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Selters: Naturschützer, Bauplaner - und bald Bürgermeister?

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Von: Petra Hackert

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Die Natur liegt ihm am Herzen, wie Benjamin Zabel zu Hause in seinem Garten zeigt.
Die Natur liegt ihm am Herzen, wie Benjamin Zabel zu Hause in seinem Garten zeigt. © Petra Hackert

Benjamin Zabel hat als erster der drei Selterser Bürgermeisterkandidaten seinen Hut in den Ring geworfen

Selters -Hauseingänge können Geschichten erzählen. Die ersten Bilder, die beim Eintreten in Benjamin Zabels Zuhause ins Auge fallen, sind die der vielen Vögel. Nahaufnahmen, in einem Augenblick entstanden, ansprechend dekoriert. Jede einzelne hat er selbst gemacht. Der Naturschutz ist sein großes Hobby. Bildern der Familie, von seiner Freundin, deren Tochter und seinem Sohn folgen sehr detaillierte Zeichnungen. Selterser Motive. Die Kirche, das Brunnengebäude, das Rathaus und weniger bekannte, aber markante Gebäude. Die hat sein Opa Robert Spitzlay gemalt. "Zeichnen in dieser Art und Weise ist nicht meine Stärke", bemerkt der 40-Jährige. Sein Großvater hatte das Rüstzeug des Architekten, um in diesem Hobby so detailliert und akribisch zu arbeiten. Benjamin Zabel ist auch sehr genau und engagiert - nur eben in anderen Bereichen.

Der Sohn des früheren Bürgermeisters Dr. Norbert Zabel ist in Niederselters aufgewachsen, war ein begeisterter Fußballer und genauso gerne in der Natur unterwegs. Das erste Hobby hat er mit 30 beendet. Das zweite wurde intensiver. Das und die Politik, der er sich ehrenamtlich gewidmet hatte. Er war stellvertretender Gemeindeverbandsvorsitzender der CDU, Gemeindevertreter. Letzteres gab er auf, als er die Leitung des Selterser Gemeindebauamts übernahm. Im benachbarten Bad Camberg hatte er zuvor als Bauingenieur gearbeitet. "Ich nicht in der Verwaltung aufgewachsen", sagt er selbst. Doch der Wechsel fiel ihm leicht. "Ich habe mir gesagt, hier kannst du viel mehr bewegen, Projekte umsetzen und initiieren." Das stimmt, wenn man an so Gelungenes denkt wie das Naturschutzgebiet "Am Nippchen". Und man werde sich noch wundern, wie viele Tierarten dort einmal zu sehen sein werden, sagt er.

Oft ist das so: Wenn sich jemand engagiert, dann wachsen die Aufgaben. Es kommt schnell immer mehr hinzu, weil die anderen wissen: Auf den kann man sich verlassen. Also werden es fast wie von selbst immer mehr Dinge, die Zeit fordern, auf der anderen Seite aber auch Spaß machen. So war das mit dem Naturschutz für ihn schon immer.

Ferdi Muth hat ihn geprägt. Der ist heute über 80, immer noch festeweg dabei, Nistkästen aufzuhängen, zu betreuen und Kindern die Natur zu erklären. Die Niederselterser Naturschutzjugend ist vielleicht die aktivste im Kreisgebiet - mitgeprägt von Ferdinand Muth und Benjamin Zabel. Gibt es noch Selterser Kinder, die nicht einmal in der "Alten Kirche" waren und einen Fledermausabend mit den beiden verbracht haben? Es gibt so viel zu lernen und zu sehen. Sie geben das weiter. "Leider im Moment nicht so, wie wir das gerne würden", bedauert Zabel.

Corona hat bei vielen Freizeitaktivitäten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ob das Niederselterser "Zügelche" zur Fastnacht, das er seit gut zehn Jahren organisiert, stattfindet, ist unklar. "Es ist ja nicht so groß", meint er. Abstand denkbar. Bei vielen lehrreichen Veranstaltungen mit und für Kinder sind die Abstände schon geringer. Deshalb haben die Aktiven vieles ganz sein gelassen. Aber es ist so: "Die Kinder, die hier mitmachen, sind sechs bis zwölf, vielleicht 14 Jahre alt. Wenn es dann drei Jahre ausfällt, verlieren wir vielleicht eine ganze Generation." Das ist ihm wichtig, denn es geht um mehr als Zeitvertreib. Das Lernen in und mit der Natur hilft, Perspektiven zu entwickeln, Respekt zu lernen, Achtung.

Vor dem Büro noch kurz ins Biotop

Das wirkt weiter, wie man auch an Benjamin Zabels Zuhause sieht. Als er klein war, nisteten die Mauersegler zu Hause bei seinen Eltern. Im eigenen Daheim hat er selbst 25 Nistkästen auf dem Grundstück und sich große Mühe gegeben, auch diese Vogelart anzusiedeln. Ihn fasziniert, dass sie monatelang in der Luft bleiben, 200 Stundenkilometer schnell fliegen können. Manchmal nutzt er die Zeit vor der Arbeit, um morgens um 6 Uhr in ein Biotop zu gehen und zu beobachten. Das entspannt, macht den Kopf frei für neue Aufgaben.

Eine solche soll nun das Bürgermeisteramt werden. Deshalb hat sich sein Freizeitverhalten auch gerade gewandelt. Er investiert viel Zeit in seine Homepage, möchte seine Ideen vorstellen und das bekanntmachen, was er für Selters erreichen will.

"Dorfevolution" lautet eines der Stichworte dort. Er zeigt, wie sich seine Gemeinde weiterentwickeln könnte. Das Dorf, in dem er aufgewachsen ist, wo ihn so viele kennen. Und, das sagt er ernst, in dessen Weiterentwicklung er seine Erfahrung als Baufachmann und Naturschützer einbringen will. "Das bin einfach ich."

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