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Als die Goetheschüler von Steioffs Rückzug erfuhren, brach in Weilburg im Schulamt gestern Jubel aus.

Nach Protesten

Bernd Steioff verzichtet auf die Stelle als Leiter der Goetheschule

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Der Protest gegen Bernd Steioff als neuen Leiter der Limburger Goetheschule gestern war gar nicht mehr nötig. Der Leiter der Schule im Emsbachtal in Niederbrechen hatte seine Bewerbung bereits vorher zurückgezogen. Über seine Motive sprach er allerdings nicht.

Bernd Steioff wird am kommenden Montag nicht als neuer Leiter der Limburger Goetheschule anfangen. Der bisherige Leiter der Schule im Emsbachtal in Niederbrechen hat gestern seine Bewerbung zurückgezogen, wie der Leiter des Staatlichen Schulamtes für den Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis Limburg-Weilburg, Michael Scholz, im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte. Als viele Goetheschüler, -lehrer und einige Eltern am frühen Nachmittag zur Demonstration gegen Steioff und für ihre Wunschkandidatin Melanie Jansing am Staatlichen Schulamt in Weilburg eintrafen, war ihnen das noch unbekannt. Sie hatten „Team Jansing“ auf ihren Transparenten stehen und „Wir haben eine Schulleiterin“. Jubel brandete auf, als Scholz die Nachricht von Steioffs zurückgenommener Versetzung mitteilte.

Scholz erläuterte, dass es nun eine neue Ausschreibung für diese Schulleiterstelle geben werde. Da diese im verkürzten Verfahren stattfinden könne, sagte der Schulamtsleiter, dass es denkbar sei, die Stelle bereits zum 1. Februar 2019 neu zu besetzen. Falls Jansing zum Zuge käme, könne dann auch die bisher von ihr besetzte Stellvertreterstelle ausgeschrieben werden. Scholz ist guter Dinge, dass Melanie Jansing die Position übernehmen kan, da es bei der letzten Ausschreibung außer Steioff und ihr keine weiteren Interessenten gegeben habe.

„Kein Wunschkonzert“

Scholz sagte aber auch, dass die Besetzung einer Schulleiterposition „kein Wunschkonzert“ sei und er sich bei der Auswahl ans Beamtenrecht halten müsse. Das heiße, wenn sich jemand bewerbe, der bereits woanders als Schulleiter einer vergleichbaren Schule gearbeitet habe, müsse er diese Person Jansing vorziehen. Scholz geht aber nach der klaren öffentlichen Positionierung der Goetheschule für die derzeitige stellvertretende Schulleiterin davon aus, dass andere sich es nun gut überlegen würden, ob sie dort noch ihren Hut in den Ring werfen würden. Auch bei der Mittelpunktschule Goldener Grund in Selters und der Theodor-Heuss-Schule in Limburg gehe das Staatliche Schulamt davon aus, dass die Bewerbungsverfahren zeitnah abgeschlossen werden können.

Bernd Steioff erklärte gestern im Gespräch mit dieser Zeitung, dass es ihm in seiner Laufbahn immer um pädagogische Konzepte und nicht um Karriere gegangen sei. „Es ist völlig unfair, wenn ich in der Öffentlichkeit jetzt als geldgieriger Depp dargestellt werden soll“, sagte Steioff. Jeder – auch das Staatliche Schulamt – wisse seit langem, dass es immer sein erstes Ziel gewesen sei, die Schule im Emsbachtal in Niederbrechen gemeinsam mit der Mittelpunktschule Goldener Grund in Niederselters zu leiten. Beide Schulen würden davon profitieren.

Dass der Schulausschuss des Kreistages nun eine gemeinsame Führung von Brechen und Selters empfohlen habe, hätte er nach Steioffs Auffassung auch schon vor über einem Jahr tun können. Wenn man das aus wahltaktischen Gründen nicht gemacht habe, weil die CDU sonst Stimmeneinbußen im Goldenen Grund und den Verlust von Andreas Hofmeisters knappem Direktmandat bei der Landtagswahl an SPD-Konkurrent Tobias Eckert befürchtet habe, könne man ihn dafür nicht zum Buhmann machen.

Entwicklungspotenzial

Und man könne ihm dann auch nicht vorwerfen, dass er sich dann nach Alternativen umgesehen und sich auch für die Goetheschule beworben habe, deren Entwicklung er schon seit langem intensiv verfolge. Die Haupt- und Realschule sei früher vierzügig gewesen und jetzt nur noch zweizügig. „Durch ihre zentrale Lage sehe ich bei der Goetheschule aber erhebliches Entwicklungspotenzial“, ist sich Steioff sicher. Das hätte er gerne genutzt, die Schule wieder nach vorne gebracht und dabei Jansing in ihren Ideen als Stellvertreterin mit Sicherheit unterstützt. „Wer mich als Schulleiter in Brechen kennt, der weiß, dass ich für gute Ideen aus dem Kollegium immer sehr aufgeschlossen bin“, sagte Steioff. Ob er gestern wegen des Protests zurückgezogen hat, oder weil er nach der Schulausschusssitzung nun doch darauf spekuliert, doch noch Schulleiter für Brechen plus Selters zu werden, dazu wollte sich Steioff wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern.

Dass Melanie Jansing nun doch noch eine Chance hat, Schulleiterin der Goetheschule zu werden, das macht die dortige Personalratsvorsitzende Margit Schaaf glücklich. Jansing sei sehr engagiert, habe als kommissarische Schulleiterin beweisen, dass sie gut dazu in der Lage sei, die Schule zu führen, so Schaaf. Auch Schüler berichteten, dass sie von Jansing begeistert seien.

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