Die Mittelpunktschule Goldener Grund soll im Sommer 2022 mit der Schule im Emsbachtal zusammengeführt werden.
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Die Mittelpunktschule Goldener Grund soll im Sommer 2022 mit der Schule im Emsbachtal zusammengeführt werden.

Vorbereitungen auf Schulfusion

Selters/Brechen: FDP wendet sich wegen Schulfusion an Landesregierung

  • vonTobias Ketter
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Geplante Verbundschule sorgt für Kritik - Kreistagsabgeordneter befürchtet einseitige Personalpolitik

Selters/Brechen -Die Mittelpunktschule Goldener Grund in Niederselters und die Schule im Emsbachtal in Niederbrechen werden zu einer Verbundschule zusammengeführt. Die Fusion soll vom Schuljahr 2022/23 an erfolgen. Derzeit laufen die Vorbereitungen. Doch unumstritten ist das Projekt nicht. Besonders die FDP-Kreistagsfraktion stellt wiederholt die Frage, ob die Fusion wirklich einen Vorteil für die beiden Schulstandorte bringen wird.

"Auch wenn der Prozess erst bis zum Sommer 2022 abgeschlossen sein soll, ist es allen Beteiligten ein Anliegen, bis zum Beginn der Schulwahl im Winter möglichst viel Klarheit zu schaffen", sagt Dirk Fredl vom Staatlichen Schulamt für den Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis Limburg-Weilburg mit Blick auf die Fusionsvorbereitungen. "Derzeit tagen verschiedene Arbeitsgruppen, die sich unter anderem mit möglichen Schwerpunkten der neuen Schule beschäftigen." Dazu gehöre auch die kulturelle Praxis, der Sport oder die Berufsorientierung. Die Gremien befassen sich laut Fredl auch weiterhin mit der Fragestellung, welche Struktur der Schulverbund zunächst haben soll. Diese könne in den Folgejahren anhand der Entwicklung der Schülerströme angepasst werden.

Projekt gerät wegen Corona ins Stocken

"Ziel des Prozesses war und ist es, dass die beiden bislang selbstständigen Schulen gemeinsam die neue Verbundschule konzipieren", so Fredl. Dies sei eine große Herausforderung. Eigentlich sollte die Fusion bereits abgeschlossen sein. Doch aufgrund des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr des vergangenen Jahres sei das Projekt "ins Stocken geraten", berichtet Fredl. "Deshalb haben sich letztlich beide Schulen eine Verschiebung des Termins gewünscht." Der Kreistag stimmte im Sommer 2020 dieser Forderung zu, so dass den beiden Einrichtungen zwei zusätzliche Jahre bis zur Zusammenführung eingeräumt wurden.

Marion Schardt-Sauer, Kreistagsvorsitzende der FDP, sieht den Fusionsprozess kritisch. Für Ärger sorge unter anderem, dass der Kreis das von den Eltern und der Schulleitung favorisierte Konzept einer Integrierten Gesamtschule nicht mittrage. Das Bildungsangebot der neuen Verbundschule soll laut einem Beschluss die Schulformen Grund- Haupt- und Realschule beinhalten. Die Bildung einer integrierten Gesamtschule ist nicht vorgesehen.

Keine Neubesetzung vakanter Stellen

Darüber hinaus bemängelt die FDP, dass vakante Stellen innerhalb der Leitung in der Schule im Emsbachtal derzeit nicht besetzt werden. In Niederselters habe hingegen eine Besetzungen stattgefunden. "Es drängt sich der Eindruck auf, dass man den Fusionsprozess nun einseitig durch die Personalpolitik zugunsten der Schule in Niederselters entscheiden will", sagt Tobias Kress, FDP-Kreistagsabgeordneter der Gemeinde Brechen. Die Fusion finde nicht auf Augenhöhe statt, wenn die Schulleitung in Brechen ausblute. Die Schule im Emsbachtal werde in der Übergangsphase durch fehlende Leitungspositionen geschwächt und ihre erfolgreichen Konzepte drohen damit in der neuen Schule keine Rolle mehr zu spielen, heißt es in einer Pressemitteilung der FDP.

"Die Besetzung der vakanten Stellen in Niederbrechen orientieren sich an den zu erwartenden Schülerzahlen. Diese lassen eine Neubesetzung nicht zu", entgegnet Fredl. Die Sorge der FDP, dass die Mittelpunktschule in Niederselters durch die Personalpolitik bei dem Fusionsprozess bevorteilt werde, sei nicht berechtigt. "Alle Personalentscheidungen erfolgen gemäß den erlassenen Vorgaben", sagt Fredl.

Schardt-Sauer hat nun eine Anfrage an die Landesregierung in Wiesbaden gestellt. Sie möchte in Erfahrungen bringen, "welche Wege es gibt, um die Situation an den Schulen in Niederbrechen und Niederselters doch noch im Sinne der Schüler positiv zu gestalten". In dem Schreiben fragt die FDP-Politikerin unter anderem, ob die Landesregierung einer Neubewertung der Situation der Schulen im Goldenen Grund offen gegenüber steht und ob sie einer Aufhebung der getroffenen Beschlüsse des Kreistages zustimmen würde. Außerdem will Schardt-Sauer wissen, wie die ortsnahe Beschulung der Grundschulkinder gesichert werden kann. Sie möchte mit Blick auf die Corona-Pandemie und den damit verbundenen "zukünftigen Herausforderungen für die Haushalte" verhindern, dass die Erst- bis Viertklässler Fahrten in einen "sieben Kilometer entfernten Ort auf sich nehmen müssen". Darüber hinaus fragt die FDP-Kreistagsvorsitzende die Landesregierung, wann die Schulleiterstelle der neuen Verbundschule ausgeschrieben wird.

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