Solidarität bewegt

Nicht jeder versteht, warum Gewerkschaften streiken. „Dann erklärt es ihnen“, ermutigte die Vorsitzende des ver.di-Bezirks Wiesbaden, Andrea Baum, auf der Mitgliederversammlung des Ortsvereins Limburg-Weilburg zu einem offensiven Vorgehen.

Eigentlich sollte in dem Vortrag der Gewerkschafterin aus Wiesbaden um bessere Serviceleistungen von ver.di gehen. „Da wird sich auf jeden Fall was ändern“, erklärte Andrea Baum. Doch natürlich nahmen die laufenden Tarifauseinandersetzungen einen breiten Raum ein.

„Ihr müsst es ausbaden, wenn der Bus nicht fährt“, gab sich die Bezirksvorsitzende mitfühlend. „Was macht ihr da schon wieder und warum?“, diese und ähnliche Fragen landeten auch per Mail oder am Telefon bei ihr. Nicht jeder könne nachvollziehen, worum es gehe. Deshalb sollten es die Gewerkschafter erklären – auch, um Verständnis zu erhalten. „Es ist richtig, dass wir streiken und es ist notwendig“, betonte sie. „Wenn wir kein vernünftiges Angebot bekommen, legen wir noch eine Schippe drauf“, erklärte sie über die laufenden Aktionen.

Überhaupt kann ver.di mit Solidarität und Zusammenhalt viel bewirken. Stefan Schneider, Vorsitzender des Ortsvereines, formulierte: „Wir sind die Mahner für die Interessen unserer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“, erklärte er und sprach auch in seinem Bericht das Thema Mindestlohn an. „Die Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns ist ein Meilenstein und im hohem Maße unserem Engagement zu verdanken.“ Für Millionen von Menschen würden so Löhne und Arbeitsbedingungen verbessert. „Ohne euch, ohne die ver.di-Mitglieder und der DGB-Gewerkschaften, ohne die Anträge, Kundgebungen, an denen wir uns auch als Limburger beteiligt haben, wäre der Mindestlohn in der GroKo kein Thema“, urteilt er.

Abgeordneten-Runde

In der vergangenen Woche diskutierte die Gewerkschafter mit Bundestags- und Landtagsabgeordneten aus der Region. Von diesen Gesprächen berichtete Philipp Jacks, DGB-Sekretär Wiesbaden/Limburg, und gab ein Stimmungsbild wieder. Mal seien die Gespräche schön und konstruktiv und mal das genaue Gegenteil davon, erklärte er und sprach verärgert auch die U-18-Reglung an, bei der Jugendliche unter 18 Jahren vom Mindestlohn ausgenommen werden sollen. „Damit ist niemandem geholfen“, sagte er über den Entwurf, der Lücken aufweise. Dann kämen keine erwachsenen Rumänen zum Spargelstechen, sondern Jugendliche aus Rumänien, formulierte er spitz.

Schneider wiedergewählt

Noch aktiver können ver.di-Mitglieder werden, indem sie sich mit inhaltlichen Anträgen in die politische Arbeit einmischen. Die Mitgliederversammlung gab den Startschuss zu den Organisationswahlen in ver.di, der Konferenzen auf Bezirks- und Landesebene folgen. Auch beim Ortsverein standen deshalb Wahlen auf der Tagesordnung. Stefan Schneider wurde als Vorsitzender bestätigt und erhielt jede Menge Lobesworte. „Ohne Dich wäre der Ortsverein nicht da“, erklärte Versammlungsleiter Rainer Scharpenberg. (qui)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare