dem Bahnsteig in Niederselters ist es allerdings für sie sehr schwierig, zu dem Waggon mit Rampe zu kommen. Eine Bahnsteigverengung verhindert das reibungslose Ein- und Aussteigen der Rollstuhlfahrer.

Wegen Bahnsteigverengung nicht rechtzeitig zum letzten Waggon gekommen – Ortsverein will helfen

Nun hat sich der Ortsverein des Verbands der Kriegsbeschädigten (VdK) aus Niederselters der Problematik angenommen: "Bei uns hat sich eine Frau gemeldet, die mit ihrem Rollstuhl wiederholt nicht in den Zug hineinkam, da sie aufgrund der Bahnsteigverengung nicht rechtzeitig zum letzten Waggon gekommen ist, in dem sich die Rollstuhlrampe befindet", erklärte Doris-Sofia Stern vom VdK.

Die Problematik betreffe die Verbindung zwischen Limburg und Frankfurt. In den Zügen befinde sich die Rampe immer im letzten Abteil. "Um dort hin zu gelangen, müssen etwa 40 Meter auf dem verengten Bahnsteig zurückgelegt werden. Dabei haben Rollstuhlfahrer gar keine andere Gelegenheit als die weiße Linie, welche auf dem Boden eingezeichnet ist, zu überqueren", sagte Marie-Luise Wach, Erste Vorsitzende der Ortsgruppe. Die Linie sei an den Bahnsteigen angebracht worden, damit die wartenden Gäste diese nicht übertreten und so zu nah an die Gleise gelangen.

Kurioses Schild angebracht: "Durchfahrt für Rollstuhlfahrer nicht geeignet"

"Noch paradoxer wird die Situation, wenn man auf die aufgestellten Schilder am Bahnsteig achtet. Unmittelbar vor der Verengung wurde ein Schild angebracht, auf dem ,Durchfahrt für Rollstuhlfahrer nicht geeignet' zu lesen ist", berichtete Stern. Somit müssten die körperlich beeinträchtigten Menschen gleich zwei Regeln brechen, um zu der Einstiegsrampe zu kommen. Außerdem sei es nicht möglich, mit einem Rollstuhl durch die Verengung zu gelangen, wenn aussteigende Menschen entgegenkommen. "Die Schaffner achten auch nicht darauf, dass alle Reisende rechtzeitig die Züge betreten können. Sie steigen gar nicht mehr aus, um zu kontrollieren, ob die Abläufe am Bahnsteig reibungslos funktionieren", sagte Marie-Luise Wach.

Auf der letzten Vorstandssitzung der VdK-Ortsgruppe habe man über die Thematik gesprochen und entschieden, dass die Gemeinde darüber informiert werden solle. "Uns ist es enorm wichtig, dass eine Lösung gefunden wird. Eine vernünftige soziale Einstellung gegenüber allen Menschen muss gewährleistet sein. Deshalb bemühen wir uns mit allen Kräften, um die Problematik aus der Welt zu schaffen", betonte Stern. Laut Michael Gros, Sachbearbeiter des Bauamts in Niederselters, sei die Situation der Gemeinde bekannt. "Wir haben bereits Kontakt mit der Deutschen Bahn aufgenommen, die für das Bahnhofsgelände verantwortlich ist", sagte er.

Keine Beschwerden

Allerdings habe die Deutsche Bahn noch nichts von der schwierigen Situation gehört. "Bisher kamen keine Beschwerden bei uns an. Wir werden aber zeitnah prüfen, ob eine Veränderung am Niederselterser Bahnhof nötig ist", sagte ein Mitarbeiter der DB-Pressestelle. Auch bei den Beschwerdestellen der RMV-Mobilitätszentralen in Limburg und Weilburg sind noch keine Reklamationen eingegangen. "Obwohl die Bahn bisher noch keine Maßnahmen unternommen hat, sind wir sehr hoffnungsvoll und glauben daran, dass zeitnah eine Lösung gefunden wird", sagte die Vorsitzende des VdK-Ortsverbands.

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