Jochen Weeber will als unabhängiger Kandidat bei der Bürgermeisterwahl in Selters antreten.
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Jochen Weeber will als unabhängiger Kandidat bei der Bürgermeisterwahl in Selters antreten.

Wahl zum Bürgermeister in Selters

Selters: New Yorker will Bürgermeister im Goldenen Grund werden

  • Tobias Ketter
    VonTobias Ketter
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Jochen Weeber tritt als unabhängiger Kandidat an - Er wünscht sich mehr direkte Demokratie

Selters -Jochen Weeber möchte für das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Selters kandidieren. Nachdem bereits in der vergangenen Woche Bauamtsleiter Benjamin Zabel mitgeteilt hat, dass er Verwaltungschef der Kommune im Goldenen Grund werden will, wirft nun ein weiterer Anwärter seinen Hut in den Ring. Die Besonderheit dabei: Jochen Weeber lebt derzeit noch in den USA. Der gebürtige Münsterer möchte aber schon in wenigen Monaten nach Deutschland zurückkehren, um Wahlkampf zu betreiben. Wer letztlich die Nachfolge von Bernd Hartmann antritt, entscheidet sich bei der Wahl am 8. März 2022.

"Ich plane schon seit zwei Jahren bei der kommenden Bürgermeisterwahl anzutreten", sagt Weeber. Der 42-Jährige sei laut eigener Aussage schon lange sehr an der Kommunalpolitik interessiert. Vor seinem Umzug in die USA war der Münsterer deshalb auch viele Jahre in der SPD aktiv. Währenddessen setzte er sich unter anderem für die DSL-Versorgung im Ortsteil Münster ein. "Mittlerweile bin ich aber kein Parteimitglied mehr und möchte als unabhängiger Kandidat antreten", so der in New York lebende Informatiker. Die Parteizugehörigkeit spiele für ihn bei der kommenden Wahl keine Rolle.

Im Falle eines Wahlsieges möchte Weeber einiges in der Gemeinde im Goldenen Grund ändern. Er verfolgt unter anderem das Ziel, die Bürger bei manchen Entscheidungen der Gemeindevertretung mitbestimmen zu lassen. "Die gesetzlichen und technischen Möglichkeiten dafür sind vorhanden", so der 42-Jährige.

Online-Votum per App

Doch wie soll dieses Vorhaben konkret umgesetzt werden? Sollte Weeber Bürgermeister werden, will er eine Art Online-Votum per App einführen, durch das Entscheidungen der Gemeindevertreter gekippt werden können. "Durch diese direkte Beteiligung der Bürger wird sicher wieder mehr Vertrauen in die Politik aufgebaut", ist sich der New Yorker sicher. Eine Volksabstimmung auf kommunaler Ebene könne allerdings nicht bei allen Entscheidungen durchgeführt werden. Beispielsweise sei es nicht möglich und auch nicht zielführend, die Bevölkerung beim Haushaltsplan mitbestimmen zu lassen. Aber bei Abstimmungen in Verbindung mit der Windenergie in der Kommune sei ein solches Vorhaben durchaus denkbar und im gesetzlichen Rahmen.

Durch diese Art der direkten Demokratie könne es zunächst auch zu Fehlentscheidungen kommen, so Weeber. Deshalb müsse es unbedingt eine Testphase geben. Der Bürgermeisterkandidat setzt dabei auf den Lerneffekt. "Die Menschen begreifen dann hoffentlich schnell, dass sie sich erst einmal genau über die Themen informieren sollten, bevor sie abstimmen", so der gebürtige Münsterer. Außerdem möchte sich Weeber für die Digitalisierung in der Gemeindeverwaltung einsetzen. "Es müssen immer mehr Herausforderungen gestemmt werden und wenn die Digitalisierung nicht voranschreitet, entstehen dabei unnötige und hohe Kosten", sagt Weeber. Als Informatiker sei er bestens dafür geeignet, den technischen Fortschritt auch in Selters anzuwenden.

Noch Unterstützer gesucht

Derzeit sucht Weeber nach Unterstützern für seine Kandidatur, um dann den Wahlvorschlag einreichen zu können. "Ich brauche zuvor 62 Unterschriften", erklärt er. Sollte dies gelingen, möchte der Familienvater im Dezember nach Deutschland zurückkehren und dann seinen Wahlvorschlag im Rathaus abgeben. "Das muss persönlich gemacht werden und ich darf derzeit wegen meiner Green-Card die USA noch nicht verlassen. Deshalb dauert es noch etwas, bis ich den Wahlvorschlag einreichen kann", berichtet Weeber, den die Liebe vor sieben Jahren auf die andere Seite des Atlantiks gezogen hat.

In den Monaten vor der Wahl will der 42-Jährige dann in Selters leben, um die Bürger von seinen Vorhaben zu überzeugen. Seine Frau Thidar Swe Tin und der gemeinsame Sohn Merlyn Alexander bleiben zunächst in den USA. "Wenn ich die Wahl gewinne, ziehen sie aber mit mir in die Gemeinde Selters. Ich habe die volle Unterstützung meiner Familie", freut sich Weeber. Er glaubt nicht, dass sein langer Aufenthalt in den Vereinigten Staaten ein Nachteil für die Wahl sein wird. "Im Gegenteil, auswärtige Erfahrungen sind von Vorteil. Man bekommt einen anderen Blickwinkel auf die Dinge und ich gehe davon aus, dass die Wähler das auch so sehen", sagt der Informatiker.

Der unabhängige Kandidat glaubt an einen Wahlsieg. "Ich rechne mir gute Chancen aus, weil die Leute mein neues Konzept begrüßen werden." Besonders auf kommunaler Ebene sei es sinnvoll, die direkte Demokratie voranzubringen. In die Gemeinde Selters müssten dringend neue Ideen einfließen. "Das möchte ich unbedingt umsetzen und deshalb bin ich der Richtige für das Bürgermeisteramt", betont Weeber.

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