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Selters: Die Geschichte des Ortes zum Jubiläum

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Auf einen Streifzug durch die 1250-jährige Geschichte von Niederselters nahmen Bürgermeister Bernd Hartmann (von links), Julia Westendorff, Inge Böcher, Michaela Schmidt-Illion, Regina Pelz, Patrick Ehlen, Ute Landwich, Armin Illion, Dr. Norbert Zabel, und Thomas Pauli die Besucher in der alten Kirche mit.
Auf einen Streifzug durch die 1250-jährige Geschichte von Niederselters nahmen Bürgermeister Bernd Hartmann (von links), Julia Westendorff, Inge Böcher, Michaela Schmidt-Illion, Regina Pelz, Patrick Ehlen, Ute Landwich, Armin Illion, Dr. Norbert Zabel, und Thomas Pauli die Besucher in der alten Kirche mit. © Ursula Königstein

Buch mit dem Titel ""Seldersch seit 772" vorgestellt

Niederselters -"Seldersch seit 772" ist das Jubiläumsbuch überschrieben, das anlässlich der Ersterwähnung des Dorfes als "Saltrissa" vor 1250 Jahre vom Kultur- und Geschichtsverein und dem Verein "Mir sein Seldersch" herausgegeben und am Donnerstagabend in der alten Kirche der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Einzelne Kapital daraus trugen Inge Böcher, Regina Pelz und Julia Westendorff vor. Den musikalischen Rahmen setzten die Sopranistin Michaela Schmidt-Illion, die Pianistin Ute Landwich und der MGV "Eintracht". Gleichzeitig wurden die neuen Ausstellungen zur Kirchen- und zur Ortsgeschichte in der alten Kirche eröffnet.

Die Niederselterser Historie gilt, wie unter anderem die 1994 veröffentlichte "Geschichte von Niederselters", die "Geschichte des Mineralbrunnens" von 2013 und der Bildband "Seldersch - Unser Dorf" von 2021 belegen, als solide erforscht. Mit dem Jubiläumsbuch zur 1250-Jahr-Feier werde eine etwas andere Zielsetzung verfolgt, sagte Armin Illion, der ebenso wie der Vorsitzende des Kultur- und Geschichtsvereins, Dr. Norbert Zabel, nach eigenem Bekunden große Freude daran hatte, es zu erstellen. Thematisiert würden Ereignisse, Vorgänge und Abläufe, vor allem in kurtrierischer, nassauischer und hessischer Zeit, die gezielt mit Gebäuden, Straßen, Denkmälern und Gemarkungsnamen in Verbindung gebracht würden. Illion dankte allen am Gelingen Beteiligten sowie der Gemeinde Selters, der Kreissparkasse Limburg und der Nassauischen Sparkasse für die finanzielle Unterstützung.

16 Kapitel starten mit ersten Erwähnungen

Durch die "Wanderung durch die Geschichte von Niederselters in 16 Kapiteln" führte Dr. Norbert Zabel, angefangen von den ersten schriftlichen Erwähnungen am 12. August 772 - diese Jahreszahl fand sich viele Jahre auf den Etiketten der Selterswasserflaschen - im Lorscher Kodex sowie im Fuldaer Urkundenbuch zwischen 750 und 779 und einer weiteren Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch von 786. Die unspezifisch datierte Erwähnung in dem Fuldaer Kodex Eberhardi hatte der 1902 gegründete Verschönerungsverein zum Anlass genommen, im Jahr 1951 eine 1250-Jahr-Feier zu veranstalten, auch um nach Kriegsende einen Neuanfang des dörflichen Lebens zu versuchen.

Höhepunkte der damaligen Festtage waren die Aufführung des von der Heimatdichterin Anna Kirschbaum verfassten Festspiels "Urquell und Fortuna", die Wahl Tilla Urbans zur Brunnenkönigin und der große Festzug, bei dem sich "die Jahrhunderte begegneten", wie es Eugen Caspary einmal formulierte. Wie alle Kapitel des Jubiläumsbuchs ist auch dieses mit zahlreichen Bildern illustriert.

Nicht fehlen dürfen in einem Buch über die Niederselterser Geschichte einige Kapitel über die Quelle und deren Wasser, dem das Dorf seinen Namen verdankt. Der Arzt Jakob Theodor Tabernaemontanus beschrieb schon 1581 den "schönen Sauerbrunnen", dessen Wasser einen lieblichen, anmutigen, sauren Geschmack habe und Heilmittel für alle möglichen Krankheiten von Lungen- über Magen- und Nervenleiden bis hin zu Herzbeschwerden sei. Damit trug er, wie nach ihm viele andere in- und ausländische Autoren, dazu bei, die Seltersquelle zum seinerzeit bekanntesten Gesundbrunnen Deutschlands zu machen, dessen Wasser in fast alle Welt verschickt wurde und auch dem Dorf wirtschaftlichen Aufschwung brachte. Dies nicht zuletzt durch den einsetzenden Kurbetrieb, der berühmte Gäste nach Niederselters brachte, darunter den russischen Großfürsten und späteren Zaren Pavel Petrowitsch, die englische Schriftstellerin Anne Radcliffe und Johann Wolfgang von Goethe.

"Nazi-Verbrecher" als Bürgermeister

Auch von kriegerischen Auseinandersetzungen blieben Dorf und Brunnen nicht verschont. Weitere Kapitel sind verschiedenen Aspekten des kirchlichen Lebens, dem Aufschwung während der Kaiserzeit 1871 bis 1914 und der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen gewidmet. Nicht ausgespart wurde die Zeit des Nationalsozialismus, der in Niederselters von einem der laut dem damaligen Pfarrer Alois Born "schlimmsten Nazi-Verbrecher im Kreis Limburg" verkörpert wurde. Mit auf das Konto dieses Ortsgruppenleiters und späteren Bürgermeisters Eduard Lutz gingen, wie Zabel ausführte, die Inhaftierungen der Pfarrer Rothbrust und Born sowie die Ermordung des sozialdemokratischen Bürgermeisters Adam Gräf und der Tod des Viehhändlers Johann Schütz, die er beide ins Konzentrationslager einliefern ließ.

Dunkelstes Kapitel der Brunnengeschichte sind die Leiden der russischen Zwangsarbeiterinnen und ihrer Kinder nach der Übernahme des Brunnens durch die SS. Anna Kirschbaum berichtete 1954 von etwa 30 russischen Frauen, die am Brunnen Zwangsarbeit leisten mussten, und über 30 Kindern, von denen elf starben und auf dem Niederselterser Friedhof beerdigt wurden. Ihre Gräber wurden nach dem Krieg auf Anregung von Pfarrer Born von Schülerinnen gepflegt. 1965 wurden die Kinder, deren Namen, Geburts- und Sterbedaten inzwischen vollständig ermittelt worden waren, auf die Kriegsgräberstätte in Runkel umgebettet. Auf Betreiben des Geschichtsverein und der Gemeinde wurde 1998 an der Stelle der Gräber ein Gedenkstein mit einer Gedenktafel als Mahnmal gegen Krieg und Elend aufgestellt. Mit dem Kapitel "Niederselters im Aufwind", das wesentliche Entwicklungen der vergangenen 50 Jahre aufzeigt, endet diese spannende Wanderung durch die Geschichte von Niederselters.

Das Buch kaufen

Das Jubiläumsbuch "1250 Jahre Niederselters" zum Preis von 18 Euro in der Brunnenapotheke und im Geschäft "Pusteblume" sowie bei dem Jubiläumsfest am 2. und 3. Juli erhältlich.

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