Ohne Smartphone geht heute gar nichts mehr: Gerade für ältere Menschen sei das Handy eine Riesenchance, sagt Elisabeth Schardt, die entsprechende Kurse anbietet.
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Ohne Smartphone geht heute gar nichts mehr: Gerade für ältere Menschen sei das Handy eine Riesenchance, sagt Elisabeth Schardt, die entsprechende Kurse anbietet.

"Smart Senior"-Kurse von Elisabeth Schardt

Smartphone: Jeder kann den Umgang lernen

  • Sabine Rauch
    VonSabine Rauch
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Das Handy bietet Senioren auch im Landkreis Limburg-Weilburg eine Möglichkeit der Teilhabe.

Limburg-Weilburg -Die einen kommen, weil sie das Ding von ihren Enkeln geschenkt bekommen haben und nun doch wissen wollen, ob sie es vielleicht doch gebrauchen und was sie damit machen können. Die anderen, weil sie nicht mehr die einzigen sein wollen, die immer angerufen werden müssen, während der Rest in der Whatsapp-Gruppe lesen kann, was los ist. Aber sie wollen kommunizieren, zur Not auch mit diesem Ding. "Das Smartphone ist eine Riesenchance für ältere Menschen", sagt Elisabeth Schardt. Sie weiß, wovon sie redet. Sie hat eine Mutter, die im Westerwald lebt, während ihre Kinder in der ganzen Welt unterwegs sind, und sie gibt seit mehr als zwei Jahren Computer-Kurse für Senioren, zum Beispiel im Familienzentrum Limburg oder in der Alten Schule in Waldernbach.

"Smart Senior" heißen die Kurse und es geht mehr ums Handy als um den Computer. Weil die meisten mit ihrem Handy kommen und nur wenige mit dem Tablett. Dass die Menschen mit dem Gerät lernen, das sie auch benutzen werden, sei enorm wichtig, sagt Elisabeth Schardt. Schließlich sind nicht alle gleich. Und deshalb sei es auch nicht egal, welches Smartphone es ist. "Es sollte schon ein gescheites Gerät sein." Ruhig auch ein abgelegtes von den Kindern oder Enkeln, zumindest für den Anfang. Ideal ist es dann, wenn die ganze Familie dasselbe Betriebssystem nutzt - falls mal Fragen sind. Denn alle Fragen könne sie in den Kursen nun mal nicht beantworten, sagt Elisabeth Schardt.

Am Anfang gehe es vor allem darum, den Senioren die Angst vor dem Gerät zu nehmen. Genauer: Die Angst, etwas kaputt zu machen. Und dann steht Whatsapp auf dem Plan. "Ich fange immer mit Whatsapp an, denn das ist es, was die allermeisten nutzen wollen", sagt Elisabeth Schardt. Und spätestens nach zwei Treffen seien alle so weit, dass sie Nachrichten verschicken können, manche sogar schon Fotos. Wenn sie ihre Hausaufgaben machen. Denn auch am Smartphone sei das Wichtigste: "üben, üben, üben."

Vier Kurseinheiten

reichen aus

Am besten sei es, wenn ein paar Freundinnen zusammen in den Kurs kommen und sich dann gegenseitig fleißig Nachrichten und Bilder schicken. Wenn man sich kennt, ist es auch nicht so peinlich Fragen zu stellen wie: Was ist überhaupt WLAN? Wo geht es an? Das soll ein Kamera-Symbol sein, keine Wärmflasche? Kann ich jetzt wirklich kostenlos nach Amerika telefonieren? "Nach vier Kurseinheiten habe ich alle so weit, dass sie klarkommen", sagt Elisabeth Schardt. Dass sie zumindest wissen, dass nichts passiert, wenn sie mal irgendwo draufdrücken und was sie tun müssen, wenn gar nichts mehr geht. Den meisten reiche das auch.

Wer mehr will, bekommt auch mehr. "Datenschutz zum Beispiel ist eher was für Fortgeschrittene oder das Bezahlen mit dem Smartphone." Genau wie die Unmengen von Apps. Dabei haben die Senioren natürlich ihre Favoriten. Wander-Apps zum Beispiel, oder eine App, die genau weiß, welche Blume da am Wegesrand wächst. Natürlich die Luca-App, die die Datenerfassung in Zeiten der Pandemie einfacher macht. An eine Dame erinnert sich Elisabeth Schardt, die auf ihren Handy vor allem die Aktienkurse sehen wollte.

Es gibt eine Menge

zu entdecken

Aber es gebe noch viel mehr zu entdecken: Zum Beispiel die Möglichkeit, Postkarten per Smartphone zu verschicken, die ganzen Podcasts ("die guten sind alle kostenlos") oder die Chance, bei Youtube "Rigoletto" zu sehen und zu hören oder etwas über Literatur zu lernen, berichtet sie. Aber das Smartphone biete ja noch mehr: "Sprachnachrichten sind für ältere Menschen super." Und wenn man einfach mit Siri, Bixby oder dem Google Assistant sprechen kann, statt zu tippen, ist das auch eine Hilfe, wenn die Augen schlechter werden.

Eigentlich könne jeder Mensch den Umgang mit dem Smartphone lernen, sagt Elisabeth Schardt. Schwierig wird es nur, wenn der Lehrer ein ausgewiesener IT-Experte ist. Elisabeth Schardt ist gelernte Textilingenieurin, hat aber in den vergangenen Jahren als Hochschullehrerin und Beraterin internationaler Unternehmen gearbeitet - auch in Sachen Digitalisierung. Die Kurse für Senioren gibt sie, weil sie weiß, wie wichtig Teilhabe ist. "Und es macht mir Freude, zu sehen, wie andere Menschen die digitale Welt entdecken."

Vor allem kommen Frauen, und wenn mal ein Mann dabei ist, dann hat ihn seine Frau mitgeschleppt. Vor allem sind es aber Menschen, die alles tun wollen, um möglichst lange eigenständig leben zu können. Und am Ende können fast alle verstehen, warum ihre Enkelkinder ständig mit ihren Handys spielen. Und alle sind sehr froh, dass sie jetzt auch eins haben.

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