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Beim ersten Spatenstich für das Inklusionshaus Dorfmitte waren neben den Initiatoren auch Bewerber für die barrierefreien Wohnungen dabei. Fotos: Kerstin Kaminsky

Weg bis dahin war steinig

Spatenstich für Inklusionshaus mit behindertengerechten Wohnungen und Arbeitsplätzen

Vor sechs Jahren entstand die Idee, im Ortskern von Waldernbach Arbeitsplätze und barrierefreien Wohnraum für Menschen zu schaffen, die in ihrem Alltag Unterstützung brauchen. Am Samstag folgte nun der erste Spatenstich und damit der offizielle Baubeginn des "Inklusionshauses Dorfmitte".

Waldernbach - "Wir sorgen für Inklusion im Kindergarten und in der Schule. Damit kann doch nicht Schluss sein, sobald die behinderten Menschen 18 Jahre alt geworden sind", sagt Nicole Schäfer vom Bildungsforum Mengerskirchen, dem Initiator für das Projekt Inklusionshaus. Denn im Umkreis von fast 40 Kilometer gäbe es keine Möglichkeit, wo Menschen mit Unterstützungsbedarf wohnen und arbeiten können.

Ein Team bestehend aus Firmenchefs, Lehrern, Eltern, einem Steuerberater und dem Bürgermeister suchten nach Lösungen für die Umsetzung und ließ sich auch nicht entmutigen, als alle infrage kommende Partner ein solches Projekt im ländlichen Raum für unrealistisch hielten.

Bauleiter Daniel Ebert (links) und der Vorsitzende der Baugenossenschaft, Walter Beck, freuen sich, dass das Projekt jetzt endlich Gestalt annimmt.

Also wurde die Genossenschaft "Inklusionshaus Dorfmitte" für die Baumaßnahme und der Verein "Mittendrin für Alle" zur Betreuung der Bewohner gegründet. "Nach unserer Bedarfseinschätzung sollte das Haus für 13 Menschen zum Zuhause werden", sagt Genossenschaftsvorstand Walter Beck. Eine barrierefreie Wohngemeinschaft mit sieben Wohneinheiten von je 27 Quadratmetern plus Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss sowie sechs weitere barrierefreie Appartements im Obergeschoss entstanden auf dem Reißbrett; dazu ein gewerblicher Bereich unter dem gleichen Dach.

Geplant wurde das Inklusionshaus von dem auf Alten- und Pflegeeinrichtungen spezialisierten Architekturbüro Ebert aus Merenberg. Es wird mit 5300 Kubikmetern Bauvolumen etwa die Größe von sechs Einfamilienhäusern haben. Die Wohnfläche ist mit 670 Quadratmeter bemessen, dazu 330 Quadratmeter Nutzflächen und eine etwa 100 Quadratmeter große Montagehalle.

Bezugsfertig Ende 2020

Für das Baufeld hatte die Gemeinde in unmittelbarer Nähe zum Familienzentrum drei Grundstücke gekauft, auf denen nur noch Bauruinen standen. "Nach dem Abriss zeigte sich, dass wir den Baugrund auf durchschnittlich zwei Meter Tiefe auskoffern und mit Bauschutt neu auffüllen müssen", erklärte Bauleiter Daniel Ebert. Nun könne bald die Bodenplatte gelegt und mit dem Rohbau begonnen werden. Bezugsfertig soll das Inklusionshaus im Oktober 2020 sein.

Das mit einem Investitionsvolumen von 2,3 Mio. Euro veranschlagte Projekt steht auf drei Säulen der Finanzierung. Ein Viertel ist Eigenkapital, weitere 25 Prozent werden vom Land Hessen, dem Landkreis Limburg-Weilburg sowie der Gemeinde Mengerskirchen bezuschusst und 50 Prozent kommen als Darlehen von der Kreissparkasse Weilburg. "Aktuell hat die Genossenschaft 41 Mitglieder mit 120 Anteilen und wir hoffen sehr, dass noch welche dazukommen", so Beck.

Für die Wohnungen gäbe es bereits zwölf Bewerber und eine Zusage der Lebenshilfe für einen Großteil der gewerblichen Abteilung. Derzeit führe der Verein Gespräch mit den Bewerbern, um den notwendigen Unterstützungsbedarf in der Wohngemeinschaft zu ermitteln und sicherzustellen.

Ortsvorsteher Ruprecht Keller, der gleichfalls als Vertreter des Landkreises beim Spatenstich dabei war, sagte: "Für mich ist das heute ein Glückstag." Auf dem Weg zu diesem Etappenziel habe es wohl mehr als 50 Sitzungen gegeben, wo immer wieder die Frage im Raum gestanden hätte, ob und wie das Ganze zu schaffen sei.

Auch Gemeindevertreter Manfred Gotthard lobte dieses "Wahnsinns-Projekt" und hob das große ehrenamtliche Engagement dafür hervor. Das Inklusionshaus sei ein Leuchtturm im Rahmen des Mengerskirchener Zukunftsforums, welches als Marke die Gemeinde mittlerweile in ganz Hessen bekannt gemacht habe.

VON KERSTIN KAMINSKY

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