Ein gutes Team: Ella Tripp und ihre Tochter Celina haben 25 Jahre lang zusammen gelebt. Nun war Zeit für einen Wechsel. Doch es ist eine Herausforderung, eine Einrichtung für eine junge behinderte Frau zu finden.
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Ein gutes Team: Ella Tripp und ihre Tochter Celina haben 25 Jahre lang zusammen gelebt. Nun war Zeit für einen Wechsel. Doch es ist eine Herausforderung, eine Einrichtung für eine junge behinderte Frau zu finden.

Ella Tripp aus Hundsangen musste erfahren, wie schwer es ist, ein Pflegeheim für einen schwerstbehinderten jungen Menschen zu finden

Sorgen um die Zukunft von Celina

  • Sabine Rauch
    VonSabine Rauch
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Auch die Finanzen sind ein Problem

Hundsangen -Eigentlich war sie immer froh, dass sie Celina nicht in eine Einrichtung geben musste, dass sie und ihr Mann ihre Tochter zu Hause fördern, betreuen und pflegen konnten. Und sie war stolz, wenn andere Menschen ihnen Bewunderung zollten, und sie fragten, die wie das nur schaffen mit dem behinderten Kind. Aber die Zeiten sind vorbei. Spätestens als ihr Mann krank wurde, wusste Ella Tripp, dass sie das nicht mehr lange schaffen wird.

Vor drei Jahren ist Heinz Tripp gestorben, seitdem sucht Ella Tripp nach einer Einrichtung, in der Celina genauso gut aufgehoben ist wie zu Hause in Hundsangen. "Aber es gibt keine Pflegeheime für junge behinderte Menschen", sagt Ella Tripp. In vielen Behinderten-Einrichtungen sei ja schon ein Rollstuhl ein Ausschlusskriterium. "Die nehmen nur Menschen, die sich selbst versorgen können."

Celina Tripp kann sich nicht selbst versorgen. Die 25-Jährige hat das Marden-Walker-Syndrom, ist körperlich und geistig schwerbehindert, leidet ständig an Infektionen der Atemwege. Eigentlich muss sie rund um die Uhr betreut werden.

Vor ein paar Wochen hat Ella Tripp eine Institution gefunden, die das übernehmen will: Seit 6. Juli lebt Celina in Wiesbaden. In welcher Einrichtung möchte Ella Tripp nicht in der Zeitung lesen. Denn glücklich ist sie nicht. Aber sie ist darauf angewiesen.

Sie habe sich Entlastung erhofft, aber der Umzug sei zur Belastung geworden, sagt sie. Weil Celina dort nicht so gut aufgehoben ist wie erhofft. Die ersten drei Wochen seien kein großes Problem gewesen, sagt Ella Tripp. Sie hatte sich extra Urlaub genommen, um ihrer Tochter die Eingewöhnung zu erleichtern. Aber der Urlaub ist rum, sie kann nicht mehr von morgens bis abends bei ihrer Tochter sein. Zum Glück habe sie Freunde, die sich mit ihr abwechseln. Aber eine Lösung auf Dauer könne das ja nicht sein. Und die Betreuung in der Klinik auch nicht.

Mit der Krankenkasse vor Gericht

Natürlich sei jede Umstellung schwierig für ihr Kind: eine neue Umgebung, fremde Menschen seien für Celina eine besondere Herausforderung, sagt Ella Tripp. Aber sie mache sich Sorgen, dass Celina all das vergesse, was sie in den vergangenen Jahren gelernt habe. "Sie hat eine ganz tolle Entwicklung gemacht." Sie hatte gelernt, auf die Toilette zu gehen. Jetzt komme sie nicht mehr ohne Windeln aus. Sie hatte das Schlucken gelernt. Jetzt ist von einer PEG-Sonde die Rede. "Alles, was wir uns in den vergangenen Jahren erarbeitet haben, steht jetzt auf dem Spiel." Natürlich trinke Celina sehr langsam, sie brauche für alles viel Zeit, und natürlich hätten die Schwestern die Zeit nicht immer, sagt Ella Tripp. Sie weiß um die Nöte des Klinikpersonals; sie arbeitet selbst als Krankenschwester.

"Eigentlich bräuchte Celina eine Eins-zu-Eins-Betreuung." Die hatte die Krankenkasse auch lange bezahlt - rund um die Uhr. Seit zwei Jahren macht sie das nicht mehr. Seitdem streitet Ella Tripp vor Gericht um die Betreuung ihres Kindes und darum, wer die Kosten für den Pflegedienst übernehmen muss. Die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse sagen, dass Celina tagsüber keine Eins-zu-Eins-Betreuung mehr brauche, unabhängige Gutachter sagen das Gegenteil. Noch steht ein Urteil aus, deshalb weiß Ella Tripp auch noch nicht, ob sie die Kosten für den Einsatz des Pflegedienstes in den vergangenen zwei Jahren vielleicht doch selbst übernehmen muss: rund 30 000 Euro pro Monat. "Woher soll ich das Geld nehmen?"

Westerwaldkreis

zahlt Betreuung

Auch die Unterbringung in Wiesbaden könnte noch teuer für sie werden. Die Kosten für die Betreuung zahle der Westerwaldkreis, die Kasse übernehme die Pflege. Aber noch sei gar nicht entschieden, ob die Krankenkasse die kompletten Kosten für die Unterbringung auf der Intensivpflege-Station der Einrichtung übernehme. Denn dort ist Celina derzeit untergebracht. "Und ich hätte gerne gewusst, was ich zu zahlen habe." Und eigentlich sähe sie Celina sowieso lieber auf einer anderen Station, auf einer, wo sie Kontakt zu anderen jungen Leuten habe, wo nicht jeder so krank sei, dass er nur im Bett liegen könne.

Neue Einrichtung

in Montabaur

Dass das Leben mit einem behinderten Kind ein ewiger Kampf ist, wisse sie schon lange, sagt Ella Tripp. "Ich kämpfe seit 25 Jahren." Jetzt müsse sie erst einmal schauen, ob Celina nicht auf eine andere Station verlegt werden kann, und dann müsse sie jemanden finden, der Celina besucht, wenn sie oder ihre Freunde mal nicht können. "Vielleicht gibt es in Wiesbaden ja jemanden, der das ehrenamtlich macht."

Aber vielleicht finde sie ja irgendwann auch noch einen Platz in einer Einrichtung in der Nähe. In Montabaur wird jetzt ein Haus für Menschen mit Behinderung gebaut, Ende kommenden Jahres sollen dort 24 Männer und Frauen einen Platz finden. Vielleicht ist einer für Celina dabei. Ella Tripp gibt die Hoffnung nicht auf. Schließlich ist Montabaur nicht so weit entfernt wie Wiesbaden. Und vielleicht gibt es dort einen Platz, an dem ihre Tochter wirklich gut aufgehoben ist. Damit sie sich dann irgendwann keine Sorgen mehr machen muss, was mal aus ihr wird, wenn sie nicht mehr ist. SABINE RAUCH

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