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Melanie Jost, Auszubildende bei „Carpe Diem“, hat sich für die Arbeit in der Seniorenpflege entschieden.

Für Senioren da sein

In der Altenpflege mangelt es an Auszubildenden

Manche suchen händeringend nach einem Ausbildungsplatz, andere hätten gerne Azubis und tun sich schwer, diese Stellen zu besetzen. In einer kleinen Serie haben wir mehrere Unternehmen besucht. Heute stellen wir einen Bereich vor, in dem es nicht genug Mitarbeiter geben kann: die Seniorenpflege.

Selters - Der Senioren-Park „Carpe Diem“ beklagt seit mehreren Jahren einen Fachkräftemangel. Zwar absolvieren aktuell 14 Lehrlinge ihre Ausbildung in dem Pflegeheim, jedoch könnte Einrichtungsleiter Driton Mehmeti weit mehr Berufsanfänger beschäftigen.

Die drei Jahre andauernde Ausbildung zum Altenpfleger, die einjährige Ausbildung zum Altenpflegehelfer sowie eine Lehre zum Verwaltungsfachangestellten und eine Hauswirtschaftsausbildung wird in der Einrichtung angeboten. 

Beruf des Altenpflegers erhält kaum Wertschätzung

„Leider erhalten wir kaum Bewerbungen, so dass zahlreiche Stellen unbesetzt bleiben“, sagt Mehmeti, der seit einem Jahr die Leitung des Senioren-Parks „Carpe Diem“ hat. Das mangelnde Interesse der jungen Menschen läge vor allem daran, dass der Beruf des Altenpflegers kaum Wertschätzung in der Öffentlichkeit erhalte. Außerdem sei die Ausbildungsvergütung deutlich zu gering und die Arbeitszeiten für Berufsanfänger gewöhnungsbedürftig.

Das Thema ist nicht neu, wird häufig und breit diskutiert. Weichen sollten gestellt werden, meint auch der Fachmann Mehmeti. „Es liegt nun an den Politikern. Der Beruf muss von diesen attraktiver gemacht werden. Höhere Löhne und bessere Aufstiegschancen würden helfen, um den Job attraktiver zu machen“, sagt der Einrichtungsleiter, der bereits seit 1997 in der Altenpflege tätig ist.

Werbung für die Altenpflege

Das eine ist die Attraktivität des Berufes, das andere die Werbung: Der Seniorenpark zeige einiges an Eigeninitiative, um möglichst viele Menschen auf die unbesetzten Lehrstellen aufmerksam zu machen, sagt Mehmeti. So ist die Einrichtungsleitung beispielsweise bei den Gesundheitstagen in Bad Camberg präsent. Der Infostand, persönliche Gespräche, Tipps und Ratschläge in Einzelsituationen sind hier an der Tagesordnung. „Carpe Diem“ nutzt diese Möglichkeit, um den Besuchern möglichst viele Informationen über das Unternehmen zu geben. 

Des Weiteren werden die Lehrstellen immer wieder in Zeitungen und auf Internetportalen ausgeschrieben. Wie funktioniert der Weg für junge Leute in diesen Beruf? Um eine Ausbildung in dem Altenpflegeheim zu erhalten, muss eine offizielle Bewerbung abgegeben werden. Im Anschluss daran lernen sich Bewerber und Einrichtungsleiter in einem persönlichen Vorstellungsgespräch kennen. 

Sollte ein potenzieller Lehrling noch keine Erfahrungen in den angebotenen Ausbildungsbranchen haben, besteht zusätzlich die Möglichkeit ein Praktikum zu absolvieren, um den Betrieb und die Tätigkeiten etwas genauer kennen zu lernen. „Wir bemühen uns darum, den Übergang von Schule zum Berufsleben möglichst einfach zu gestalten. Jedoch fällt diese Umstellung vielen Lehrlingen und Praktikanten zu Beginn sehr schwer“, erklärt Mehmeti. „Insgesamt sind wir ein hervorragendes Team in unserer Einrichtung, das Neueinsteigern mit Rat und Tat zur Seite steht“, verspricht der Einrichtungsleiter.

Kollegiale Gemeinschaft

Auszubildende Melanie Jost kann das nur bestätigen: „Ich finde wir sind eine super-kollegiale Gemeinschaft, die sich gegenseitig bei Schwierigkeiten im Beruf unterstützt.“ Die Lehre sei sehr abwechslungsreich, und jeder Tag beinhalte neue Herausforderungen. Ihr Auftreten zeigt, dass sie ihren Beruf mit Hingabe und Leidenschaft ausübt.

Über den Alltag in der Altenpflege können Sie hier einen Artikel lesen.

von TOBIAS KETTER

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