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Betreutes Wohnen oder Pflegeheim ? wer vor dieser richtungsweisenden Entscheidung steht, braucht gute Beratung. Ideal wäre es, wenn Senioren im Haus ihrer Wahl erstmal probewohnen dürften, findet Ursula Veil.

Pflegebedürftige

Senioren wünschen sich mehr Individualität in der Pflege

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Jede Menge Pflegeheime und Tagespflegeeinrichtungen, aber zu wenig Kurzzeitpflegeplätze. Zwar gibt es im Landkreis 43 ambulante Pflegedienste, aber in einigen Gemeinden ist es schon schwer, den passenden Dienst zu finden. Und wie sieht es aus mit den Pflegekräften? In einer Serie widmen wir uns dem Thema Pflege in allen Facetten. Heute geht es um die Frage, wie altengerecht unsere Gesellschaft ist.

Natürlich sind alte Leute ein Thema in der Politik, „schließlich sind sie Wähler“, sagt Ursula Veil und lacht. Aber eigentlich gehe es doch seit Jahren um dasselbe. „Und es ändert sich nichts.“ Jedenfalls nicht, das, was Ursula Veil sich wünscht: Mehr Informationen, bessere Wahlmöglichkeiten. Oder wie Ursula Veil es nennt: „passgenaue Angebote und eine unabhängige Beratung“.

Zum Beispiel, wenn es um Altenheime geht, um Pflegedienste oder um Freizeitangebote. Ursula Veil weiß, wovon sie redet. Weil sie immer in medizinischen Berufen gearbeitet hat, weil sie in der Gewerkschaft nicht nur als Seniorenbeauftragte aktiv war, weil sie im Seniorenbeirat des Kreises war, weil sie früher ihre Mutter gepflegt hat und jetzt ihren Mann. Und weil sie inzwischen 75 ist. „Das Angebot ist größer geworden, aber immer noch nicht passgenau“, sagt Ursula Veil. Sie habe zum Beispiel noch immer nicht das Heim gefunden, das zu ihr passt.

Kinder ins Boot holen

Dabei habe sie sich schon umgesehen. Und sie weiß auch genau, in welches Heim ihr Mann einmal umzieht, wenn sie mal ausfallen sollte und ihn nicht mehr pflegen kann. In einem Haus in Elz habe sie sich einen Platz gesichert, sagt Ursula Veil. Aber bevor ihr Mann dorthin muss, hole sie sich erst einmal die Kinder ins Boot. „Die Leute werden viel zu früh und ruckzuck abgeschoben.“ Zum Beispiel aus dem Krankenhaus. Schon dort müssten Patienten und Angehörige besser beraten werden – ob die Rückkehr nach Hause möglich ist oder nicht, welches Heim auf die Bedürfnisse des Patienten und seine Erkrankungen am besten eingestellt ist. „Aber ich gehe davon aus, dass man zu Hause am besten aufgehoben ist“, sagt Veil.

Rechtzeitig schauen

Ob mit oder ohne Hilfe eines Pflegedienstes. Und auch da brauchen die Menschen Informationen: Welche Leistungen ihnen zustehen, dass sie ihren Pflegedienst frei wählen können, auch wenn sie im Betreuten Wohnen wohnen. Und ansonsten gelte: Man muss rechtzeitig schauen, welches Pflegeheim im Fall der Fälle in Frage komme. „Auch probewohnen ist möglich.“ Wichtig ist, dass man selbst entscheidet – und nicht die anderen. Aber auch wer sich selbst umguckt, brauche Qualitätskriterien. Wichtig sei zum Beispiel, dass die Bewohner ein Mitspracherecht haben. „Da gibt es doch jede Menge Potenzial.“ Und eine Faustregel hat Ursula Veil auch: Je kleiner das Haus, umso vertrauenswürdiger; und der Träger spiele natürlich auch eine Rolle. „Diese Riesenprojekte sind ein Geschäftsmodell. Da steht der Profit im Vordergrund.“

Aber am besten sei es immer noch, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen und sich umzuhören. Und sich schlau zu lesen – zum Beispiel, wenn es um Heimverträge oder das betreute Wohnen geht. „Betreutes Wohnen ist oft leider nur ein Verkaufsargument“, sagt Ursula Veil. „Und eine Methode, Wohnungen teuer zu machen.“ Und da tue sich ein neues Problem auf: Dass die Kluft immer größer wird zwischen den Menschen, die sich ihr Leben im Alter etwas komfortabler gestalten können, und denen die dafür kein Geld haben. „Aber das muss von der Politik geregelt werden“, sagt Ursula Veil.

Sie und ihr Mann sind vor einem Jahr aus dem eigenen Haus ins Betreute Wohnen umgezogen. „Weil ich die Pflege hier besser leisten kann.“ Weil es nicht so weit zum Arzt oder zur Physiotherapie ist, und weil Ursula Veil so eher mal unter Menschen kommt.

Limburgern wird es nicht leicht gemacht

Allerdings werde ihr das in Limburg nicht gerade leicht gemacht, sagt sie. Sie wünscht sich andere Veranstaltungszeiten, zum Beispiel auch mal ein Konzert am Nachmittag und mehr Informationen. Mit drei Bürger-Broschüren sei sie aus dem Rathaus gegangen – davon gehe keine einzige auf die Bedürfnisse von Senioren ein, geschweige denn von pflegenden Angehörigen. Überhaupt verdienten diese mehr Achtung vor ihrer Leistung. Und mehr Unterstützung.

Das gelte aber auch für die professionellen Pflegekräfte. „Für die würde ich jederzeit wieder auf die Straße gehen“, sagt Ursula Veil. Für eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte und für ein bessereres Image des Berufs. Sie würde sich wünschen, dass sich die Pflegekräfte in Gewerkschaften organisieren. „Nur starke Gewerkschaften können etwas erreichen.“ Und zu einem besseren Ansehen des Berufs müssten alle beitragen. „Altenpflege ist doch viel mehr als Po waschen.“ Das müsse man den jungen Leuten klar machen, damit es auch genügend Pflegekräfte gibt in der Zukunft. „Ich möchte nicht von jemandem gepflegt werden, der dazu verdonnert wurde“, sagt Ursula Veil.

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