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So oft wird an Straßen- und Wegrändern gemäht

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Von: Tobias Ketter

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Auch an den Straßenrändern - wie hier am Ortseingang vom Marktflecken Villmar - soll nach den Wünschen von Naturschützern weniger gemäht werden.
Auch an den Straßenrändern - wie hier am Ortseingang vom Marktflecken Villmar - soll nach den Wünschen von Naturschützern weniger gemäht werden. © ketter

Bauern, Kommunen und Hessen Mobil widersprechen

Limburg-Weilburg -In der Region gibt es immer weniger Feldhasen, Wald- und Wiesenvögel, Insekten sowie andere Wildtiere. Das Artensterben und die abnehmende Biodiversität sind deshalb wichtige Themen für die Naturschutzorganisationen im Landkreis Limburg-Weilburg. Um dieser negativen Entwicklung entgegenzuwirken, fordert unter anderem der Kreisverband des Bunds für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund Hadamar, dass Feld- und Straßenränder sowie Ackerraine möglichst selten gemäht werden. Denn diese seien oftmals der letzte Rückzugsort und auch eine Nahrungsquelle für viele Tiere.

Zwischen März und September solle man sogar komplett auf die Mahd verzichten. Vom Mulchen raten die Naturschützer gänzlich ab, da dies dazu führe, dass viele Insekten zerquetscht werden. Doch wie stehen die Landwirte, Kommunen und auch die Straßenbehörde Hessen Mobil, die sich allesamt um das Mähen der Feld- und Straßenränder kümmern, zu den Forderungen und Ratschlägen der Naturschutzorganisationen? Und wie oft werden die Ränder tatsächlich gemäht?

"Feldränder an Wiesen und an anderen Grünlandflächen werden häufig im Zuge der Nutzung gemäht", sagt Jonas Bachmann, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Limburg-Weilburg. Die Anzahl der Mäharbeiten könne zwischen ein Mal pro Jahr auf Extensivflächen und bis zu fünf Mal bei stark genutzten Futterflächen schwanken. An Ackerflächen sei die Häufigkeit abhängig davon, ob bestimmte Arten vorkommen, die zum Schutz der Kulturpflanzen bekämpft werden müssten. "Im Durchschnitt kann hier von zwei Terminen pro Jahr - kurz vor der Ernte und zur Aussaat - ausgegangen werden", so Bachmann.

Auswirkungen auf

die Kulturpflanzen

Der Kreisbauernverband teilt die Meinung der Naturschutzorganisationen mit Blick auf die Häufigkeit der Mahd nicht. "Es werden weitgreifende Maßnahmen gefordert, ohne Kenntnisse der lokalen Bedingungen zu haben", sagt Bachmann. Zudem würden die Auswirkungen auf die Kulturpflanzen und die Landbewirtschaftung nicht berücksichtigt. Es müsse von Jahr zu Jahr entschieden werden, wie oft und wann das Mähen nötig sei. Dabei solle auch die Wetterlage beachtet werden.

Bachmann hält die Biodiversität übrigens trotz seiner Widersprüche gegen die Forderungen der Naturschützer für ein wichtiges Thema. "Bei der Abwägung zwischen den wirtschaftlichen Interessen und der Förderung der Biodiversität gibt es noch viele Möglichkeiten", sagt er. "Diese reichen von freiwilligem Flächentausch zur Bildung von größeren Insel-Biotopen bis hin zu langjährigen Brachstreifen."

