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Eine modellhafte Nachbildung der Justitia.

Prozess am Amtsgericht

Raus aus der Bewährung, rein ins Gefängnis

Wer sich mutwillig betrinkt und danach eine Straftat begeht, kann durchaus im Gefängnis landen. Vor allem dann, wenn der Betreffende ein Wiederholungstrinker und -täter ist. Das bekam jetzt ein Mann aus Selters zu spüren.

„Ich weiß nichts mehr, ich war sturzbetrunken“, räumte der Angeklagte unumwunden ein und meinte damit die Geschehnisse rund um den 10. September 2017. Für die hatte sich der Mann aus Selters nämlich vor dem Amtsgericht zu verantworten. Der Vorwurf: Der Angeklagte soll einem Besucher der Niederbrechener Kirmes vor dem Festzelt motivations- und wortlos einen Faustschlag versetzt haben.

Warum und weshalb, darauf wusste der arbeitslose, bereits sechs Mal vorbestrafte Mann vor Gericht keine Antwort. Was auch für die Zeugen aus seinem Umfeld galt. Einer gab an, er habe gerade weggeschaut, ein anderer räumte ein, er wisse von der Tat nichts, da er wie der Angeklagte viel zu viel getrunken habe. Etwa 15 Whisky-Cola, so der Mann aus Selters, habe er mit seinen Freunden zum „Vorglühen“ gebraucht. Im Zelt habe er sich dann noch etwa zehn Bier schmecken lassen.

Wenn man das alles zusammenrechne, konstatierte der hinzugezogene Sachverständige, komme man auf Werte von drei bis für Promille. Das lasse eine Schuldunfähigkeit für die angeklagte Körperverletzung vermuten.

So richtig schmerzhaft dürfte die auch nicht gewesen sein. Schließlich hatte das Opfer selbst darauf verzichtet, den Schläger anzuzeigen. „Ich war auch nicht beim Arzt“, sagte der Zeuge.

Aus Sicht eines Polizeibeamten war den Täter unzurechnungsfähig. „Der konnte nicht mehr gerade gehen und fiel laufend gegen unsere Autos“, so schilderte der Ordnungshüter den Zustand des Angeklagten am Tattag,

Unter diesen Umständen rückte der Anklagevertreter zwar vom Vorwurf der Körperverletzung ab. Er forderte für die Tat im „vorsätzlichen Vollrausch“ jedoch eine Freiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bewährung. Die Richterin hielt das für angemessen, der Verteidiger erwartungsgemäß nicht.

Fahrt nahm die Verhandlung auf, als die Richterin den Sachverhalt des vorhergehenden Urteils gegen den Angeklagten verlas. Ein Urteil, das wegweisend sein sollte, da das Strafmaß mit eingebunden werden musste. Das Urteil dokumentierte das Verhalten eines überaus aggressiven Mannes, der innerhalb weniger Tage zahlreiche Taten begangen hatte. Mehrfach wurde er beim Fahren ohne Führerschein und Versicherungsschutz erwischt. Er verursachte Unfälle mit heftigen Sachschäden von bis zu 10 000 Euro, drohte sogar einem Ehepaar mit dem Tod. Der bedrohte Mann erlitt darauf hin einen Herzinfarkt. Jedes Mal war der Angeklagte betrunken und wies Promillewerte von bis zu 2,8 auf.

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