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Phillip van Dijck (links) und der Vorsitzende des Leichtathletikkreises sowie Vizepräsident Leistungssport im Hessischen Leichtathletik-Verband, Martin Rumpf, beim Redaktionsgespräch.

Leichtathletik

Phillip van Dijck: „Ich möchte Bundestrainer werden“

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Seit genau einem Jahr ist Phillip van Dijck hauptamtlicher Trainer im Leichtathletikkreis Limburg-Weilburg. Seine Aufgabe: den Leistungssportlern – in diesem Fall den Werfern und Stoßern – den nötigen Kick zu geben. Zu Besuch bei der Nassauischen Neuen Presse erzählt der Potsdamer aus seinem schillernden Leben.

Eigentlich ist er noch ganz schön jung für einen hauptamtlichen Trainer. Gerade mal 23 Jahre ist Phillip von Dijck „alt“ und offiziell Angestellter der LSG Goldener Grund. „Aber der Hessische Leichtathletik-Verband beteiligt sich an der Bezahlung“, wirft der Vorsitzende der LSG und des Leichtathletikkreises Limburg-Weilburg sowie Vizepräsident Leistungssport im Hessischen Leichtathletik-Verband (HLV), Martin Rumpf, ein. Und deshalb fährt van Dijck auch sozusagen zweigleisig: War er 2016 hauptsächlich im Leichtathletikkreis Limburg-Weilburg unterwegs, so muss er im Jahr 2017 vermehrt seine Aufgaben in Frankfurt wahrnehmen.

Der junge Mann ist ein Hüne, ein Athlet, ein Diskuswerfer mit nahezu „Wettkampfgewicht“. Phillip van Dijck kommt vom SC Potsdam, war als aktiver Leichtathlet mal richtig gut. Gemeinsam mit dem ehemaligen Zehnkämpfer Steffen Klink (TSV Kirberg) ist er 2009 bei den U18-Weltmeisterschaften in Brixen/Italien für Deutschland gestartet. Auch 2011 bei den U20-Europameisterschaften in Tallinn/Estland warf Phillip von Dijck den Diskus für das Nationalteam und nahm auch an der U20-WM in Barcelona teil. Seine Bestweite mit dem 2-Kilogramm-Diskus: 57,46 Meter – als 18-Jähriger. Wow! In Barcelona schied er aber im Vorkampf aus – ein heftiger Rückschlag, war er doch als Mitfavorit in den Wurfring gestiegen.

Es war schon die zweite schwere Niederlage im noch jungen Leben des Phillip van Dijck. Die erste hatte er gerade erst halbwegs überwunden. Im Januar 2010 hatte er sich beim Aufwärm-Fußballspielen einen dreifachen Kniescheibenbruch zugezogen. Einfach weggerutscht und gegen die Wand geknallt, weil die Sohlen seiner Turnschuhe noch nass waren. Er ist eisern. Nach zweieinhalb Monaten ist er schon wieder im Wurftraining, kämpft sich ran.

2011 schmeißt er die Schule, beginnt eine Ausbildung zum Personal- und Fitnesstrainer, wird zwei Jahre später an der Europäischen Sportakademie Land Brandenburg zum staatlich geprüften Sportassistenten ernannt. Zum Einstieg in seine Leichtathletik-Trainer-Karriere hat er beim SC Potsdam einen erstklassigen Lehrmeister: Jürgen Schult, 1988 Olympiasieger im Diskuswurf für die damalige DDR. „In Potsdam hatte ich einen 400-Euro-Job“, erzählt Phillip van Dijck, der inzwischen als Trainer „Blut geleckt“ hatte. Und wenn, dann richtig: Im letzten September machte er in einem dualen Studium an der Fachhochschule für Sport und Management den Bachelor of Arts.

Etwa 200 Athleten hat Phillip van Dijck im letzten Jahr unter seinen Fittichen gehabt. Das will er in diesem Jahr anders machen. „Wir werden konzentrierter arbeiten mit etwa 30 Athleten“, sagt er. Die Trainingsgruppe kommt im Winter in die für die Leichtathletik prädestinierte Sporthalle der St.-Blasius-Schule in Frickhofen, einmal in der Woche geht es ins Wurfhaus nach Niederselters.

Ist denn einer dabei, der es nach ganz oben schaffen könnte? „Ja, die Mehrkämpfer“, sprudelt es aus Phillip van Dijck heraus. „Florian Hanz, Justus Hänsel und Jens Haber von der LG Dornburg.“ Mit ihnen feilt van Dijck am Diskuswerfen und Kugelstoßen. Aber man müsse schon noch sehr viel Überzeugungsarbeit leisten, meint er. „Leistungssport betreiben und nach oben kommen, das muss man von ganzem Herzen wollen. Da muss man voll dahinter stehen, der Typ dafür sein und den Körperbau dafür haben, sonst wird das nichts. Sport steht bei vielen Talenten eben nicht an erster Stelle.“

Gibt es heute noch Unterschiede zum Trainingssystem in Potsdam und hier im NNP-Land. „Ja, auf jeden Fall“, kommt die Antwort spontan. „In Potsdam muss man den Trainer siezen. Damit fängt es schon mal an. Dort herrschen Respekt, Disziplin – Dinge, die man hierzulande immer mehr vermisst. Wenn man mal die Schuhe vergessen hat, braucht man gar nicht mehr kommen. Wenn man sein Trainingsbuch nicht ordentlich führt, kann man gleich wieder gehen. So sieht’s aus.“

Dass im Kreis Limburg-Weilburg die „goldene Zeit“ mit Top-Athleten wie Steffen Klink, Marius Rosbach, Sabine Rumpf, Julia Bremser und im weitesten Sinne auch der aus der LG Dornburg kommenden Claudia Rath (LG Eintracht Frankfurt) allmählich vorbei ist, ist auch Phillip van Dijck und besonders dem großen Macher dieser Ära, Martin Rumpf, keineswegs verborgen geblieben. „Wir müssen jetzt erst einmal unsere Ansprüche zurückstecken“, weiß der Kreisvorsitzende Rumpf. Mit Maximilian Klink (LG Dornburg) habe man momentan lediglich einen Athleten in einem Bundeskader – für hiesige Verhältnisse eigentlich dürftig. Aber die Zeiten werden irgendwann auch wieder besser. Die Talente dazu gibt es im NNP-Land zuhauf.

Mit Phillip van Dijck hat der Leichtathletikkreis einen Trainer gefunden, der das Auge dafür hat, die Juwelen unter den Basaltsteinen zu entdecken. Und sein Weg ist noch längst nicht zu Ende. Wo der hinführen soll, sagt er selbst: „Ich möchte mal Bundestrainer werden.“

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