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Kreatives Brainstorming: Leo, Jonas und Nico Usinger (von links) in ihrem Probenraum. Die Selbstportraits an der Wand haben die drei Musiker selbst gemalt. Foto: Petra Hackert *** Local Caption *** Hünfelden-Dauborn, Dauborn, die Band Usinger, Leo, Jonas und Nico Usinger (von links).

Band Usinger

Sind das die neuen hessischen Youtube-Stars?

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Drei kreative Brüder aus Dauborn sind eine Band: Usinger. Jetzt haben sie ihren ersten Kurzfilm herausgebracht. Eine Trilogie mit drei Songs. Tausende Zuschauer interessiert das.

Aus einem Jahr werden 16 Minuten. Und bisher über 18 000 Klicks auf Youtube. Je mehr, desto besser. Und was die drei Brüder besonders freut, sind die gleichmäßigen Aufrufzahlen vom ersten bis zum dritten Teil. Das heißt: Die Zuschauer interessiert der weitere Verlauf der Handlung, nachdem sie den ersten Teil gesehen haben.

Usinger – so heißen sie mit Nachnamen, und so heißt die Band, die gerade wieder von sich hören lässt.

Doch von Anfang an: Im letzten Jahr haben die drei mit ihrem Titel „Wohin“ einen bundesweiten Preis gewonnen. Sie reisten nach Berlin und präsentierten den Song beim „Treffen junge Musik-Szene“ der Berliner Festspiele. Danach wurde es etwas stiller um die Band. Scheinbar. Denn sie arbeiteten hart. Zum einen an der Trilogie, die in kompletter Eigenregie gedreht wurde, und zum anderen an der CD, die dieses Jahr erscheinen wird.

Noch weiter zurück: Von Kindesbeinen an sind Nico, Leo und Jonas musikbegeistert. Das könnten sie von ihrem Vater geerbt haben. Er hat selbst in mehreren Bands gespielt, ist hauptberuflich Elektriker. Ihre Mutter ist gelernte Industriekauffrau. Im Keller ihres Hauses in Dauborn hat die Familie einen Proberaum eingerichtet. Das Schlagzeug steht in der Ecke, vor einem Bild an der Wand, das in schwarz-weiß die Köpfe der drei jungen Musiker zeigt. Selbstgemalt. Was sonst.

„Diese Formation hat

Seltenheitswert

“, urteilte Ulrich Zehfuß, Juror des Jugendwettbewerbs der „Berliner Festspiele“. Das gilt für die Musik, die sie selbst komponieren, die eigenen Texte, aber auch die kreative Zusammenarbeit. „Zuerst haben wir die Melodie. Dann kommt der Text“, erklärt Nico. Sein jüngerer Bruder Jonas ist der Haupt-Texter und Sänger der Band. Außerdem Hauptdarsteller in den drei Teilen, die nun auf der Homepage der Band zu sehen sind.

Drei kleine Videos, fünf, vier und sieben Minuten lang, begleiten drei selbstgeschriebene Songs und erzählen eine Geschichte. Kurz zum Inhalt: Ein junges, verliebtes Paar genießt die gemeinsame Zeit – und die Freiheit des Lebens. Dazu gehören unter anderem Diebstahl und ein Drogengeschäft – was beide bitter bereuen werden. Er wird verhaftet, in einem Parkhaus zu Boden gedrückt, in Handschellen abgeführt. Sie kann fliehen, dafür hat er vorher noch gesorgt. Jonas Usinger in der Rolle des Jugendlichen, der zwei Jahre ins Gefängnis muss. Beide warten aufeinander – und dann doch nicht. Das Leben wird härter nach dem Freiheitsentzug. Was folgt? Man möchte immer weitersehen. Natürlich.

Denn die Geschichte ist spannend erzählt, in sehr schönen Bildern festgehalten, dazu die Musik, die Hand in Hand mit den Videos geht und am Puls der Zeit ist. Die drei schaffen es, ihre Liedtexte immer wieder nach vorn zu holen. Besonders gut beim Song „Atmen“. „Ich muss nur atmen. Sonst gar nichts.“ Eindringlich und immer wieder gespielt, prägt sich diese Zeile ein. „Geht doch.“

„Uns interessiert, wie sich Jugendliche verhalten, die auf der Suche nach Freiheit sind“, erzählt Leo. Deshalb wurde dies auch Thema des Films. Hauptdarstellerin Vivien haben sie für die Rolle engagiert. Die Schauspielerin arbeitete unter anderem beim Staatstheater in Wiesbaden. Alle anderen Darsteller sind Freunde und Bekannte. Und natürlich sie selbst. Limburg, Idstein, Frankfurt, Wiesbaden und andernorts – an vielen Drehorten ist eine Story entstanden, die durch die geschickte Kameraführung so nah wirkt. Das ist Leo Usinger gelungen, denn die drei haben eigens für dieses Projekt eine Kamera angeschafft, die er bedient. „Ich hab mich da reingefuchst“, sagt er.

Nicht nur er. Viele, viele Stunden hat Jonas gebraucht, um beim Zusammenschneiden für die richtige Farbgebung zu sorgen. Das Licht muss stimmen, auch wenn an unterschiedlichen Tagen gedreht wurde. „Und dann das Gewitter“, erzählt Nico. Sie brauchten eins für den Film, sind eigens nach Limburg gefahren, als sich etwas zusammenbraute – und fast wieder umgekehrt, als es kurzzeitig aufhörte. Dann klappte es doch. Oder die Verhaftung im Parkhaus: Das war in Idstein. „Die Passanten haben schon etwas komisch geschaut“, gibt Nico zu. „Ich musste immer wieder den Asphalt küssen“, erzählt Jonas. Immer und immer wieder haben sie die Szene gedreht, er wurde zu Boden gedrückt, die Handschellen klicken. Sie brauchten genug Blickwinkel für die Szenenfolge, die nachher im Video so eindringlich wirkt.

Alles braucht seine Zeit

“, sagte Leo Usinger letztes Jahr, als der Preis in Berlin ihre Entwicklung vorerst krönte. Die ist jetzt weiter fortgeschritten, ebenso ihr künstlerischer Weg. Sie haben einen eigenen Musikstil, eindringliche deutsche Texte, keinen Schnickschnack, gerade, deutliche Strukturen in einem modernen Soundgewand.

Das zeigt sich auch in der Zusammenarbeit: „Wir saßen alle zusammen im Proberaum und haben überlegt, in welche Richtung der Kurzfilm gehen soll“, erzählen sie. Das Storybook erstellten sie gemeinsam, überlegten sich Drehorte und Sequenzen. Wer es jetzt sieht, glaubt kaum, dass Kameramann Leo zum ersten Mal so gearbeitet hat. Die drei sind perfekt aufeinander eingespielt. Das macht es so schön, die Trilogie zu sehen und ihre Musik zu genießen. 18 000 Mal. Bis jetzt.

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