+
Bestatter Michael Clauss aus Niederselters versucht den Trauernden so gut wie möglich zu helfen.

Beerdigungen

Selters: Trauernden die Chance geben, sich zu verabschieden

Bestatter Michael Clauss hat seinen Betrieb in der Corona-Krise umstrukturiert.

Der Tod eines geliebten Menschen ist ein großer Einschnitt in das Leben der Hinterbliebenen. Unmittelbar danach ist der Alltag der Verwandten und Freunde von Trauer geprägt. Trotz dieses lähmenden Zustandes muss die Bestattung geplant werden. In Zeiten der Corona-Krise ist dies allerdings besonders schwierig. Hinterbliebene müssen sich nun auch mit Fragen auseinandersetzen, wie viele Menschen überhaupt zur Beerdigung kommen dürfen und wie man gewisse Dinge erhält. Hilfe können sie von Michael Clauss, Inhaber des Bestattungsunternehmens Hartlieb, aus Niederselters, erhalten.

"Trotz der aktuellen Ausnahmesituation möchte ich den Trauernden den Möglichkeit geben, sich von den Verstorbenen zu verabschieden", sagt er. Der 60-Jährige hat deshalb seinen Betrieb umstrukturiert. "Wir arbeiten momentan in zwei immer gleichbleibenden Schichten. Fällt eine der beiden Gruppe wegen einer Infektion oder Quarantänemaßnahme aus, kann die andere deren Aufgaben übernehmen", erklärt Clauss.

Arbeiten in zwei Schichten

Außerdem steht dem Unternehmen noch ein Reservemitarbeiter zur Verfügung, der bei einem Ausfall jederzeit einspringen kann. Durch das notwendige Zwei-Schichten-System sei die Organisation der Aufträge deutlich schwieriger geworden. "Die Arbeit ist derzeit ziemlich anstrengend, aber ich bin froh, dass es uns überhaupt noch möglich ist der Tätigkeit nachzugehen. Andere Berufsgruppen hat die Krise sicherlich härter getroffen", sagt der Geschäftsführer.

Vom Zeitpunkt des Todes eines Menschen bis hin zu dessen Beerdigung müssen viele Dinge erledigt werden. Für Michael Clauss und seine Kollegen beginnt die Arbeit mit der Abholung des Leichnams. "Das ist besonders dann schwierig, wenn der Tod in einem Krankenhaus eingetreten ist, denn dort gibt es aktuell strenge Sicherheitsmaßnahmen", erklärt der 60-Jährige, der bereits seit 1995 als Bestatter tätig ist.

Clauss legt großen Wert darauf, das Trauergespräch persönlich durchzuführen. Dies sei zwar auch am Telefon möglich, aber der direkte Kontakt zu den Trauernden eigne sich für ein solch schweres Gespräch besser. "Wenn ich zu den Hinterbliebenen nach Hause kommen, halte ich immer Abstand zu ihnen", betont der Firmenchef. Bei Zusammenkünften mit Menschen aus der sogenannten Risikogruppe führe er die Unterhaltung meist über eine Distanz von mehreren Metern. "Oft sitzen die Angehörigen in einem Raum zusammen und ich stehe im Nebenzimmer und rede mit ihnen über die Bestattungsart, den Ablauf und die Musikauswahl."

Auch um den Blumenschmück für das Grab kümmern sich Clauss und sein Team. "Wir bestellen die Pflanzen bei einem Händler", sagt der Niederselterser. Denn auch wenn die Läden so langsam wieder öffnen, ist dies am einfachsten.

Bestattung nur im engsten Kreis

Die größte Herausforderung für die Trauernden und auch für den Bestatter ist die Beerdigung selbst. Sie findet wegen der Infektionsgefahr meist nur im engsten Familienkreis statt. Manchmal gibt es aber Ausnahmen. "Vor einigen Tagen habe ich eine Beisetzung durchgeführt, bei der 19 Menschen Abschied nahmen", sagt Michael Clauss. Um die Infektionsgefahr dabei so gering wie möglich zu halten, werden die Beerdigungen nur unter hohen Sicherheitsvorkehrungen abgehalten. Die komplette Zeremonie findet am Grab statt. Trauerhallen sind gesperrt.

Die Mitarbeiter vom Bestattungsunternehmen Hartlieb bringen Handschuhe, Desinfektionsmittel und Gesichtsmasken mit, die von den Trauernden benutzt werden können. "Bei einer Beerdigung wurde sogar ein Band zwischen den Menschen gespannt, um den Mindestabstand auch wirklich einzuhalten", berichtet Clauss. "Alle Anwesenden haben das Band festgehalten. So waren sie trotz der räumlichen Distanz in ihrer Trauer vereint."

Der Bestatter aus Niederselters hat selbst keine große Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus. "Natürlich kann das in meinem Beruf schnell passieren, aber darüber mache ich mir keine Gedanken. Die Arbeit muss schließlich erledigt werden", sagt Michael Clauss. Trotz der Corona-Krise sei die Kooperation mit den Standesämtern und auch mit den Hinterbliebenen nahezu immer entspannt. "Die Leute haben verstanden, auf was es jetzt ankommt. Es geht nicht um Panik, sondern um Vorsicht", sagt der Bestatter. tob

Danken Sie Ihren Helden der Corona-Krise

Wir würdigen "Corona-Helden des Alltags". Dabei handelt es sich um eine mehr oder weniger zufällige Auswahl und lediglich um eine Person oder eine Gruppe, die stellvertretend für viele andere aus ihrem Bereich stehen. Das ist freilich ungerecht. Deshalb rufen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, auf, in der NNP ihre ganz persönlichen "Corona-Helden" zu loben.

Teilen Sie uns bitte mit, wer Sie in dieser Situation besonders beeindruckt - und warum: ob im Beruf oder im Freiwilligendienst.

Zum Abschluss der Aktion - voraussichtlich Ende April - verlosen wir unter allen vorgestellten Personen und Gruppen zahlreiche Restaurantgutscheine, Altstadtführungen und ein Jahresabo der NNP. Schicken Sie uns bitte ein paar Zeilen und möglichst auch ein Foto an:

E-Mail: nnp@fnp.de.

NNP, Bahnhofstraße 9, 65549 Limburg.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare