Frank Zipp hat aus seiner Leidenschaft einen Beruf gemacht

Skiwachs aus dem Westerwald

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Frank Zipp produziert in seinem Haus in Fussingen Skiwachse, die in die ganze Welt verschickt werden. Und auch der Deutsche-Skiverband (DSV) vertraut auf den Skiwachs aus dem Westerwald.

Vorsichtig träufelt Frank Zipp mit einer Pipette einige Tropfen Wasser auf den präparierten Ski. Der Tropfen zerläuft nicht, sondern bleibt kugelrund. Zipp wartet kurz, dann pustet er. Die Tropfen fallen – ohne Rückstände auf dem Ski zu hinterlassen – auf den Boden. „So muss das sein“, sagt Zipp und streicht prüfend über den trockenen Ski.

Zuvor hat Zipp den Ski mehrmals behandelt – mit seinen Wachsen. Bereits seit Anfang der 2000er Jahre produziert er diese, 2002 meldete er seine Firma „Zipps Skiwachse“ an. „Ich hatte ein persönliches Interesse, da ich selbst Skifahrer bin. Die Wachse, die es damals gab, waren nicht optimal für meine Bedürfnisse“, erzählt Zipp.

Deshalb habe er angefangen selbst zu experimentieren und herzustellen. 2002 wurde daraus dann sein Beruf. Doch ganz ohne Vorkenntnisse geht natürlich gar nichts. „Eine fundierte Ausbildung im chemischen Bereich muss man definitiv mitbringen“, sagt der Fussinger. Denn zu den zehn bis zwölf Inhaltsstoffen der Skiwachse gehören verschiedene Füllstoffe, Additive und Fluorbestandteile. Und diese entfalten nur bei optimaler Mischung und Verarbeitung ihre Wirkung. Aber auch sein eigener Ehrgeiz hat ihn dorthin gebracht, wo er heute steh.

Vom Flüssigwachs bis Pulver für die Profis stellt Zipp alles her. „Unsere Produkte sind zu 100 Prozent im Westerwald hergestellt und abgefüllt“, sagt er. Im sogenannten Technikum, dass er vor Kurzem an sein Wohnhaus in Fussingen angebaut hat, stehen die notwendigen Maschinen zur Herstellung. „In der Regel mische ich dort Mengen um die 20 Liter zusammen, wenn ich produziere“, sagt Zipp. Im August beginnt normalerweise die Hochsaison. Dann hat er einige Hilfskräfte, die ihm bei der Produktion und dem Abfüllen seiner Waren helfen.

Ein promovierter Chemiker ist auch mit an Bord. „Er ist vor allem für die theoretische Weiterentwicklung bestehender und die Vorausentwicklung neuer Wachse zuständig“, erzählt Zipp. Denn für ihn gebe es keinen Stillstand, er wolle seine Produkte immer weiterentwickeln.

Gelernt hat er diesen Job nicht. „Es gibt keinen Studiengang Wachs-Chemie. Ich musste mir vieles selbst aneignen. Es war mehr ein Training-on-Job“, sagt er. Und das scheint gut funktioniert zu haben, denn Zipp schickt seine Skiwachse mittlerweile bis nach Kanada.

Einer seiner bekanntesten Kunden ist der Deutsche Skiverband (DSV) und dort die nordischen Sportarten wie Biathlon, Langlauf oder nordische Kombination. Aber auch andere Nationalteams und Rodler oder alpine Skifahrer kommen in den Genuss seiner Wachse.

„Ich bin mit dem DSV eine Kooperation eingegangen. Ich entwickele für sie spezielle Profiwachse, im Gegenzug testet der DSV auch die anderen Wachse, die meist im Amateurbereich Verwendung finden“, sagt Zipp. Einmal in der Woche sei er in der Hauptsaison in Oberhof, denn dort werden Ski sowie Wachse getestet.

„Im Profisport geht es um Hundertstel Sekunden. Da gibt es immer Kleinigkeiten, die noch verändert werden müssen, damit die Sportler im Weltcup ganz vorne mitfahren können“, sagt Zipp.

Denn die Anforderungen an die verschiedenen Wachse wechseln mit den vielfachen Möglichkeiten der Schneebeschaffenheit. Doch das Geschäft mit dem Sport ist hart. „Im einen Jahr kannst du das perfekte Wachs haben, das alle benutzen, und im nächsten Jahr bist du raus“, sagt Zipp. Aber auch das sei ein Ansporn für ihn, seine Wachse ständig weiterzuentwickeln, um auch in diesem harten Geschäft bestehen zu können.

Auch Landtagsabgeordneter Joachim Veyhelmann (CDU) wollte es sich nicht entgehen lassen, Zipp in seinem Technikum in Fussingen zu besuchen.

„Ich freue mich, mit Zipp’s Skiwachse wieder ein Unternehmen aus unserem heimischen Raum kennengelernt zu haben, das in einer kleinen Marktnische zur Weltspitze gehört“, sagte der Landtagsabgeordnete für den Kreis Limburg-Weilburg bei seinem Besuch.

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