Lebt seit Monaten im Wohnmobil: der Münsterer Kultwirt „Hoppser“ Ernst.
+
Lebt seit Monaten im Wohnmobil: der Münsterer Kultwirt "Hoppser" Ernst.

Schicksalsschläge

Ex-Betreiber vom „Hoppser Hof“: Geldnot zwingt ihn zum Leben im Wohnmobil

  • vonRobin Klöppel
    schließen

Finanzielle und gesundheitliche Sorgen plagen den einstigen Betreiber der Musikkneipe „Hoppser Hof“ in Münster (Selters). Er lebt seit Monaten im Wohnmobil.

  • Leben im Wohnmobil: Was romantisch klingt, dazu ist Wolfgang Ernst aus Selters im Kreis Limburg-Weilburg seit Monaten gezwungen.
  • Der ehemalige Betreiber der Musikkneipe „Hoppser Hof“ hat nicht nur finanzielle Sorgen.
  • Er erzählt von seiner schwierigen Situation.

Selters – Wolfgang Ernst war als Betreiber der Musikkneipe "Hoppser Hof" in Münster (Kreis Limburg-Weilburg) ein echtes Original. Doch seit Anfang des Jahres lebt der 69-Jährige nun draußen in einem alten Wohnmobil. Kein einfaches Leben. Ernst wurde erst vor kurzem mitten in der Nacht bestohlen, als er mit dem Wohnmobil unter der Limburger Autobahnbrücke stand. Damit der "Hoppser" auf der Straße nicht ganz alleine ist, hat er Hund "Guinness" dabei. Die täglichen Spaziergänge mit ihm vertreiben Wolfgang Ernst die trüben Gedanken.

Leben im Wohnmobil: Mann aus Kreis Limburg-Weilburg hat nicht nur finanzielle Sorgen

Der 69-Jährige hat mit nur 600 Euro Rente im Monate bei alleine 200 Euro Medikamentenkosten nicht nur finanzielle Sorgen. Ernst ist auch zu 80 Prozent schwerbehindert, kann aufgrund schwerer Bandscheibenschäden und einer Muskelerkrankung nicht mehr arbeiten. Hinzu sei dieses Jahr eine Blutvergiftung gekommen, durch die einige Organe wie die Leber und die Lunge ziemlich zerstört worden seien. Grund: der "Hoppser" hatte auf einer Osteuropatour im Sommer in einer tschechischen Kneipe eine junge, hübsche Frau kennengelernt und mit ihr den Abend verbracht. Doch die Unbekannte kippte ihm anscheinend K.O-Tropfen in den Drink. Am nächsten Morgen wachte Ernst völlig gerädert in seinem Wohnmobil auf. Die Frau war mitsamt der Kreditkarte weg. Sie räumte ihm noch das letzte Geld vom Konto ab, um ihre Schulden und einen Fernseher zu zahlen.

Ernst sagt, es sei ein Fehler gewesen sei, dass er nicht direkt nach dem Erstatten der Anzeige bei der Polizei sein Blut hat untersuchen lassen. Denn er vermutet, dass es ihm durch die ihm eingeflößte unbekannte Substanz heute gesundheitlich so dreckig gehe.

Durch die harten Medikamente sei es oft auch schwer, klare Gedanken zu fassen. Im Sommer in Mazedonien wäre er fast schon weg vom Fenster gewesen, als er plötzlich umkippte und nur durch das schnelle Eingreifen eines Campingnachbarn rechtzeitig Hilfe kam. Der ganze Schlamassel habe damit angefangen, dass Ernst nach dem Aus des "Hoppser Hofes" aus gesundheitlichen Gründen nach eigenen Angaben 80 000 Euro in das Gebäude steckte, um es an eine Familie als Wohnung vermieten zu können. Die Einnahmen sollten für Ernst eine Altersabsicherung sein. So weit, so gut, hätten die Kinder der Familie nicht mit Wasser in der Wohnung Blödsinn gemacht und für teure Schäden gesorgt, so Ernst. Unter anderem sei der Boden völlig aufgequollen gewesen. Nicht nur, dass die Wohnung durch Schimmelbildung dann nicht mehr bewohnbar gewesen sei. Er habe auch lediglich 8500 Euro Abfindung angeboten bekommen, obwohl Schäden von 80 000 Euro entstanden seien.

