Das Thema Fried- oder Ruhewald wird in der Gemeindevertretung Selters schon seit mehreren Jahren diskutiert. Angeregt von den Fraktionen FWS und UWE gab es Anfang Juli einen Ortstermin mit Frank Zabel vom Forstservice Taunus, um sich mögliche Standorte anzuschauen. Jetzt hat das Parlament beschlossen: Einen Bürgerentscheid über dieses Thema wird es nicht geben.
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Das Thema Fried- oder Ruhewald wird in der Gemeindevertretung Selters schon seit mehreren Jahren diskutiert. Angeregt von den Fraktionen FWS und UWE gab es Anfang Juli einen Ortstermin mit Frank Zabel vom Forstservice Taunus, um sich mögliche Standorte anzuschauen. Jetzt hat das Parlament beschlossen: Einen Bürgerentscheid über dieses Thema wird es nicht geben.

Zwei-Drittel-Mehrheit verfehlt

Ruhewald in Selters: Alles wieder auf Null

CDU kippt Bürgerbefragung, ein Ende des Themas verhindern aber die anderen Fraktionen.

Selters – Bei unzähligen Sitzungen von Ausschüssen und der Gemeindevertretung stand das Thema "Einrichtung eines Waldgebietes für Ruhestätten" (Ruhewald) auf der Tagesordnung. Diskutiert wird es bereits seit mehreren Jahren. Nun ist es vom Tisch. 13 Parlamentarier der CDU-Fraktion votierten in namentlicher Abstimmung dagegen, in Verbindung mit der Kommunalwahl am 14. März 2021 die Bürger zu befragen, ob sie einen Waldfriedhof im Buchenwaldstück "Mühlschlag" in der Gemarkung Haintchen wollen oder nicht. Für die Befragung stimmten insgesamt 16 Anwesende der Fraktionen FWS, UWE und der SPD.

Damit war die für diesen Antrag erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit (21 Stimmen) nicht erreicht. Dass die FWS und UWE für ihren Antrag diese Mehrheit nicht erhalten würden, hatte sich bereits im Vorfeld in den Sitzungen des Haupt- und Finanzausschusses sowie des Ausschusses für die Bereiche Umwelt, Forsten, Jugend, Sport, Senioren, Soziales und Kultur abgezeichnet. In beiden Ausschüssen erfolgte die Abstimmung mit jeweils drei Nein- bei vier Ja-Stimmen.

In einem weiteren Wahlgang ließ Wolfgang Sandner (CDU), der Vorsitzende der Gemeindevertretung, dann über die vorliegende Beschlussempfehlung des Gemeindevorstandes abstimmen. Darin heißt es: "Die Gemeindevertretung beschließt, aufgrund des vielfältigen Angebots von Bestattungsformen sowie der vorhandenen Möglichkeiten der Waldbestattungen in der nahen Umgebung, die Einrichtung eines Waldgebietes für Baumruhestätten (Ruhewald) abzulehnen. Es ist kein geeigneter Standort, der allseits befürwortet wird, im Gemeindegebiet vorhanden." Dieser Beschlussempfehlung folgte die CDU-Fraktion, ebenfalls in namentlicher Abstimmung, mit 13 Stimmen, 16 Parlamentarier von FWS, UWE und SPD votierten dagegen. Somit war die Beschlussempfehlung des Gemeindevorstandes mehrheitlich abgelehnt.

Damit ist das Thema Ruhewald wieder auf "Null". Sollte weiterhin Interesse daran bestehen, müsste ein neuer Antrag eingebracht werden, stellte Sandner fest. Heiko Heger (FWS) sagte nach der Sitzung in einer ersten Stellungnahme dazu: "Ich gehe davon aus, dass das Thema nun erst einmal ruht. Bei Bedarf kann das ein im März neu gewähltes Parlament erneut auf die Tagesordnung bringen." Vor den Abstimmungen hatte der Erste Beigeordnete Günter Zwirner (CDU) in Vertretung für Bürgermeister Bernd Hartmann (parteilos) richtiggestellt, dass für die Zuwegung zum vorgesehenen Waldstück in Haintchen nicht Kosten von 125 000 Euro entstünden, sondern lediglich 25 000 Euro.

UWE: Kein Ruhmesblatt

"Dieses Thema ist kein Ruhmesblatt für das Parlament", sagte Georg Horz (UWE) und drückte seine Verwunderung darüber aus, dass der Jagdpächter von Haintchen zunächst von der Idee begeistert gewesen sei, sich dann aber in einem Brief gegen das Projekt ausgesprochen hatte. Für die Zufahrt zum Waldstück "Mühlschlag" sei alles vorhanden. Lediglich einen geschotterten Parkplatz müsse man anlegen. Mit einem Ruhewald dort würden die 200 Jahre alten Buchen erhalten.

CDU: Parlament hat zu entscheiden

"Auch Mandatsträger dürfen ihre Meinung ändern", begann Willi Hamm (CDU) seinen Redebeitrag. Die Bürger würden alle fünf Jahre befragt. Ein Vertreterbegehren solle eine Ausnahme sein, keine Normalität. Entscheidungen habe das Parlament zu treffen, nicht der Bürger. Hamm informierte, dass die CDU mehr als 500 Wahlberechtigte aus Haintchen zu ihrer Meinung befragt habe. 89,7 Prozent hätten sich gegen den Ruhewald ausgesprochen, fünf Prozent seien dafür, den restlichen 5,3 Prozent sei es egal. "Mit einem Ruhewald könnten wir die Buchen dort nicht vermarkten. Damit könnte die Gemeinde aber 500 000 Euro verdienen", sagte Hamm. "Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir den Ruhewald schon längst", sagte Evelyn Schütz (FWS).

FWS: Bürger sollten einbezogen werden

Es gehe aber nicht nach ihr, sondern nach dem Wunsch der Bürger, sagte Schütz. Gute Gründe sprächen für den Ruhewald, viele vorgebrachte Gegenargumente beinhalteten Interessen Einzelner oder seien spekulativ. Die FWS habe das Thema aufgrund Anfragen aus der Gemeinde eingebracht. "Die Bürger sind mündig und sollten entscheiden dürfen".

SPD: Viele Menschen wünschen es sich

Uli Finger (SPD) nannte sich einen Befürworter von Ruhewäldern. Schon bevor er nach Münster gezogen sei, habe er sich für den Ruhewald in Aulenhausen eingesetzt, dort als Pfarrer Beisetzungen vorgenommen. Ein Ruhewald sei eine von vielen gewünschte Art der letzten Ruhestätte. Andreas müller

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