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Sylvia Schenk (links) von der Tagesstätte des Psychosozialen Zentrums des Diakonischen Werks Limburg-Weilburg organisiert therapeutisches Reiten mit Tiertherapeutin Ulrike Schmitz.

Psychische Gesundheit

Balsam für die Seele: Therapeutisches Reiten

  • vonGundula Stegemann
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Das Psychosoziale Zentrum des Diakonischen Werks Limburg-Weilburg bietet auf dem Jakobshof in Selters therapeuthisches Reiten an.

Selters – „Es ist natürlich etwas umständlich, mit den Teilnehmern im Zug von Limburg hierher zu fahren und dann den Weg bergauf zum Hof zu laufen, aber wenn ich dann sehe, wie sich der eine oder andere allmählich mit den Pferden wohlfühlt, sich ihnen öffnet und auf sie einlässt - das ist ein schönes Gefühl“, sagt Sylvia Schenk.

Der Jakobshof in Niederselters ist wunderschön an einem Hang gelegen mit einem herrlichen Blick über den Goldenen Grund und über den kleinen Ort im Taunus. Heute ist Schenk mit drei Frauen auf dem Hof, zum vierten Mal.

Begeisterung bei Teilnehmerin Zoe für das therapeutische Reiten

„Es ist so schön hier“, begeistert zeigt Zoe mit den Händen über das Gelände mit Pferdekoppeln, dem Stall, der Reithalle - und natürlich mit den Pferden. „Ich freue mich immer auf den Dienstag. Wenn ich hier bei den Pferden war, bin ich danach immer ausgeglichen. Dann geht es mir richtig gut.“ Der Umgang mit den Pferden klappt bei Zoe. Insbesondere Banjo, den jungen Appaloosa-Wallach, hat sie in ihr Herz geschlossen. Schon beim Putzen kuschelt Banjo immer wieder mit ihr und scheint sich sichtlich zu freuen, dass sie wieder da ist - ein gutes Gefühl, findet Zoe.

Diesmal soll sie ihn nicht nur am Zügel durchs Gelände führen, heute geht es in die Reithalle. Immer direkt dabei: Ulrike Schmitz, die mit ihren Pferden Gareth und Banjo die tiergestützte Therapie anbietet. Sie begleitet Zoe im Umgang mit Banjo, zeigt ihr Aufgaben, die er allein oder mit Zoe gemeinsam absolvieren soll. Es klappt, wie ein eingespieltes Team bewältigen sie den Parcours. Und endlich ist es so weit: Zoe traut sich sogar aufzusteigen und auf Banjo zu reiten. Sie macht einen zufriedenen Eindruck. Ein guter Tag. Man hat das Gefühl, sie ist glücklich.

Projekt „Das Glück dieser Erde...“ für das Diakonischen Werks Limburg-Weilburg

„Das Glück dieser Erde...“ - so heißt auch das Projekt, das Sylvia Schenk vom Psychosozialen Zentrum des Diakonischen Werks Limburg-Weilburg initiiert und organisiert hat. „Die meisten Menschen, die unsere Tagesstätte besuchen, haben seit vielen Jahren eine chronische psychische Erkrankung und sind daher nicht mehr oder längerfristig nicht arbeitsfähig“, erklärt sie. Dabei seien alle möglichen Diagnosen vertreten: von Angststörungen, Depressionen über Persönlichkeitsstörungen und Psychosen bis hin zu Zwangserkrankungen. Oft resultieren traumatische Erfahrungen aus Gewalt und Missbrauch. Aufgrund ihrer Erkrankung und der damit verbundenen Erfahrungen haben viele der Klienten ein stark herabgesetztes Selbstwertgefühl und trauen sich selbst nur wenig zu. Häufig komme noch soziale Isolation hinzu zusammen mit einem meist sehr niedrigen Einkommen aufgrund einer Erwerbsminderungsrente oder Grundsicherung, was dazu führt, dass die Klienten nur wenig am sozialen Leben teilnehmen können.

„Dieser sozialen Isolation entgegenzuwirken, wieder eine Tagesstruktur aufzubauen sowie die psychosoziale Begleitung und Beratung durch die Mitarbeiter gehört zu den Aufgaben der Tagesstätte.“ Deshalb werden auch immer wieder themenbezogenen Freizeitaktivitäten oder Projekte angeboten.

Reiten hilft bei der Stärkung des Selbstwertgefühls

„Dass der Umgang mit Tieren eine positive Wirkung auf Menschen und gerade auch auf psychisch belastete Menschen hat, ist ja inzwischen allgemein bekannt“, sagt Sylvia Schenk. Vor zwei Jahren sei Ulrike Schmitz mit ihren Therapiehunden für ein Projekt in der Tagesstätte gewesen, erzählt Schenk. Die hauptberufliche Krankenschwester in einer psychiatrischen Klinik habe damals zusätzlich eine Ausbildung zur Reittherapeutin beginnen wollen. Da sie selbst begeisterte Pferdebesitzerin und fest davon überzeugt sei, dass der Umgang mit Pferden viel für die eigene Persönlichkeitsentwicklung bringt, seien sie sich schnell einig gewesen, dass „Therapie mit Pferden“ ihr nächstes gemeinsames Projekt werden würde. Sofort fanden sich direkt mehrere Interessenten.

Nachdem Ulrike Schmitz im Sommer 2019 ihre Ausbildung beendet hatte und auch die Finanzierung über die "Aktion Mensch" geklärt war, war der Start eigentlich für März 2020 geplant. Doch dann kam Corona.

Für manche ist schon die Reise nach Selters bei Limburg eine Herausforderung

Mit Verzögerung gestartet, tut das Projekt nun allen gut. „In unserem Projekt geht es ja nicht in erster Linie ums Reiten, sondern um den Kontakt und den Umgang mit dem Pferd“, so Sylvia Schenk. „Pferde sind sensible Tiere. Trotz ihrer Größe reagieren sie auf kleinste Gesten und spiegeln so das Verhalten ihres Gegenübers wider. Einem Pferd ist der soziale Status und das Aussehen egal, es verlangt die volle Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt, so dass keine Zeit bleibt, sich in negativen Gedanken zu verlieren.“

Die meisten Klienten hatten bisher kaum Kontakt zu Pferden. Sich an so ein großes Tier heranzutrauen, erfordere von ihnen Mut und stärke das Selbstwertgefühl, erklärt Schenk. Das weiche Fell, die weiche Nase zu spüren, wirke sich positiv auf das eigene Körpergefühl aus, denn viele Klienten hätten Probleme, „sich selbst zu spüren“. Gleichzeitig müssten sie sich auf das Pferd und sein Verhalten konzentrieren und klare Anweisungen geben, damit das Pferd entsprechend reagiere.

Für manchen Teilnehmer sei schon die Zugfahrt und der anschließende Fußweg zum Reiterhof eine Herausforderung, berichtet Sylvia Schenk. Die gewohnte Umgebung zu verlassen und etwas Neues auszuprobieren - das allein vermittele ihnen schon das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Schließlich würden durch die Unternehmung in der Gruppe das Gemeinschaftsgefühl gestärkt und Beziehungen intensiviert. Außerdem gehe es darum, einfach auch mal Spaß zu haben, ohne hohen therapeutischen Anspruch. (Von Gundula Stegemann)

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