Besuch der neuen Amphibienleitanlage (von links): RP-Mitarbeiter Martin Schab, Bürgermeister Bernd Hartmann, Bauamtsleiter Benjamin Zabel, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich und RP-Dezernatsleiter Gerhard Schulze-Velmede.
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Besuch der neuen Amphibienleitanlage (von links): RP-Mitarbeiter Martin Schab, Bürgermeister Bernd Hartmann, Bauamtsleiter Benjamin Zabel, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich und RP-Dezernatsleiter Gerhard Schulze-Velmede.

Geförderter Naturschutz

Selters: Ein Herz für Kröten und Eisvögel

Regierungspräsident Ullrich informiert sich über zwei Naturschutz-Projekte

Selters -"Hier in Selters ist der Naturschutz zu Hause", sagt Dr. Christoph Ullrich (CDU) während eines Gemeindebesuchs. Der Regierungspräsident will sich über zwei Projekte informieren: Zum einen das neue Biotop "Unterm Nippchen" und zum anderen die neue Amphibienleitanlage an der Kreisstraße aus oder in Richtung Eisenbach. Beide Maßnahmen werden vom Regierungspräsidium Gießen (RP Gießen) finanziell gefördert.

Die Tour startet am Biotop "Unterm Nippchen". Ein erster Bauabschnitt ist abgeschlossen. Fünf der geplanten acht Teiche sind in der Auenlandschaft zwischen Bahngleisen und Emsbach bereits entstanden. Bis zu 1800 Quadratmeter groß werden sie sein. Fertig sind auch zwei Brutplätze für Eisvögel, auf einer kleinen Insel mitten im zweiten Teich im Bungalow-Stil errichtet. Mit dem Haufen Totholz und Steinen sowie den 20 gepflanzten Obstbäumen auf dem 9000 Quadratmeter großen Areal entsteht hier ein idealer Lebensraum für Amphibien, Reptilien und Insekten. Ziel ist es, eine größtmögliche Artenvielfalt anzusiedeln. Die Kosten dafür betragen bislang rund 100 000 Euro. Finanziell beteiligt sind neben dem RP Gießen auch der Landkreis Limburg-Weilburg, der Forstservice Taunus, der Naturschutzbund (Nabu) Niederselters, der Nabu Kreisverband Limburg-Weilburg und die Firma GTS Taunus.

"Wir sind stolz auf das Projekt", sagt Bürgermeister Bernd Hartmann. "Die gemeindlichen Gremien arbeiten hier Hand in Hand, ansonsten wären solche Projekte gar nicht umsetzbar." Dass hier ein solch wertvolles Refugium entstehen kann, ist zuallererst einem personellen Glücksfall zu verdanken. Benjamin Zabel ist nicht nur Bauamtsleiter der Gemeinde, sondern auch dem Naturschutz eng verbunden. Seinem Geschick und der Vernetzung ist es geschuldet, dass das Vorhaben nach nur einem halben Jahr Planung und Beantragung umgesetzt werden konnte.

5000 Kubikmeter Erde bewegt

Das Regierungspräsidium Gießen unterstützte die Biotop-Entwicklung mit insgesamt rund 73 000 Euro. "Das Geld, mit dem wir solche Projekte fördern, muss ja irgendwie in die Fläche kommen", berichtet Gerhard Schulze-Velmede, RP-Dezernatsleiter im Bereich Naturschutz. "Das funktioniert nur da, wo es Menschen gibt, die solche Projekte auch umsetzen." Auch sein Kollege Martin Schab, der das Projekt begleitet, sieht nun erstmals das Ergebnis, das genau genommen ein Zwischenergebnis ist: "Es ist toll zu sehen, was hier entstanden ist, und ich bin gespannt, wie sich das Projekt weiterentwickelt." Umgekehrt freut sich Bürgermeister Hartmann über das Engagement des Landes Hessen: "Ein Dank geht an das Regierungspräsidium und alle, die sich daran beteiligt haben."

Bis heute sind für das Projekt 5000 Kubikmeter Erde bewegt worden. Und bald werden es noch mehr, denn Bauamtsleiter Benjamin Zabel hat den zweiten Bauabschnitt schon im Blick. In dessen Verlauf sollen die verbliebenen drei Teiche entstehen. Nicht nur das, auch das Thema Öffentlichkeitsarbeit hat eine hohe Bedeutung. "Es gibt hier viele, die sich für das Biotop interessieren", berichtet er. Der Radweg R8 ist nur wenige Meter entfernt. "Und es wird garantiert auch einen Ornithologen-Tourismus geben." Damit sich sowohl die Vogelfachleute als auch neugierige Passanten an dem Biotop-Alltag erfreuen können, wird am Eingang des eingezäunten Areals eine vier Meter hohe und überdachte Aussichtsplattform errichtet. Eine Informationstafel steht bereits am Radweg. Weitere sollen folgen. "Wir wollen ja auch die Bürgerinnen und Bürger dafür begeistern, was sich in der Natur entwickelt, wenn man ihr einen Schonraum gibt", erläutert Benjamin Zabel.

An den voraussichtlichen Kosten zwischen 130 000 und 150 000 Euro will sich das Regierungspräsidium Gießen wieder beteiligen. "In unserem Regierungsbezirk, der von hier bis nach Schlitz im Osten und von der NRW-Grenze bis in die Wetterau reicht, ist dieses Naturschutz-Projekt herausragend", sagt RP Christoph Ullrich. Das gelte es nach Kräften zu unterstützen.

Tunnelanlage ersetzt Schutzzäune

Die zweite Station der Tour ist bereits fertiggestellt. Eine Baustellenabsperrung steht zwar noch, aber die Kröten können den fertigen Tunnel an der Kreisstraße aus oder in Richtung Eisenbach bereits nutzen.

"An dieser Stelle hier wurden in einem Jahr auch schon fast 1000 Kröten von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern umgesetzt", berichtet Bürgermeister Bernd Hartmann mit der Besuchergruppe an einer der beiden Öffnungen. 12 000 Euro hatte das RP Gießen für die Baumaßnahme bereitgestellt, die nach Abstimmung mit dem Landkreis Limburg-Weilburg sowie mit Bauleistungen durch die Gemeinde Selters pünktlich vor Beginn der massiven Krötenwanderungen umgesetzt werden konnte. "Die Amphibienleitanlage ersetzt die Schutzzäune, die nur durch den großen Einsatz von Freiwilligen errichtet und wieder abgebaut werden konnten", sagt der Bürgermeister. Das Bauprojekt solle deutlich machen, wie hoch die Bedeutung der Artenvielfalt in Flora und Fauna in der Gemeinde angesehen werde. red

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