Bernd Hartmann und Architektin Patrizia D'Addea vor der Kriegergedächtniskapelle.
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Bernd Hartmann und Architektin Patrizia D'Addea vor der Kriegergedächtniskapelle.

Grundlegende Sanierung

Selters: Ein neues Dach für die Kriegergedächtniskapelle

Bei den derzeit laufenden Dachdeckerarbeiten in Zuge der Sanierung des 1927 errichteten Bauwerks gab das Kreuz der Kriegergedächtniskapelle ein Dokument aus der Entstehungszeit frei

Niederselters -Zahlreiche Schäden in der Dacheindeckung des denkmalgeschützten Gebäudes auf dem Friedhof in Niederselters haben eine grundlegende Sanierung nötig gemacht. Nachdem sogar Oberflächenwasser eingedrungen war, herrschte dringender Handlungsbedarf. "Wir mussten schnell handeln", erklärt Bürgermeister Bernd Hartmann (parteilos) und ergänzt: "Ich bin froh, dass die Absprachen mit dem Landkreis Limburg-Weilburg und der Denkmalschutzbehörde so schnell und unbürokratisch verlaufen sind."

Hartmann ist auch dankbar, dass sehr schnell kompetente Handwerker für die Sanierung gefunden wurden. Patrizia D'Addea, Architektin im Bauamt der Gemeinde Selters, betont, dass nicht jeder Handwerksbetrieb auf die fachgerechte Sanierung einer altdeutschen Dacheindeckung aus Naturschiefer spezialisiert ist beziehungsweise Erfahrung damit hat.

"Dass eine Dachsanierung notwendig ist, war klar. Wir haben aber auch einen Zimmermann und Putzer hinzugezogen, um zu prüfen, ob auch Schäden im Konstruktionsholz oder im Außenputz vorhanden sind", führt D'Addea aus. Glücklicherweise habe sich gezeigt, dass das Konstruktionsholz in Ordnung ist. Am Außenputz seien Beiputzarbeiten an schadhaften Stellen nötig, so die Architektin.

Außerdem würden Spenglerarbeiten erneuert sowie schadhaftes Holz im Außenbereich ausgetauscht. In Ordnung sind auch die schönen Glasfenster. Sie müssen nur gereinigt und entrostet werden, lediglich ein Rundfenster eines Seitenarmes muss restauriert werden.

Kleine Restaurierungsarbeiten sind auch im Innenraum vorgesehen, an der Außentreppe werden beschädigte Blockstufen in Ordnung gebracht.

Die Kriegergedächtniskapelle wurde 1927 in Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkrieges gebaut. Die Inschrift am Eingang "Den Opfern des Grossen Krieges" sei nach dem Zweiten Weltkrieg geändert worden in "Den Opfern der Grossen Kriege". Im Kupferkreuz der Kapelle wurden jetzt bei den Sanierungsarbeiten Dokumente aus dem Jahr 1927 des Dachdeckers Peter Josef Decker, Pfarrer Valentin Rath und Bürgermeister Adam Gräf gefunden.

Aufwendig gestaltete Fenster

Bei der knapp zehn Meter hohen Kriegergedächtniskapelle handelt es sich um einen quadratischen Zentralbau (vier mal vier Meter), der in einen achteckigen Tambour, ein sogenanntes Oktogon übergeht. Auf dem polygonalen Zeltdach (Vieleck) erhebt sich das Kupferkreuz. Der Turm wird umgrenzt von drei Seitenarmen und einer Vorhalle, jeweils mit einem Satteldach. Aufwendig gestaltete Glasfenster zieren das Innere der Kapelle, außerdem Wandmalereien in kräftigen Pastelltönen.

Die Sanierungsarbeiten haben am 12. April 2021 begonnen. Bürgermeister Hartmann rechnet mit der Fertigstellung Ende Mai bis Anfang Juni. Die Sanierungsarbeiten sind mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 90 000 Euro veranschlagt. Davon entfallen etwa 70 000 Euro auf die Dachsanierung, etwa 9200 Euro auf die Arbeit der Zimmerleute. Das Vorhaben wird mit 64 000 Euro aus dem Investitionsprogramm Hessenkasse der WIBank in Absprache mit dem Hessischen Ministerium gefördert, so dass für die Gemeinde Selters ein Eigenanteil von 26 000 Euro bleibt.

Eine hochinteressante Baugeschichte

Zur Baugeschichte: Die alte Kapelle auf dem Niederselterser Friedhof beeindruckt durch ihren einzigartigen Baustil. Der quadratische Zentralbau geht in einen sogenannten Tambour, einen achteckigen Turm, über, der mit einem vieleckigen Zeltdach abschließt. Als Tambour wird in der Architektur ein vertikales Bauelement bezeichnet, das als verbindendes Zwischenglied oberhalb eines meist quadratischen Baukörper und dessen Dach fungiert. Umgrenzt wird der der Turm von drei Seitenarmen und der Vorhalle, die jeweils mit einem Satteldach versehen sind.

Nach dem Bau der neuen Leichenhalle im Jahr 1985 wurde die unter Denkmalschutz stehende Kapelle nur noch zweimal im Jahr genutzt, zum Totengedenken an Allerheiligen und Allerseelen sowie am Volkstrauertag zur Gedenkfeier des VdK für die Kriegsopfer.

Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche Schäden an der Dacheindeckung, durch die Wasser in das Innere eindringen konnte, und auch der noch aus der Bauzeit stammende Außenputz wurde geschädigt. Nach einem von dem Niederbrechener Architekturbüro von Stephan Dreier erstellten Sanierungskonzept wird derzeit das Dach erneuert. Die hölzerne Dachkonstruktion erwies sich als noch intakt, daher mussten nur einige wenige schadhafte Bretter im Außenbereich ausgetauscht werden, ehe das Dach wieder mit Naturschiefer eingedeckt werden konnte. Gleichzeitig werden Spenglerarbeiten erneuert, schadhafte Putzstellen ausgebessert und ein rundes Holzfenster in einem der Seitenarme instandgesetzt. Von Ursula Königstein und Andreas Müller

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