Niederselters im Schnee: Mit dieser romantischen Impression wird im Kalender zur 1250-Jahr-Feier das Jubiläumsjahr verabschiedet.
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Niederselters im Schnee: Mit dieser romantischen Impression wird im Kalender zur 1250-Jahr-Feier das Jubiläumsjahr verabschiedet.

Kalender zum Jubiläumsjahr

Selters: Eine Liebeserklärung in zwölf Bildern

  • VonUrsula Königstein
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Ein Kalender im Jubiläumsjahr - Von den Gasthäusern, der Fastnacht bis zum religiösen Leben

Niederselters -Zwölf Bilder und zwölf Geschichten, das ist der Kalender für das Jubiläumsjahr 2022, in dem Niederselters wie einige weitere Ortschaften im Goldenen Grund, seine 1250-Jahr-Feier begeht. Nach der kürzlichen Auftaktveranstaltung zum Dorfjubiläum stellten der Verein "Mir sein Seldersch" und der Kultur- und Geschichtsverein in der alten Kirche einen Kalender vor, der die Geschichte des Dorfes nicht unerwähnt lässt, vor allem aber eine Hommage an den Ort und das Leben seiner Bewohner ist.

Gezeigt werde in dem Kalender Niederselters wie es ist, freundlich, geschichtsträchtig und attraktiv, stellte der Vorsitzende von "Mir sein Seldersch", Thomas Pauli, fest, während der Vorsitzende des Kultur- und Geschichtsvereins, Dr. Norbert Zabel, Armin Illion, Inge Böcher sowie Julia Westendorff die Fotografien - schwarz-weiß oder in Farbe - von Daniel Banner, Lutz Sternstein und Sören Pelz samt der dazugehörigen Geschichten präsentierten und Michaela Schmidt-Illion mit ihrem Klavierspiel den musikalischen Schlusspunkt setzte. Eine Kameraskizze von Franz-Josef Stillger aus dem Jahr 1971 führte einige Ereignisse aus dem Dorfleben vor Augen.

Eröffnet wird der Jubiläumskalender und damit symbolisch das Jubiläumsjahr mit einer Aufnahme des restaurierten Brunnengebäudes, das für den einst und in der Literatur immer noch so bezeichneten berühmtesten Gesundbrunnen Deutschlands und die wechselvolle Brunnengeschichte steht. An die großen Gasthäuser und Hotels während der Blütezeit des Brunnens und des Kurbetriebs erinnern die Aufnahmen des früheren Hotels "Zum Römischen Kaiser", bis heute als das große Haus bekannt, für August und des Biergartens des von "Bahnhofswirt" Holger Wagner betriebenen "Alten Bahnhofs" für den Juni. Diesen Biergarten gibt es schon so lange wie das traditionsreiche Gasthaus gegenüber des Bahnhofs, dessen 111-jähriges Bestehen 2022 gebührend gefeiert werden soll.

Das renovierte alte Pfarrhaus

Ein Kapitel des religiösen Lebens im Dorf wird mit dem April-Foto des prachtvoll renovierten alten Pfarrhauses gewürdigt. Das Fachwerkgebäude von 1695 wurde 1858 zum Filialkloster der Dernbacher Schwestern umgebaut und empfing etliche Male die Ordensgründerin Katharina Kasper, die 2018 heiliggesprochen wurde. Der Marienmonat Mai ist der Mariengrotte im Niederwald gewidmet, die 1903 von der Niederselterser Bevölkerung gebaut wurde, inspiriert von der Muttergotteserscheinung im französischen Lourdes und der dortigen Grotte. Unzählige Menschen haben seitdem an diesem Ort der Einkehr und Besinnung Trost und Hilfe bei der Gottesmutter gesucht und gefunden, wie die zahlreichen alten und neuen Motivtafeln bezeugen. Besonders im Mai ist die Grotte von jeher Ziel von Prozessionen, deren Teilnehmer in den Nachkriegsjahren in die Tausende zählten.

Lauter lustige Hexen zieren das Februar-Bild, mit dem der Fastnachtstradition gehuldigt wird, die ebenfalls eine 100-jährige Geschichte aufzuweisen hat, angefangen von der Gründung des Karnevalvereins im Jahre 1919 über die großen Fastnachtszüge, beginnend 1929, und die legendären Kappensitzungen bis hin zum "Zügelche", das nach wie vor am Fastnachtsdienstag das närrische Treiben beschließt.

Hochgehalten wird in Niederselters natürlich die Kirmestradition, wie das Oktober-Bild einer Kirmesgesellschaft vor der Pfarrkirche St. Christophorus zeigt. Das Kirchweihfest wird seit 1717, dem Baujahr der alten Kirche, begangen. Beginnend mit einem festlichen Gottesdienst, wird anschließend im Kerbezelt und in den Gastwirtschaften drei Tage lang ausgiebig gefeiert.

Ein Besuch des Schwimmbads

Die reine Lebensfreude lacht dem Betrachter auf dem September-Bild entgegen. Die Gruppe junger Leute, die sich unter dem Blätterdach der alten Bäume am Ufer barfuß im Emsbach vergnügt, scheint auf ihre Weise das Loblied des Niederselterser Arztes und Heimatdichters Dr. Junius Kauffmann auf sein "Selters im Goldenen Grund", das ebenfalls vorgetragen wurde, zu bekräftigen. Ein besonderes Sommervergnügen ist, wie für den Juli dargestellt, ein Besuch des Schwimmbads. 1934/66 erbaut, ist es eines der ältesten Freibäder im heimischen Raum. Im Laufe der Jahrzehnte wurde es mehrfach umgebaut, bis es 2007 völlig neu gestaltet wurde und Badegäste nicht nur aus der Gemeinde, sondern auch aus der näheren und weiteren Umgebung anzieht.

Für das reiche und vielfältige Vereinsleben steht das März-Bild, das engagierte junge Feuerwehrleute zeigt. Wie die 1884 als erste im Goldenen Grund gegründete freiwillige Feuerwehr reicht auch die Geschichte weiterer Verein mitunter bis in das 19. Jahrhundert zurück und belegt das Engagement der Niederselterser für ihre Mitmenschen und das Wohl des Dorfes.

Nicht vergessen werden die Verstorbenen des Dorfes, derer mit dem November-Kalenderblatt gedacht wird. Einzigartig ist, nicht nur wegen ihrer Bauweise, die Kriegergedächtniskapelle auf dem Friedhof, die ebenso wie die große Kreuzigungsgruppe davor an das Sterben Jesu und die Opfer der Weltkriege und der Gewaltherrschaft erinnert. Auch eine Gedenktafel für die in Niederselters unter der Nazi-Herrschaft verstorbenen Kinder der russischen Zwangsarbeiterinnen am Brunnen befindet sich auf dem Friedhof, auf dem sie seinerzeit beigesetzt worden waren.

Niederselters im winterlichen Schnee bietet zum Ausklang des Jahres einen romantischen Anblick, ehe sich mit dem Bild des Rathauses, zwischen 1789 und 1792 als Kaserne für Brunnenwache errichtet, der Kreis schließt.

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