Anwalt eingeschaltet: Er soll staatliche Unterstützung sichern

Wolfgang Ernst selbst hatte das fehlende Geld für eine Renovierung der Wohnung nicht mehr, musste das Haus schweren Herzens verkaufen. "Ich war da psychisch ziemlich runter", gibt der Münsterer offen zu. Das nächste Problem nach dem Verkauf der Immobilie war laut Ernst dann aber, dass die Einnahmen nachweisbar für Schulden auf dem Haus weggegangen seien. "Ich wollte keine Privatinsolvenz, alle meine Schulden zahlen", sagt der "Hoppser". Dass der volle Hauserlös weg sei, habe ihm dann aber das Amt nicht geglaubt, obwohl er einen Einblick in sämtliche Unterlagen angeboten habe.

Mittlerweile hat Ernst einen Anwalt eingeschaltet, der ihm eine staatliche Unterstützung sichern soll. Ärgerlich für den Betroffenen ist, dass sich das Verfahren lange hinzieht. Denn er hätte eine neue Wohnung in Münster in Aussicht. Doch der Vermieter möchte ihm diese nicht länger als bis Ende des Jahres reservieren. Und um sich die Miete von 450 Euro warm leisten zu können, braucht Wolfgang Ernst nach eigenen Angaben die Unterstützung vom Amt.

Mann aus Kreis Limburg-Weilburg: Auswandern statt im Wohnmobil leben

Bei seiner Tochter in Dehrn (Kreis Limburg-Weilburg) könne er nicht wohnen. Auch ins Elternhaus nach Oberselters kann der "Hoppser" nicht zurück, weil seine Mutter ins Heim musste und dafür das Häuschen aufgegeben werden musste. Also bleibt aktuell nur das Leben im Wohnmobil auf der Straße.

Wolfgang Ernst hat sich schon überlegt, dass er, wenn alle Stricke reißen und ihm eine finanzielle Unterstützung von Amtsseite weiterhin verwehrt bleibt, nach Rumänien oder Albanien auswandert. Dort könnte er mit 600 Euro im Monat noch ein würdiges Leben führen, sagt er. Im Sommer war er probeweise schon mal wochenlang mit dem Wohnmobil in Osteuropa unterwegs, hat viel Gastfreundschaft erfahren. Dort konnte er sich zu kleinen Preisen auch mal wieder ein leckeres Essen im Restauruant leisten, sagt er. "Nur acht Euro habe ich dort für eine Fischplatte auf Sterneniveau bezahlt", berichtet Ernst strahlend. Bei den günstigen Preisen konnte er sich in Ungarn auch seine Zähne endlich in einer Klinik professionell richten lassen. An der Playa de Spille in Albanien genoss der "Hoppser" die Promenade mit Trimm-dich-Pfaden. Auf den Märkten dort bekomme er alles.

Leben im Wohnmobil: Angst um die Gesundheit ist ständig da

Gerade kommt Ernst allerdings nicht vom Strand, sondern von einer Untersuchung in Hadamar. Demnächst muss er zu einer weiteren in Bad Camberg. Die Angst, dass die Organe für immer versagen, ist ständig da.

"Ich habe viel mitgemacht die letzten Monate, kann nachts kaum schlafen", berichtet der "Hoppser" vor dem Abschied traurig. Der 69-Jährige wünscht sich, dass seine Ärzte und er alles mit leichteren Medikamenten in den Griff kriegen und er bald wieder in eine kleine Wohnung ziehen kann. (Robin Klöppel)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare