Rita Biel von der Gemeinde Selters hat derzeit viel zu tun, denn die Wunschbaumaktion wird von den Bürgern sehr gut angenommen.
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Rita Biel von der Gemeinde Selters hat derzeit viel zu tun, denn die Wunschbaumaktion wird von den Bürgern sehr gut angenommen.

Nach der Katastrophe

Selters: "Die Hilfsbereitschaft der Bürger ist überwältigend"

Geschenke für die Kinder im Ahrtal - Wunschbaumaktion wird gut angenommen

Selters -Durch die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben viele Kinder ihr Zuhause verloren. Einige von ihnen besitzen nicht einmal mehr warme Kleidung für den Winter oder Spielsachen. Die Not in den Hochwassergebieten ist freilich auch einige Monate nach der Katastrophe noch sehr groß.

In wenigen Wochen ist Heiligabend und die Weihnachtswünsche von zahlreichen betroffenen Mädchen und Jungen werden wohl in diesem Jahr unerfüllt bleiben. Um zumindest einigen Heranwachsenden aus dem Ahrtal eine Freude zu machen, hat die Gemeinde Selters die sogenannte Wunschbaumaktion ins Leben gerufen.

Rita Biel, die in der Kommune im Goldenen Grund für die Jugend- und Seniorenarbeit zuständig ist, hatte bereits im September den Gedanken, den Kindern aus dem Landkreis Ahrweiler zum Weihnachtsfest etwas Gutes zu tun. Sie kam auf die Idee, Wünsche zu sammeln und diese in Form von Sternen an den Weihnachtsbäumen in den Ortsteilen der Gemeinde Selters aufzuhängen. Die Bürger haben nun die Gelegenheit, sich diese Sterne mit nach Hause zu nehmen und anschließend die darauf abgedruckten Wünsche der Mädchen und Jungen zu erfüllen. "Bürgermeister Bernd Hartmann und der Gemeindevorstand waren von dem Vorhaben sofort begeistert und sie haben es zügig genehmigt", sagt Biel.

Die Nachfrage sei riesig, berichtet die 54-Jährige, die seit mehr als zwei Jahren für die Gemeinde Selters arbeitet. "Bereits in den ersten Tagen der Aktion waren die Sterne oft vergriffen. Viele Menschen nahmen sogar gleich zwei oder drei Sterne mit." Bislang hat Biel rund 140 Wunsch-Sterne an die Weihnachtsbäume in den vier Dörfern der Kommune angebracht. 70 weitere folgen in den kommenden Tagen. "Die Wünsche der Kinder werden nach und nach von den engagierten Verantwortlichen in Bad Neuenahr-Ahrweiler an mich geschickt", erklärt die Mitarbeiterin der Gemeinde. Noch bis zum Nikolaustag am kommenden Montag wird sie die Bäume in Niederselters (Rathaus, Mineralbrunnen, Herbert-Muth-Platz), Eisenbach (Brunnenplatz), Münster (Altes Rathaus) und Haintchen (Johannisbrunnen) mit den eingetroffenen Wünschen bestücken.

"Die viele Arbeit lohnt sich"

Doch was sollten die Bürger eigentlich alles beachten, nachdem sie einen oder mehrere Sterne mit nach Hause genommen haben? "Zunächst einmal müssen sie sich unbedingt mit mir in Verbindung setzen, damit ich weiß, wer welche Wünsche erfüllen möchte", sagt Biel. In der Regel sollten die Bürger dann das Geschenk selbst besorgen, es verpacken, den Stern aufkleben und möglichst noch einige Grußworte für die Kinder verfassen. "Die Präsente müssen bis spätestens 15. Dezember im Rathaus in Niederselters abgegeben werden", erklärt die 54-Jährige. Die Kosten pro Wunsch belaufen sich übrigens auf maximal 40 Euro und es werden Heranwachsende, die 14 Jahre alt oder jünger sind, beschenkt.

"Der Arbeitsaufwand ist derzeit enorm, da ich die Sterne auch selbst drucke und laminiere", sagt Biel. Glücklicherweise habe sie aber einige fleißige Helfer aus dem Rathaus. Die viele Arbeit lohne sich, da es wichtig sei, den Leuten nach Schicksalsschlägen zu helfen. "Die Kinder im Ahrtal leben unter schwierigen Bedingungen und sie sind teilweise traumatisiert", weiß die Jugend- und Seniorenbeauftragte. Wünsche wie warme Kleidung und Winterschuhe seien keine Seltenheit. "Es muss etwas für die Betroffenen getan werden, und die Hilfsbereitschaft der Bürger ist überwältigend", sagt Biel.

Sponsor in der Hinterhand

Am Sonntag, 19. Dezember, macht sie sich gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde auf den Weg nach Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dort werden dann auf dem Marktplatz die Geschenke an die Heranwachsenden verteilt. "Wenn es die Corona-Situation zulässt, wird es an Ort und Stelle auch ein würdiges Rahmenprogramm geben", so Biel. Selbst wenn nicht alle Wunsch-Sterne von Bürgern aus der Gemeinde Selters mitgenommen werden, möchte die 54-Jährige übrigens trotzdem alle Wünsche der Kinder erfüllen. "Ich habe einen Sponsor in der Hinterhand, der in diesem Fall wohl einspringen wird", berichtet die Jugend- und Seniorenbeauftragte.

Liviana und Dominik Vetter aus Niederselters machen bei der Wunschbaumaktion mit. Das Ehepaar besorgt nun ein Babyspielzeug für die dreieinhalb Monate alte Lena. Das Duo ist durch das Gemeindeblättchen auf die Aktion aufmerksam geworden. "Wir haben uns anschließend auf den Weg gemacht, um die Sterne zu jagen", sagt Dominik Vetter. "In meinem Geburtsort Münster waren sie schon vergriffen. In Niederselters haben wir dann die vorerst letzten beiden für uns und für meine Mutter ergattert", so der 33-Jährige weiter. Es sei wichtig, den Kindern, die alles verloren haben, an Weihnachten eine Freude zu machen. "Das gesellschaftliche Miteinander sollte nämlich in besonders schwierigen Zeiten an erster Stelle stehen", betont Liviana Vetter. Deshalb sei es gut, dass es in der Gemeinde im Goldenen Grund eine solche Aktion gebe. Das Ehepaar habe den eigenen Angaben zufolge generell viel Freude daran, anderen etwas Gutes zu tun. "Auch aus diesem Grund beteiligen wir uns an der Aktion", sagen beide übereinstimmend.

Auch Kerstin und Erik Ketter aus dem Ortsteil Münster haben sich entschlossen, an dem Projekt teilzunehmen. "Wenn jeder ein bisschen mehr für andere tun würde, wäre die Welt viel besser", sagt Erik Ketter.

Seine Frau ergänzt: "Auch die kleinen Dinge können Menschen glücklich machen." Die beiden Münsterer haben einen Holzschlitten für den zweieinhalbjährigen Elias besorgt. "Das Geschenk ist schon da und wir werden es mit ein paar Süßigkeiten und einem persönlichen Schreiben zeitnah bei der Gemeinde abgeben", berichten die Eheleute. Sie haben in den vergangenen Tagen in den sozialen Medien und in ihrem Heimatdorf für die Aktion geworben. "Je mehr Leute mitmachen, desto besser", ist sich Erik Ketter sicher.

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