Ursula Bausenwein bei den Vorbereitungen für die Gartensaison (Säen der ersten Pflanzen).
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Ursula Bausenwein bei den Vorbereitungen für die Gartensaison (Säen der ersten Pflanzen).

Obst und Gemüse selber anbauen

Selters: Säen, hacken und ernten auf dem Tannenhof

  • vonTobias Ketter
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Ursula Bausenwein bereitet Saisongarten-Parzellen für Naturliebhaber vor

Eisenbach -Strahlender Sonnenschein und Temperaturen von bis zu 20 Grad. Das Wetter in der vergangenen Woche lud zum Verweilen im Freien ein. Zweifelsohne ist der Frühling auf dem Vormarsch. Viele Menschen freuen sich schon jetzt auf die Gartensaison. Doch nicht alle Bürger haben die Möglichkeit, Obst und Gemüse im eigenen Garten anzubauen. Wer trotzdem Spaß am jäten, hacken, gießen und ernten hat, bekommt auf dem Tannenhof in Eisenbach die Gelegenheit dazu. Dr. Ursula Bausenwein bereitet derzeit dort Saisongarten-Parzellen für Naturliebhaber vor.

Der Tannenhof nimmt seit 2010 am Projekt "Saisongärten" des Handelsunternehmens Tegut teil. "Gemüse muss man in der Region mit der Lupe suchen. Es wird schlichtweg zu wenig angebaut", sagt Bausenwein. Aus diesem Grund hat sie sich vor über zehn Jahren entschlossen, den Menschen den Gemüseanbau näherzubringen. "Wir haben damals in einem wissenschaftlichen Versuch den Anbau auf unserem Hof getestet. Das hat gut geklappt, so dass wir uns dann entschieden haben, bei dem Projekt mitzumachen", erinnert sich die 54-Jährige Biologin.

Nachfrage ist mit den Jahren gestiegen

In den darauffolgenden Jahren sei das Interesse der Menschen an dem Saisongarten immer weiter gestiegen. Über 20 Parzellen wurden 2020 von Hobbygärtnern genutzt. In diesem Jahr sollen es mindestens genauso viele werden. "Die Corona-Pandemie hat die Nachfrage nochmals verstärkt", sagt Bausenwein. Die Parzellen, die eine Größe von 40 Quadratmetern haben, werden Anfang Mai vergeben. Die Saison endet im November. 130 Euro kostet die Nutzung einer Parzelle. "Alles was die Gärtner dort ernten, dürfen sie natürlich behalten", so die Betreiberin des Tannenhofs. Es gehe darum, die Leute für die biologische Selbstversorgung zu begeistern und ihnen die Abhängigkeit des Menschen von der Natur näherzubringen.

Bevor es im Mai losgeht, sät und pflanzt Bausenwein einige Gemüsesorten in den Parzellen. Dabei gibt es in diesem Jahr allerdings Probleme. "Das Bio-Saatgut und die Jungpflanzen sind leider oft vergriffen", bedauert die Biologin. Dennoch ist sie zuversichtlich, dass die Saison in gut zwei Monaten starten kann. Dann steht die 54-Jährige den Hobbygärtnern, wie in jedem Jahr, wieder mit Rat und Tat zur Seite. "Leute, die das erste Mal zu uns kommen, werden von mir eingewiesen und ich helfe auch sehr gerne beim pflanzen und ernten", sagt Bausenwein. Der Austausch mit den Gärtnern sei bisher immer sehr produktiv gewesen. "Die meisten waren im vergangenen Jahr über die komplette Saison hinweg mit großer Begeisterung dabei."

Nicht nur Bürger aus der Gemeinde Selters nutzen die Parzellen Jahr für Jahr. "Viele Menschen aus Bad Camberg und auch aus Limburg kommen zu uns", sagt Bausenwein. Sogar Gärtner aus Idstein seien schon zum Anpflanzen und Ernten auf den Tannenhof nach Eisenbach gekommen. Es handele sich meist um ältere Leute, die auch gerne mal das ein oder andere "Schwätzchen" bei der Gartenarbeit halten wollen. "In der Regel kommen die Gärtner einmal pro Woche für rund zwei Stunden zu uns, um ihr Gemüse zu pflegen", so die Biologin. Hilfsmittel, wie Hacken und Gießkannen, werden vom Tannenhof zur Verfügung gestellt.

Neue Obstsorten in diesem Jahr

Über 30 verschiedene Gemüsesorten, Kräuter und andere Pflanzen wurden 2020 geerntet. Die Gärtner durften sich beispielsweise über Kartoffeln, Petersilie und Zwiebeln freuen. In diesem Jahr soll unter anderem der Anbau von Johannes- und Brombeeren sowie von Holunder hinzukommen. "Durch die Arbeit in den Parzellen nutzen die Menschen teilweise Gemüse, das sie normalerweise nicht im Supermarkt kaufen würden. Dadurch wird das Nahrungsspektrum erweitert", sagt Bausenwein. Aber nicht nur den Menschen nutzt der Saisongarten. "Der Anbau sorgt auch für Insektennahrung. Menschen und Tiere profitieren bei uns voneinander", betont die 54-Jährige.

Das Unternehmen Tegut unterstützt die Teilnehmer des Projekts mit Werbung. "Sie drucken Poster, Flyer und Banner, so dass die Leute auf die Saisongärten aufmerksam werden", erklärt Bausenwein. Von den Parzellen-Einnahmen möchte Tegut aber nichts abhaben. "Diese behalten wir zu 100 Prozent", sagt sie.

Sie möchte auch in den kommenden Jahren den Saisongarten auf dem Tannenhof, der zum Bio-Anbauverband Naturland gehört, für Hobbygärtner zur Verfügung stellen. Bausenwein denkt sogar darüber nach, weitere Parzellen in Bad Camberg zu errichten. "Viele Leute, die jedes Jahr zu uns kommen, wohnen dort. Es wäre doch noch umweltfreundliche, wenn sie nicht jedes Mal den Weg bis nach Eisenbach zurücklegen müssten."

Ursula Bausenwein in ihrem Saisongarten.

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