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Selters: Zeltlager ist ein Abenteuer, und alle helfen mit

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Von: Petra Hackert

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Das Zeltlager-Essen ist richtig lecker, sagen die Kinder. Jeden Tag helfen einige dem Küchenteam bei der Arbeit.
Das Zeltlager-Essen ist richtig lecker, sagen die Kinder. Jeden Tag helfen einige dem Küchenteam bei der Arbeit. © Petra Hackert

65 Kinder genießen eine Woche lang das Zeltlager des TV Niederselters

Haintchen -Oscar mag den Akkuschrauber gar nicht mehr aus der Hand geben. Er braucht ihn ständig. Wenn das Arbeitsgerät wieder frei ist, holt er es sofort und setzt es wieder ein. Damit ist es nämlich viel einfacher, eine Seifenkiste zusammenzubauen - und hinterher wieder auseinander. Gemeinsam mit Annika (10) und Eva (11) zerlegt er das Gefährt gerade wieder in seine Einzelteile. Wie war die Fahrt? "Toll", sagt der 13-Jährige. "Nur zu langsam." Jetzt muss Irina Krüger lachen. "Er wäre sicher gerne bis runter nach Haintchen gefahren." Die ausgewählte Strecke war etwas moderater. Sicherheit muss sein.

Gemeinsam mit Stephan Muth leitet sie das Zeltlager des Niederselterser Turnvereins auf dem Gelände des TuS Haintchen. Hier können sie die Halle, die sanitären Anlagen, die große Freifläche nutzen. Nach zwei Jahren Coronapause war es dafür höchste Zeit, meinen nicht nur die Kinder. Obwohl: Die Pandemie hat Auswirkungen. Es gab etliche Abmeldungen vor Beginn, und einige zögerten gleich. 65 Kinder sind dabei, so wenige wie noch nie. Das letzte Mal waren es noch weit über 100.

Lebensmittelpreise sind explodiert

Corona verändert Zahlen, und nicht nur diese. "Wir haben jetzt gut 40 Kinder weniger als letztes Mal, aber ein Tageseinkauf in einem Supermarkt kostet uns 500 Euro mehr", sagt Stephan Muth. Dennoch hat der Turnverein den Preis gehalten, für den die Acht- bis 14-Jährigen ins Zeltlager fahren dürfen. Es sind immer noch 90 Euro für die ganze Woche, und da ist die Vollverpflegung an allen Tagen vom Frühstück bis zum Abendessen mit dabei. "Wir wollen doch, dass auch weiterhin alle mitmachen können", sagt Muth.

Die Kinder spüren diese Kalkulationen im Hintergrund nicht. Ihnen geht es ums Abenteuer, das gemeinsame Erlebnis und die Freundschaften, die sie schließen oder schon geschlossen haben. So etwas prägt. Johanna zum Beispiel: Die Zehnjährige macht zum ersten Mal mit, und das richtig gerne. "Hier gibt es jeden Tag etwas Neues", erzählt das Mädchen. Auch wenn sie wegen der Corona-Pause nicht schon als Achtjährige starten konnte, wird sie keine kürzere Zeltlager-Lebenszeit als andere haben, ist Johanna sicher. Denn: "Wenn ich hier nicht mehr mitmachen darf, werde ich Betreuerin." Anna (15) hat das schon so gemacht. Der gleichaltrige Robin ebenso. Seit seinem achten Lebensjahr weiß er: Er möchte nicht mehr darauf verzichten.

Gerade passen die jugendlichen Betreuer auf, dass an der Hüpfburg nichts passiert. Der Mittwoch ist immer der Aktionstag - seit Jahren schon bei jedem Zeltlager. Die Arbeit in den AGs (Tanzen, Sport, Malen. . .) ruht, dafür gibt es alles für alle. Eine dieser Aktionen ist das große Bild, das nun entsteht. 81 Einzelstücke haben Nadine Puschkasch und Martin Lunz vorbereitet, die am Schluss als großes Gesamtwerk in einem Format von 2,16 mal 1,67 Metern die Halle des TV Niederselters zieren werden. Eine bleibende Erinnerung. Und: "Die Kinder lernen, dass jeder etwas eigenes macht, kunterbunt und vielfältig, und dass daraus ein großes Ganzes entsteht", sagt Irina Krüger. "Vielfalt". Diese Aktion und das Seifenkisten bauen, damit fahren, die kleinen Rennwagen bemalen und promoten ist eine Form der Zusammenarbeit, die gestern Abend sogar in den Zeltlager-Nachrichten gemeldet wurde. Eine echte Fernsehsendung, für die die sechs Rennteams kleine Filme erstellt haben. Die Kameraführung hatte Nadine Puschkasch, für die Inhalte haben die Kinder selbst gesorgt und altersübergreifend gut zusammengearbeitet. Was im übrigen mit ein Grund dafür ist, dass das Zeltlager dieses Mal von ViDeTo (Vielfalt, Demokratie, Toleranz) unterstützt wurde. Angesichts der knappen Lagerkasse eine wichtige Bereicherung, inhaltlich und finanziell.

Noch einmal zurück zu den Kindern: Sie haben viel Spaß, müssen aber auch etwas tun. Aufräumen zu Beispiel, keinen Müll auf dem Gelände hinterlassen, Spülen - ein Dienst, den keiner wirklich gerne übernimmt. Doch in den Teams geht alles viel besser und schneller. Hand in Hand. Auch das will gelernt sein.

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