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Selters: Haintchener ziehen gegen Windkraft zu Felde

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Von: Petra Hackert

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So könnte es aussehen: Die Mandatsträger haben diese Ansicht von den Windkraftanlagen um Haintchen erstellen lassen.
So könnte es aussehen: Die Mandatsträger haben diese Ansicht von den Windkraftanlagen um Haintchen erstellen lassen. © Fotomontage: Schepp

Elf Windkraftanlagen sind im Umfeld des kleinsten Selterser Ortsteils Haintchen geplant

Haintchen -Die Projektierung des Windparks Laubus nimmt Formen an. "Es ist geplant, elf Windräder mit einer Gesamthöhe von jeweils etwa 250 Metern zu errichten, drei Windräder auf dem Gebiet der Gemeinde Weilrod, fünf Windräder im Staatswald in Haintchen, drei auf angrenzenden Flächen der Gemeinde Weilmünster", beschreiben es die Mandatsträger aller Fraktionen aus Haintchen. "Der gesamte Ortsteil Haintchen liegt im Umfeld von 2,5 Kilometer der Windräder". Deshalb haben sie von Mitte Februar bis Mitte März eine Befragung aller Wahlberechtigten in Haintchen dazu durchgeführt. Die Beteiligung war groß, die Reaktion auf die Anlagen fast ausschließlich negativ, stellen sie fest. Allerdings wurde nicht nach einem Windkraft-Park in der Nachbarschaft generell, sondern nach der Anlage "in der geplanten Form" gefragt.

Der Befragung vorangegangen war ein Info-Flyer, den David Liesering, Willi und Oliver Hamm, Joachim Liesering, Christina Rumpf, Marius Stath, Ulrich Stath, Dominik Schamböck, Hans-Willi Ort, Dr. Rüdiger Fluck, Günter Stath und Klaus-Peter Laubach unterzeichnet haben, und der an die Haintchener Haushalte verteilt wurde. Sie kommen zu dem Ergebnis: "Die Auswirkung auf das Erscheinungsbild wird - selbst von Windkraftbefürwortern - als brutal angesehen."

Das Ergebnis der Umfrage: "Beteiligt haben sich 78,13 Prozent der Wahlberechtigten. 93,27 Prozent, 513 der Befragten, sprechen sich gegen die geplanten Anlagen aus, 3,82 Prozent, 21 der Befragten, haben sich mit ihrer Stimme enthalten, 2,91 Prozent, also nur 16 Einwohner des Dorfes, haben dafür gestimmt", teilen die Organisatoren mit.

Sie erinnern in diesem Zusammenhang an den einstimmigen Beschluss der Gemeindevertretersitzung vom 30. September 2015, keine Windkraftanlage in den Vorranggebieten in Münster und Haintchen zu errichten. Beim betroffenen Gebiet um Haintchen handelt es sich allerdings nicht um Gemeindeland, sondern um das Gelände anderer Kommunen und um Staatswald. Das heißt, es ist möglich, im Vorranggebiet Windkraftanlagen zu bauen. Eine Ausnahme bilden zwei der geplanten Anlagen, die sehr nah an der Bebauungsgrenze liegen. Diese beiden könnten - mit Zustimmung des Selterser Gemeindeparlaments - dennoch dort errichtet oder möglicherweise an eine andere Stelle verlegt werden. Darüber beraten die kommunalen Gremien derzeit.

"Zuwendungen nicht sicher"

"Der Gemeinde werden gemäß EEG Zuwendungen von 0,2 Cent je Kilowattstunde im Radius von 2,5 Kilometern rund um die Windräder offeriert. Die Erfahrung in anderen Kommunen hat gezeigt, dass diese Zuwendungen nicht sicher sind und von vielen Faktoren abhängen", werten die Haintchener Mandatsträger in ihrem Flyer. Bevor die Gemeindevertretung ihre Beschlüsse fasst, hatten sie deshalb die Umfrage gestartet, um ihre Position zu untermauern.

"Die Region Laubus im Naturpark Taunus gelegen, hat durch Trockenheit und Käferbefall derzeit rund ein Viertel ihrer Waldfläche eingebüßt. Statt Aufforstung würden durch die geplanten WK-Anlagen weitere intakte Wald-Ökosysteme in zweistelliger Hektargröße vernichtet. Die Effekte auf Tierwelt, Böden und Wasserkreisläufe sowie auf die Ästhetik und den Naturerlebniswert wären katastrophal und langfristige Folgen nicht absehbar", fassen sie ihre Argumente zusammen. "Mit erheblichen Auswirkungen auf das Ökosystem würden riesige Gruben ausgehoben und mit mehreren Tausend Tonnen Stahlbeton befüllt. Viele Hektar Waldhumus würden abgetragen und durch hochverdichteten Schotter ersetzt. Durch kilometerlange Stromkabel könnte zusätzlich intakte Natur belastet werden. Ferner würde auch das Erscheinungsbild von Haintchen gravierend verändert."

Ein weiteres Argument, das die Mandatsträger nennen, sind die Auswirkungen von Infraschall. So werden Töne unterhalb einer Frequenz von 20 Hertz bezeichnet, die für Menschen nicht hörbar sind. Hier gibt es unterschiedliche Positionen: "Der von Windrädern ausgehende Infraschall wird meist schon in wenigen hundert Metern Entfernung von den natürlichen Geräuschen überdeckt. Wissenschaftliche Studien haben bislang keinen Nachweis erbracht, dass der von Windrädern ausgehende Infraschall schädliche Wirkungen auf die Gesundheit hat. Die Angst vor Infraschall stellt einen nicht zu unterschätzenden Stressfaktor dar, der selbst eine gesundheitsbeeinträchtigende Wirkung haben kann. Unstrittig ist, dass dauerhafter tieffrequenter Schall hoher Intensität den menschlichen Körper nachhaltig beeinträchtigen kann", kommuniziert zum Beispiel die Fachagentur Windenergie an Land.

Die Haintchener Mandatsträger verweisen auf neuere Studien von Wissenschaftlern aus EU-Ländern und Deutschland sowie das französische nationale Berufungsgericht, das im November 2021 Gesundheitsschädigung durch Windräder anerkannt habe. "Dieses Urteil hat erhebliche Folgen auch für Anlagen der Windindustrie in Deutschland und der EU", schreiben die Mandatsträger. "Lässt der Staat (hierzu gehören auch die Kommunen) Anlagen zu, die gesundheitsschädigenden Infraschall erzeugen, verletzt er seinen Schutzauftrag nach Art. 2, Abs. 2, Satz 1 des Grundgesetzes und kann für die gesundheitlichen Folgen haftbar gemacht werden. Die Zustimmung zum Bau von Windkraftanlagen liegt bei der Gemeindevertretung. Demnach sind diese auch haftbar, wenn als Folge gesundheitliche Schäden auftreten."

Die Mandatsträger verweisen außerdem auf das Ergebnis ihrer Befragung und kommen zu dem Schluss: "Die Bürger von Haintchen sprechen sich deutlich gegen dieses Vorhaben aus und hoffen auf die Unterstützung der Mandatsträger aus den anderen Ortsteilen." Bürger aus Niederselters, Eisenbach und Münster hätten bereits Solidarität bewiesen, indem sie das Anliegen der Haintchener Bürger unterstützten.

Die Mandatsträger haben für alle Interessierten eine E-Mail-Adresse unter info.haintchen@gmail.com eingerichtet, unter der dann Anliegen, Fotos und Beobachtungen eingereicht werden können.

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