"Die Flächen entlang der hessischen Straßen werden in die Bereiche mit intensiver und extensiver Pflege eingeteilt", berichtet Sonja Lecher, Sprecherin von Hessen Mobil. Für den Intensivbereich habe die Verkehrssicherheit absolute Priorität. Diese Zone umfasse den Bankettbereich und die Gräben sowie Mulden. Dort werde in der Regel zwei Mal pro Jahr gemäht, und zwar zwischen April und Juni sowie ab Juli. Eine Reduzierung der Pflege sei auch aufgrund des geltenden Regelwerks ausgeschlossen. "Der sogenannte Extensivbereich wird aus artenschutzrechtlichen Gründen nur alle ein bis zwei Jahre, meist erst ab September, gemäht, um eine Verbuschung zu verhindern", sagt Lecher. Im Intensivbereich kämen während der Mahd primär Anbau-Mulchgeräte zum Einsatz. Im Extensivbereich nutzte man zudem sowohl Aufsitzmäher als auch handgeführte Mäher.

Stadt beschäftigt

sich mit Biodiversität

Die Straßenränder in Limburg werden laut Stadtsprecherin Stefanie Kesper-Süß mehrmals pro Jahr gemäht und auch gemulcht. Dennoch teile die Stadtverwaltung die Meinung der Naturschutzbehörden. Deshalb beschäftige man sich derzeit intensiv mit der Biodiversität. Das Mähen zu einem bestimmten Zeitpunkt sei nur ein Baustein davon. "Des Weiteren gehört unter anderem die Integrierung von Sandlinsen und Steinhaufen für Reptilien-Ansiedlung und die Schaffung von Holz- sowie Totholzbereichen dazu."

"Das Mähen von Straßenrändern ist bei uns größtenteils Sache von Hessen Mobil", sagt Brechens Bürgermeister Frank Groos (parteilos). Der Bauhof sei eher für die Mahd von Grünflächen auf Friedhöfen und Spielplätzen verantwortlich. "Generell sind wir bei den Mäharbeiten immer in der Zwickmühle. Für einen Teil der Bürger mähen wir zu selten und für den anderen Teil zu häufig." Auch Groos betont die Wichtigkeit der Biodiversität. Diese fördere die Kommune unter anderem mit dem Anlegen von Blühflächen und dem Pflanzen von Obstbäumen.

"Die bei uns in der Kommune innerörtlich befindlichen Wegränder werden je nach Wachstum teilweise sechs bis acht Mal im Jahr gemäht", sagt Villmars Bürgermeister Matthias Rubröder (CDU). Dies sei unter anderem wegen der Verkehrssicherheit nötig. Andere Ränder mähe die Gemeinde aber nur ein bis zwei Mal jährlich und die an Wiesenwegen sowie an geschotterten Feldwegen mähe der Bauhof überhaupt nicht. Bei den Arbeiten komme auch ein Mulcher zum Einsatz. "Natürlich ist Mulchen für die Biodiversität nicht optimal", sagt Rubröder. Die Gemeinde sei deshalb aktuell auf der Suche nach naturverträglicheren Lösungen. "Wir sollten mit Blick auf die Häufigkeit der Mäharbeiten einen gesunden Mittelweg für jede einzelne Örtlichkeit finden. Dabei müsse es einen offenen Austausch zwischen Verwaltung, Bauhof, Fraktionen und Naturschutzbehörden geben.

"Wegränder an Wander- sowie Rad- und Gehwegen müssen im Zuge der Verkehrssicherungspflicht kontinuierlich gepflegt werden", sagt auch Hadamars Bürgermeister Michael Ruoff (CDU). "Diese Wege werden in der Regel, je nach Witterung, ab dem 1. Juni erstmalig gemulcht." An den Wirtschaftswegen seien oftmals Gräben zur Entwässerung angelegt. Diese müssten zum Hochwasserschutz kontinuierlich gepflegt werden. Deshalb sei auch dort eine regelmäßige Mahd und die Entsorgung von Fremdmaterialien nötig. Auch Ausgleichflächen werden in Hadamar größtenteils gemäht. "Dort wird auch das Mähgut entfernt, hier entstehen dann mittelfristig ökologisch wertvolle Magerwiesen", berichtet Ruoff. "Der Schnittzeitpunkt ist erst nach dem Ausblühen der Gräser, um eine große Artenvielfalt zu fördern." tobias ketter

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