1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg

Staunende Blicke in den Schlund

Erstellt:

Kommentare

Das gibt es für Außenstehende sonst nicht zu sehen: Der Blick nach unten in den Lay-Bruch hinein.
Das gibt es für Außenstehende sonst nicht zu sehen: Der Blick nach unten in den Lay-Bruch hinein. © rpk

Hinter den Kulissen des Unternehmens Schaefer Kalk

Hahnstätten -Fast alle 20 auserwählten Leser dieser Zeitung waren schon frühzeitig am vereinbarten Treffpunkt eingetroffen und konnten dort vom Betriebsleiter Wolfgang Scheurer in einem der größten Unternehmen der deutschen Gesteinsindustrie begrüßt und willkommen geheißen werden. Zunächst führte der Weg der Besuchergruppe vom Parkplatzgelände in den Besprechungsraum des Verwaltungsgebäudes, wo Schutzhelme, Warnwesten, Schutzbrillen und ein Funk-Kommunikationssystem für jede Person bereitlagen.

Nachdem alle ordnungsgemäß ausgerüstet waren, ging es über den - den meisten bekannten - Brückenbogen über die B 54 aufs Werksgelände und zuallererst an den ostwärtigen Rand des 162 Jahre alten Lay-Bruches. Dort angekommen wurden massenweise die Handy-Kameras aktiviert oder die Spiegel-Reflex ausgepackt. Solch ein Loch bekommt man ja nicht alle Tage vor die Linse. Ein Steinbruch der Superlative. Eine Sehenswürdigkeit der ganz anderen Art, zu der auch die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) während ihres Besuchs vor zwei Jahren äußerte: "Überwältigend. Welche Dimensionen."

Tiefster Punkt in Rheinland-Pfalz

Der Lay-Bruch erstreckt sich auf einer Fläche von 30,4 Hektar. Bei dieser Fläche, die etwa 32 Fußballfeldern entspricht, ist das Betriebsgelände mit Brennöfen, Silos oder Verwaltungsgebäuden nicht mit eingerechnet. Die größte Ausdehnung hat der Bruch von der B 54 in Richtung Lohrheim blickend mit 634 Metern. Aus Richtung Hahnstätten in Richtung Niederneisen blickend, beträgt die Breite etwa 476 Meter. Bei einer Tiefe von rund 140 Metern (die Rundkirche von Oberneisen würde fünfmal übereinander in die Grube passen) beträgt das Volumen des Steinbruchs 19 Millionen Kubikmeter. Der tiefste Punkt liegt derzeit bei zwölf Metern über dem Meeresspiegel. Damit ist der Lay-Bruch ganz offiziell die tiefste Stelle in Rheinland-Pfalz.

Bis der tiefste Punkt des Steinbruches erreicht ist, müssen die Abraumfahrzeuge eine Fahrstrecke von 1,7 Kilometern zurücklegen. Bei einer Geschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde brauchen sie bis zur Brecheranlage fast fünf Minuten.

Während unsere Leser diese spannenden Zahlen verarbeiteten, wurden sie von Wolfgang Scheurer mit weiteren Daten und Informationen über das seit 1860 bestehende Familienunternehmen in der fünften Generation versorgt. Dabei musste er viele Fragen beantworten, die das große Interesse unserer Besuchergruppe aus Hünfelden, Limburg, Hadamar, Bad Camberg, Selters und Hahnstätten zeigten.

Bei dem Hahnstätter Kalkstein handelt es sich um einen 350 Millionen Jahre alten Massenkalk aus dem Devon. Da er nur geringste Anteile von Nebenmaterialien enthält, zählt der gewonnene Rohstoff zu einem der reinsten Kalksteinvorkommen Europas. Der vielseitige Rohstoff wird im Haus- oder Straßenbau verwendet oder bei der Produktion von Eisen und Stahl, Glas und Kunststoffen, zahlreichen Hygieneartikeln, Papier und Schmuck, Lebensmitteln und Getränken eingesetzt. Scheurer: "Der Rohstoff Kalk ist allgegenwärtig und aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken."

250 Mitarbeiter,

40 Auszubildende

Für die anspruchsvollen Aufgaben bei der Fertigung und Herstellung ihrer Produkte benötigt das Unternehmen qualifizierte, engagierte und teamorientierte Mitarbeiter. Schaefer-Kalk beschäftigt als einer der größten Arbeitgeber in der Region rund 250 (hinzu kommen etwa 50 Kräfte in der Verwaltung) Kräfte - darunter etwa 40 Auszubildende.

Werksleiter Scheurer führte die Besuchergruppe danach durch das Werk, entlang an den Verarbeitungsstätten des im Steinbruch gebrochenen Kalksteins, um dabei beispielsweise an den Brecheranlagen, den Vor- und Nachwäscheeinrichtungen oder den Brennöfen Einzelheiten der Verarbeitungsvorgänge preiszugeben und weitere Fragen zu beantworten.

Abschließender Höhepunkt der rund zweistündigen Besichtigung war - sprichwörtlich - die Fahrstuhlfahrt auf die oberste Plattform der GGR-Öfen, die sich auf 40 Metern befindet.

Auch interessant

Kommentare